Warnung aus dem Baltikum

Eine Arbeitsgruppe von mehreren US-Diensten untersucht die angebliche russische Verwicklung in die Präsidentschaftswahl. Donald Trump könnte die Ermittlungen stoppen.

James Clapper Jr., Direktor für Nationale Aufklärung, und NSA-Chef Michael Rogers bei einer Anhörung im Senat. Foto: Jim Lo Scalzo (Keystone)

James Clapper Jr., Direktor für Nationale Aufklärung, und NSA-Chef Michael Rogers bei einer Anhörung im Senat. Foto: Jim Lo Scalzo (Keystone)

Martin Kilian@tagesanzeiger

Die amerikanische Zeitungskette McClatchy hat gestern unter Berufung auf mehrere Quellen berichtet, dass eine Arbeitsgruppe von vier US-Diensten sowie dem Justiz- und Finanzministerium derzeit untersuche, ob Russland den Wahlkampf des neuen Präsidenten Donald Trump unterstützt habe. Neben der CIA, dem FBI und der NSA seien auch die Abteilung für Finanzkriminalität im Washingtoner Finanzministerium sowie das Büro des Direktors für Nationale Aufklärung in der Arbeitsgruppe vertreten.

Laut dem McClatchy-Bericht sind die Ermittler insbesondere an der Frage interessiert, ob Gelder aus Russland über die Konten russischer Pensionäre in den USA an Hacker verschoben worden seien. In einem Anfang Januar vorgelegten Report amerikanischer Dienste heisst es, der Kreml habe das Hacken von E-Mail-Konten von Demokraten während des US-Wahlkampfs angeordnet.

Verdächtige Audioaufnahme

Der neue Präsident Donald Trump hatte diese Anschuldigung zunächst zurückgewiesen, nach einem Briefing durch US-Dienste jedoch einen Rückzieher gemacht. Auch der nachrichtendienstliche Ausschuss des US-Senats wird sich in den kommenden Monaten mit der Rolle Moskaus im US-Wahlkampf beschäftigen.

Die BBC hatte in der vergangenen Woche berichtet, dass die Arbeitsgruppe der US-Dienste bereits im Frühjahr ins Leben gerufen worden sei. Ein baltischer Alliierter der USA habe die CIA damals von einer Audioaufnahme unterrichtet, derzufolge der Kreml klandestin Geldmittel zur Beeinflussung der US-Wahl bereitstellen wollte.

Weiterhin berichtete die BBC, dass das FBI Mitte Oktober eine Ermächtigung eingeholt habe, um Ermittlern den Zugang zu Bankkonten und Überweisungen zu ermöglichen. Diese Autorisierung sei im Einklang mit dem «Foreign Intelligence Surveillance Act» erteilt worden, der unter anderem die Überwachung von Personen durch die NSA regelt.

Muss FBI-Direktor Comey um seinen Job fürchten?

Die neue Trump-Administration kann die Arbeitsgruppe der US-Dienste zwar auflösen, jedoch nur bedingt Einfluss auf die Ermittlungen des FBI nehmen. Allerdings ist unklar, ob Präsident Trump den amtierenden FBI-Direktor James Comey weiterhin an der Spitze des Bundeskriminalamtes belassen wird.

Eine Quelle mit Zugang zu US-Diensten bestätigte am Donnerstag gegenüber baz.ch/Newsnet in Washington die Existenz der Arbeitsgruppe, zeigte sich aber skeptisch bezüglich des Fortgangs der Ermittlungen nach dem Amtsantritt von Donald Trump. Laut dem Informanten sind jedoch sowohl der britische Auslandsgeheimdienst MI6 als auch Geheimdienste im Baltikum überzeugt, dass Moskau die US-Wahl beeinflussen wollte.

Der designierte Präsident Trump hat inzwischen zwar eingeräumt, dass Russland das Hacken demokratischer Mails angeordnet habe, jedoch kategorisch verneint, dass dadurch das Ergebnis der US-Wahl beeinflusst worden sei. Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte im Sommer und Herbst 2016 gehackte Mails des Demokratischen Nationalkomitees sowie des Vorsitzenden des Clinton-Wahlkampfs, John Podesta, in grosser Zahl veröffentlicht.

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