Wer verhält sich hier wirklich rassistisch?

Die politische Situation zwischen US-Präsident Donald Trump und den vier Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-­Cortez, Rashida Tlaib, Ilhan Omar und Ayanna Pressley ist auf verschiedene Art zu lesen.

Von links nach rechts: Rashida Tlaib, Ayanna Pressley, Ilhan Omar und Alexandria Ocasio-­Cortez.

Von links nach rechts: Rashida Tlaib, Ayanna Pressley, Ilhan Omar und Alexandria Ocasio-­Cortez.

(Bild: Keystone Jim Lo Scalzo)

Sebastian Briellmann

Die eine Lesart, die geht so: Es gibt in den USA vier demokratische Kongressabgeordnete mit Migrations­hintergrund, von Verbündeten liebevoll «Squad» getauft, die Truppe, bestehend aus Alexandria Ocasio-­Cortez (AOC), Rashida Tlaib, Ilhan Omar und Ayanna Pressley. Die «Squad» wehrt sich gegen Präsident Donald Trump – nicht erst, seit dieser das Quartett dazu aufgefordert hatte, sie könnten doch in ihre Herkunftsländer zurückgehen, wenn es ihnen in den USA nicht passe. Für die Truppe ist Trump ein Rassist, ein Faschist auch, sie wollen sein Albtraum sein, wie öffentlich wiederholt betont wird. Das gibt Sonderapplaus vom links­liberalen Justemilieu. Auch die deutschsprachige Berichterstattung hält locker mit: Meist überkommt einem nach der Lektüre das Gefühl, es handle sich um Heldinnen, da sie die Auserwählten seien, die den unmöglichen Herrscher stürzen könnten. Halleluja!

Die andere Lesart, die geht so: Ja, Trump hat sich, mal wieder, rüpelhaft verhalten – aber wenn man genau hinschaut, wie es die «Sonntags­Zeitung» wohltuend getan hat, kann man dem Präsidenten nicht wirklich einen Rassismusvorwurf machen, weil er die Hautfarbe und Religion der vier Politikerinnen nie erwähnt. Was man ihm, zu Recht, vorwerfen kann, ist törichtes Benehmen und sicher auch politisches Kalkül. Doch sein Plan geht auf: AOC hat laut einer Umfrage der Demokraten bei den US-Wählern nur bei 22 Prozent einen guten Ruf, Omar sogar nur bei neun Prozent. Hohe Parteivertreter ahnen anonym bereits Böses, sollten ihre Wähler nur noch die Meinungen dieser vier Frauen hören.

Feurige Supporter der Israel-Boykott-Bewegung BDS

Schwer erträglich ist es, dass die erste Lesart dominiert. Man muss kein Trump-Fan sein, aber die überschwänglichen Voten über die «Squad» sind gefährlich, denn für viele westliche Werte hat die Truppe wenig übrig. Omar ist zudem eine üble Antisemitin, die Israel einen Apartheidstaat nennt, der die Welt hypnotisiere – und sie bittet Allah, er solle die Menschen aufwecken, damit sie diese «teuflischen Dinge» sehen. Auch hat sie Republikanern haltlos vorgeworfen, sie würden von der Israel-Lobby bestochen. Sie, AOC und Tlaib sind darüber hinaus feurige Supporter der Israel-Boykott-Bewegung BDS.

Warum kommt das so selten zur Sprache? Warum werden solche ­Aussagen kaum angeprangert? Wer ­verhält sich hier wirklich rassistisch?

Basler Zeitung

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