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Wie die Irak-Krise zwei Erzfeinde näherbringt

Das sind ganz neue Töne: US-Aussenminister John Kerry hält eine Zusammenarbeit mit dem Iran bei der Krise im Irak für möglich.

«Ich würde nichts ausschliessen, was konstruktiv sein könnte»: US-Aussenminister John Kerry. (13. Juni 2014)
«Ich würde nichts ausschliessen, was konstruktiv sein könnte»: US-Aussenminister John Kerry. (13. Juni 2014)
Lefteris Pitarakis, Keystone

«Ich würde nichts ausschliessen, was konstruktiv sein könnte», sagte Kerry in einem Interview mit der Nachrichtenseite «Yahoo News» auf die Frage, ob er sich auch eine militärische Kooperation mit Teheran vorstellen könne. Vorher müsse aber klar sein, «wozu der Iran bereit oder nicht bereit sein würde».

Grundsätzlich befürworte die US-Regierung «jeden konstruktiven Prozess, der die Gewalt verringert, den Irak zusammenhält (...) und die Präsenz von ausländischen terroristischen Kräften beendet», ergänzte der US-Chefdiplomat.

Das «Wall Street Journal» hatte zuvor berichtet, dass Vertreter Washingtons und Teherans sich angesichts des Vormarschs der Dschihadistengruppe ISIS noch in dieser Woche zu ersten Beratungen treffen wollten. Noch sei aber unklar, über welche diplomatischen Kanäle der Austausch stattfinden werde.

Das Weisse Haus wollte den Bericht weder bestätigen noch dementieren. Irans Präsident Hassan Rohani hatte am Wochenende überraschend eine Zusammenarbeit mit dem Erzfeind USA im Kampf gegen die Isil-Extremisten angeregt.

USA denkt über Drohnenangriffe nach

Kerry bekräftigte, dass Washington auch über Drohnenangriffe gegen ISIS nachdenke. US-Präsident Barack Obama prüfe «jede verfügbare Option», sagte der US-Aussenminister. Obama hatte am Freitag den Einsatz von Bodentruppen im Irak ausgeschlossen, sich die Möglichkeit von Luftangriffen aber offen gelassen.

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel hat wegen der Irakkrise das Kriegsschiff «USS Mesa Verde» in den Persischen Golf entsandt. Die Verlegung solle Präsident Barack Obama weitere Flexibilität bieten, um auf die Lage zu reagieren, teilte das Pentagon am Montag mit.

Das Schiff ist für amphibische Einsätze konzipiert. Es trägt nach Militärangaben derzeit ein senkrecht startendes Flugzeug. Die USA hatten wegen der Erfolge der Dschihadistengruppe Islamischer Staat im Irak und in der Levante (ISIS) bereits den Flugzeugträger «George H.W. Bush» mit Geleitschiffen in den Persischen Golf entsandt.

Bagdad nicht mehr in unmittelbarer Gefahr

Nachdem ihr Vormarsch zuletzt ein wenig ins Stocken geraten war, konnten die ISIS-Kämpfer am Montag wieder eine wichtige Stadt erobern. Der Bürgermeister der 200'000-Einwohner-Stadt Tal Afar, Abdulal Abdul, sagte, seine Stadt sei vor dem Morgengrauen von sunnitischen Kämpfern eingenommen worden. Die Eroberung brachte die ISIS-Kämpfer ihrem Ziel näher, ihre Gebiete im Irak und Syrien miteinander zu verbinden. Tal Afar liegt an der Autobahn zwischen Mossul und Syrien ist nur 150 Kilometer von der Grenze entfernt.

Die Hauptstadt Bagdad war zunächst nicht mehr in unmittelbarer Gefahr, den sunnitischen Extremisten in die Hände zu fallen. Die USA verstärkten aber die Sicherheitsvorkehrungen für ihre Botschaft und verlegten einige Mitarbeiter in andere Landesteile im Irak oder nach Jordanien. Nach Angaben aus Militärkreisen wurden 100 Soldaten an die Botschaft beordert. Pentagon-Sprecher Kirby sprach von einer «kleinen Zahl», betonte aber, dass jederzeit Verstärkung eingeflogen werden könne.

Auch die irakischen Sicherheitskräfte, deren Mitglieder beim ersten Ansturm von ISIS in Mossul und Tikrit vergangene Woche noch geflohen waren, leisteten mittlerweile offenbar mehr Widerstand. Bei Einsätzen ausserhalb Bagdads seien innerhalb von 24 Stunden 56 «Terroristen» getötet worden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Ministerpräsident Nuri al-Maliki hatte bei einer Rede vor Freiwilligen der neuen Schiiten-Milizen am Sonntag gelobt, die von Isis kontrollierten Gebiete komplett zurückzuerobern. «Wir werden marschieren und jeden Zentimeter befreien, den sie verunstaltet haben, vom nördlichsten zum südlichsten Punkt des Landes.»

AFP/thu

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