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Warten in Khartum

Der 90-tägige Einreise­stopp für Bürger aus einigen gescheiterten Terror-Staaten löste im Westen Entrüstung aus. Die Reaktionen in den arabo-muslimischen Staaten waren nüchterner.

Proteste gegen das Trump-Dekret in den USA.
Proteste gegen das Trump-Dekret in den USA.
Keystone

Die Entrüstung im internationalen Juste Milieu über Präsident Trumps angeblichen Muslim-­Bann – in Wirklichkeit ein 90-tägiger Einreise­stopp für Bürger aus einigen gescheiterten Terror-Staaten – hallt noch immer nach. Das Dekret sei «rassistisch», hyperventilierten die westlichen Medien fast einstimmig, sei «islamophob» und treibe den «Terroristen neue Anhänger» in die Arme. Als ob jemand zum Selbstmordattentäter würde, weil er ein paar Wochen länger auf ein Visum für die Vereinigten Staaten warten muss. Was ein junger Mann in Khartum oder Sanaa angesichts korrupter Bürokratien schon lange gelernt hat, dann ist es Warten.

In starkem Kontrast zur Aufgeregtheit der Muslimretter im säkularen Abendland stand die nüchterne Reaktion der arabo-muslimischen Staaten, von denen keiner eine Trump’sche Bedrohung für Muslime entdecken konnte (Memri). Saudi­-Arabien unterstrich das «Recht der USA, die Sicherheit ihres Volkes zu schützen». Der Aussenminister der Vereinigten Arabischen Emirate erklärte, dass sich das Trump-Dekret «keinesfalls gegen eine bestimmte Religion richtet». Aber auch wer es kritisierte, wie der Irak, Jemen oder Sudan tat dies zurückhaltend und ohne im Gegenzug Visabeschränkungen für Amerikaner einzuführen.

Wohltuende Vielfalt der Meinungen

Naturgemäss weniger diplomatisch ging es in den Kommentarspalten der arabischen Medien zu und her. Neben der üblichen Verdammung der «kriegerischen» und «araberfeindlichen» und «anti-muslimischen» Aussenpolitik der Amerikaner wurde aber auch die «Islamische Welt» selber verantwortlich gemacht für die Ausbreitung der «religiösen und kulturellen Kriege», für all die «Scheusslichkeiten» und den «Hass», welche erst zu Trumps Entscheid geführt hätten (Al-Hayat).

Die Vielfalt der Meinungen in den arabischen Blättern unterschied sich für einmal wohltuend von der deprimierenden Eintönigkeit, die vor allem in europäischen Medien vorherrscht, in denen ein Muslim beispielsweise nur in zwei Formen zu existieren scheint. Entweder als Opfer, als eine Art wehrloses Robbenbaby mit Kopftuch, das vor populistischen Stockgesellen geschützt werden muss. Oder als extrem reizbarer, angsteinflössender Zeitgenosse, den man nie verärgern darf und dem man am besten nicht in die Augen schaut.

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