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Wenn der Chavismus an seine Grenzen stösst

Nicolás Maduro siegte bei den venezolanischen Präsidentschaftswahlen – wenn auch denkbar knapp. Nach drei Niederlagen in Folge gibt sich die Opposition kampflustiger denn je.

«Chávez wird am 14. April siegen»: Maduro setzte bei seiner Kampagne auf die Strahlkraft des Ex-Präsidenten. (Archivbild)
«Chávez wird am 14. April siegen»: Maduro setzte bei seiner Kampagne auf die Strahlkraft des Ex-Präsidenten. (Archivbild)
Keystone

In Venezuela geht die bolivarische Revolution nach der denkbar knappen Wahl des Chávez-Kandidaten Nicolás Maduro weiter, aber der Unmut wächst. Die Opposition ist gestärkt. Das Land ist gespaltener denn je.

«Meine Meinung ist absolut und unumkehrbar ... Ihr solltet Nicolás Maduro wählen» – diesen Wunsch haben die Venezolaner Hugo Chávez erfüllt, allerdings äusserst knapp. Schon Ende vergangenen Jahres – Monate vor seinem Tod Anfang März 2013 – hatte der an Krebs erkrankte «ewige Comandante» seinen Landsleuten Maduro als Nachfolger ans Herz gelegt.

Knapper Ausgang überrascht

«Chávez wird am 14. April siegen», wiederholte Maduro im Wahlkampf immer wieder. Der Sieg kam, doch was überraschte, war, wie knapp er ausfiel. Nie war die Opposition in Venezuela dem Ziel eines Machtwechsels so nah. Sie will das Ergebnis nicht akzeptieren und pocht auf eine Überprüfung des Resultates.

Weniger als zwei Prozentpunkte oder rund 235'000 Stimmen trennten den 40 Jahre alten Oppositionskandidaten Henrique Capriles Radonski vom Einzug in den Präsidentenpalast. Das sorgt für Unruhe. In nur sechs Monaten wurde der Opposition zum dritten Mal in Folge eine Niederlage beschieden.

Erst verlor Capriles im Oktober 2012 die Präsidentenwahl gegen Chávez klar mit 44 zu 55 Prozent. Dann musste die Opposition im Dezember mehrere Gouverneursposten an die Chavistas abgeben. Und nun unterlag Capriles dem Chávez-Intimus Maduro hauchdünn. Dennoch geht das Oppositionslager gestärkt aus der Wahl, denn ihr Kandidat konnte deutlich zulegen.

Jubelstimmung bei Chavistas

Bei den Chavistas herrschte schon am späten Sonntagabend (Ortszeit) Jubelstimmung. «Viva Venezuela. Viva Chávez», rief der gewählte Staatschef Maduro vor dem Präsidentenpalast Miraflores Tausenden Chavistas zu. «Heute können wir sagen, dass wir einen legalen, verfassungsmässigen Sieg (errungen) haben.»

Seine Anhänger feierten den ersten Wahlsieg der Nach-Chávez-Ära frenetisch mit Feuerwerk und Auto-Corsos. Obwohl Maduro bei weitem nicht über das Charisma von Chávez, dem «Vater der Nation», verfügt, sehen viele in ihm den neuen «Comandante». Im Schatten von Chávez hat er gesiegt, nun muss er zeigen, ob er ohne ihn regieren kann.

Staatsmännischer Maduro

Direkt nach der Wahl zeigte sich Maduro staatsmännisch. «Ich rufe das bolivarische Volk zum Frieden auf. Ich lade alle, die uns nicht gewählt haben, ein, mit uns zu arbeiten.» Das hätte vermutlich auch Capriles nach einem Wahlsieg so formuliert.

Maduros Gegenkandidat Capriles wollte sich mit der Verliererrolle nicht abfinden und wies wütend Behauptungen zurück, es gebe einen Pakt zwischen ihm und Maduro. «Ich bin ein Kämpfer. Ich paktiere weder mit der Lüge noch mit der Korruption», liess er seinen Kontrahenten wissen.

Hängepartie droht

Nach dem Wahlsonntag ist Venezuela tief gespalten. Knapp die Hälfte der Wähler stimmte nicht für die Revolution und den von Chávez propagierten «Sozialismus des 21. Jahrhunderts», sondern eben für einen Kurswechsel.

Der Chavismus stösst beim Wahlvolk offenbar an seine Grenzen. Die Opposition jedenfalls will das Wahlergebnis erst akzeptieren, wenn das Resultat umfassend überprüft wurde. Venezuela droht eine Hängepartie.

Uneinheitliche Reaktionen

Im Ausland dürfte der Wahlausgang gemischte Gefühle auslösen. Wohl eher nüchtern wird Washington den Wahlsieg Maduros zur Kenntnis nehmen.

Die engsten Verbündeten Venezuelas in Lateinamerika – Kuba, Bolivien, Ecuador, Nicaragua – werden nicht zuletzt wegen der geleisteten Petro-Dollar-Hilfe Venezuelas aufatmen. Auch unter Maduro wird Venezuela im Schulterschluss mit Kuba weiter zu den stärksten Gegenpolen und Kritikern der USA in Lateinamerika gehören.

SDA/mrs

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