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Wie eine Texanerin zum IS-Twitter-Liebling wurde

Mit einem einzigen Tweet katapultierte sich eine junge US-Forscherin zum Star der Islamisten-Twitter-Szene. Dabei war alles ein Missverständnis.

«Einer wollte mich gleich heiraten»: Die Forscherin Jennifer Williams. (Bild: Twitter/@jenn_ruth)
«Einer wollte mich gleich heiraten»: Die Forscherin Jennifer Williams. (Bild: Twitter/@jenn_ruth)

Sie ist das perfekte All-American-Girl: wasserstoffblondes Haar, hübsch frisiert, jugendliches Aussehen, Tattoos. Doch Jennifer Williams, eine Forscherin aus Texas, ist Konvertitin – und seit neustem unfreiwilliger Liebling der IS-Twitter-Gemeinde. Noch vor zehn Tagen hatte Williams, die Arabisch spricht und seit Jahren über den Islam forscht, 60 Follower auf Twitter.

Heute sind es über 9300, und viele davon sind islamistische Extremisten, nicht wenige davon dürften nach ihren Angaben den IS unterstützen. Das stellte Williams alias @jenn_ruth spätestens fest, als einer ihrer Fans ihr Profilfoto auf Twitter verbreitete – verschwommen, um die islamische Zurückhaltung der Frauen in der Öffentlichkeit zu gewährleisten. Williams, die vor drei Jahren zum Islam übergetreten ist, trägt kein Kopftuch. «Wenn jemand so etwas macht, weisst du, dass du es mit echten Islam-Hardlinern zu tun hast», schreibt Williams auf dem Blog Lawfare, auf dem sie ihre verrückte Geschichte erzählt.

Ironie falsch verstanden

Der Grund für Jennifer Williams' zweifelhafte Berühmtheit ist ein einziger Tweet. Ende September kam der Hashtag #MuslimApologies auf. Muslime, die es leid waren, sich für die Gräueltaten der Islamisten im Nahen Osten rechtfertigen zu müssen, begannen, sich unter diesem Hashtag auf Twitter für alles Mögliche zu entschuldigen: für die beiden Weltkriege, für die Tatsache, dass Pluto nicht als Planet anerkannt wird oder dass Mufasa im Film «The Lion King» sterben musste.

Auch Jennifer Williams wollte sich beteiligen und twitterte über ihr Übertreten zum Islam. «Entschuldigung, dass ich den Koran las, um zu erfahren, was Terroristen denken, und mich der Inhalt des Koran schliesslich dazu brachte, selber zu konvertieren», schrieb sie ironisch.

IS-Flagge als Profilbild

Was dann geschah, beschreibt Williams folgendermassen: «Ich ging ins Bett. Ich freute mich, als ich am nächsten Tag sah, dass mein Tweet einige Male retweetet worden war und ich neue Follower hatte. Natürlich gab es auch einige negative Reaktionen, aber das ist normal auf Twitter. Doch dann nahm die ganze Sache eine unerwartete Wende: Der Tweet ging viral.» Bis heute ist der Tweet über 12'000-mal retweetet worden. Williams fiel auf, dass viele der User die schwarze Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) als Profilfoto hatten. Andere – viele von ihnen sind nun Williams' Follower – posierten mit Schwertern in den Händen vor IS-Flaggen.

Doch damit nicht genug: Plötzlich meldeten sich Männer, die meisten von ihnen aus Saudiarabien, die privat mit Williams sprechen wollten. Einer schrieb ihr, wie hübsch sie verschleiert aussehen würde, ein anderer wollte sie gleich heiraten. Als sie einige Tage später das Bild eines mit IS-Propaganda verschmierten Sicherungskastens mitten in Washington D.C. auf Twitter postete, wurde dies von vielen Followern als Unterstützung für den IS gefeiert.

Zwar stellte Williams gleich darauf in einem weiteren Tweet klar, dass ihr Post nicht als Unterstützung für die Terrormiliz IS zu verstehen sei.

Doch bei zahlreichen ihrer Follower, die mit dem IS sympathisieren, dürfte diese Nachricht nicht angekommen sein. «Vielleicht war es in diesem Moment nicht die beste Idee, dieses Bild zu posten. Doch als Terrorismusforscherin musste ich dies festhalten, die Öffentlichkeit sollte dies sehen», rechtfertigt sich Jennifer Williams auf dem Blog Lawfare.

Darauf distanziert sie sich auch von jeglichem islamistischem Gedankengut. Sie verabscheue die verdrehte Auslegung des Islam, wie sie Gruppierungen wie al-Qaida oder IS praktizierten. Sie sei sicher, dass sich die Aufregung um sie bald lege – bisher sieht es allerdings nicht danach aus: Seit ihrem Blogeintrag vor knapp einer Woche ist ihre Twitter-Gefolgschaft um weitere 5000 angestiegen. Follower seien weiterhin willkommen, schreibt Williams – allerdings keine Terroristen. Diesen rät sie, lieber den Koran zu lesen als Twitter. Der Koran könne das Leben verbessern, wenn man sich Zeit nehme, ihn wirklich zu verstehen.

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