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Wie der Vater, so der Sohn?

Republikaner Rand Paul will der nächste US-Präsident werden. Er tritt ein schweres Erbe an: Sein Vater Ron Paul hatte sich drei Mal zur Wahl gestellt – und war gescheitert.

Tritt in einen Wahlkampf, der Monate dauern wird: Rand Paul will für die Republikaner die Kohlen aus dem Feuer holen.
Tritt in einen Wahlkampf, der Monate dauern wird: Rand Paul will für die Republikaner die Kohlen aus dem Feuer holen.
Reuters

Der republikanische US-Senator Rand Paul will Präsident werden. Der Augenarzt erklärte am Dienstag auf seiner Internetseite seine Kandidatur für die Wahlen 2016. Er steigt damit als zweiter Politiker in das Rennen um die Nachfolge von US-Präsident Barack Obama ein. Ende März hatte bereits der republikanische Senator Ted Cruz als Erster seinen Hut in den Ring geworfen.

Der 52-jährige Paul plante, seine Ziele am Nachmittag in einer Rede zu erläutern. Grossen Einfluss auf sein politisches Denken und Schaffen hat sein Vater Ron Paul. Dieser hatte sich mehrfach um eine Spitzenkandidatur der Republikaner beworben – vergeblich. Um selber Erfolg zu haben, wird sich Sohn Rand von den radikal liberalen Ansichten seines Vaters distanzieren müssen.

Vater als libertäre Gallionsfigur

Ron Paul war in den vergangenen Jahrzehnten der Querdenker der republikanischen Partei. Vertreter des konservativen Establishments rollten mit den Augen, wenn der Gynäkologe die Abschaffung der Notenbank Federal Reserve forderte oder die Stützpunkte des US-Militärs rund um die Welt dichtmachen wollte. Mehrheitsfähig waren seine Positionen nie: Drei Mal nahm er vergeblich Anlauf auf die Präsidentschaft, es reichte nur für einen Sitz im Repräsentantenhaus.

Doch Ron Paul konnte eine treue Anhängerschaft hinter sich versammeln. Der Frauenarzt wurde zur Galionsfigur des Libertarismus, einer Strömung, die sich mit ihrem Primat der individuellen Freiheit nur schwer in das Zwei-Parteien-System der Vereinigten Staaten pressen lässt.

Beim Eintreten für bürgerliche Freiheiten und der isolationistischen Aussenpolitik ergeben sich Schnittmengen mit dem linken Flügel der Demokraten, in der Wirtschafts- und Sozialpolitik verdammen Libertäre dagegen Staatsausgaben und Steuern.

Medizinstudium, Kolumnist, Wahlkampf

Der Vater spielte eine prägende Rolle für Randal Howard Paul, der 1963 als drittes von fünf Kindern in Pittsburgh geboren wurde. Die Familie zog später nach Texas, wo Rand Paul als Teenager die Lehren von marktliberalen Ökonomen wie Ludwig von Mises aufsog. Zur Pflichtlektüre im Hause Paul gehörte auch die US-Philosophin Ayn Rand und ihr Plädoyer für einen schrankenlosen Kapitalismus.

Während seines Biologiestudiums in Texas engagierte Rand Paul sich in einer konservativen Jugendorganisation. Später studierte er Medizin und machte eine Ausbildung zum Augenarzt. Während eines Praktikums lernte Rand Paul 1989 seine Frau Kelley kennen, bei der Hochzeit im folgenden Jahr verpflichtete er dem Magazin «New Yorker» zufolge seinen Vater als Trauzeugen.

Verlor zuletzt in den Vorwahlen 2012 gegen den republikanischen Konkurrenten Mitt Romney: Ron Paul. Bild: Keystone / Carlos Osorio (Archivbild)
Verlor zuletzt in den Vorwahlen 2012 gegen den republikanischen Konkurrenten Mitt Romney: Ron Paul. Bild: Keystone / Carlos Osorio (Archivbild)

Auch Politik blieb bei Rand und Ron Paul eine Familienangelegenheit. Der junge Arzt nahm sich Auszeiten, um die Wahlkämpfe seines Vaters zu managen. Selbst bewarb sich Rand Paul zunächst nicht um ein Amt. Als Zeitungskolumnist und Fernsehkommentator in seiner Wahlheimat Kentucky griff der Vater von drei Kindern aber regelmässig in die politische Debatte ein.

Rand Pauls Stunde schlug mit dem Aufstieg der Tea-Party-Bewegung, die zwei Jahre nach dem Amtsantritt von Präsident Barack Obama eine Reihe rebellischer Republikaner in den Kongress spülte. Paul gewann im November 2010 einen Senatssitz für Kentucky, nachdem er sich parteiintern gegen einen Kandidaten des republikanischen Establishments durchgesetzt hatte.

«Entfesselt den amerikanischen Traum»

Im Senat gehört Paul zu den Republikanern, die besonders vehement für eine Kürzung der Staatsausgaben eintreten. Zugleich zeigte er liberale Ansätze in der Drogenpolitik, warnte vor der Überwachung durch die NSA und brachte eine Strafrechtsreform ein, von der vor allem Afroamerikaner profitieren würden.

Mit einer Dauerrede stemmte er sich im März 2013 gegen die Bestätigung des neuen CIA-Direktors John Brennan, der als Obamas Anti-Terror-Berater die umstrittenen Drohnenangriffe ausgeweitet hatte.

Rand Paul spielt die Aussenseiter-Karte, sein Wahlkampfslogan lautet «Besiegt die Washingtoner Maschine. Entfesselt den amerikanischen Traum». Allerdings scheint er aus den Erfahrungen seines Vaters zu lernen, dass die reine Lehre des Libertarismus keinen Erfolg verspricht.

In der Aussen- und Sicherheitspolitik näherte sich Paul bereits der Parteilinie an. Statt Budgetkürzungen beim Pentagon schlug er kürzlich vor, dem Militär 190 Milliarden Dollar zusätzlich zur Verfügung zu stellen.

SDA

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