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Von der Hotelsuite auf die Sträflingsinsel

Ein Zimmer von dreieinhalb mal vier Metern ist das neue Zuhause von Dominique Strauss-Kahn. Die nächsten Tage wird der gestrauchelte IWF-Chef auf einer kleinen Insel wohnen.

Kann wieder lachen: Strauss-Kahn als freier Mann auf den Strassen New Yorks. (25. August 2011)
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Reuters
Feierte seine Entlassung aus dem Hausarrest: Dominique Strauss-Kahn verlässt das Restaurant Scalinatella in Manhatten. (1. Juli 2011)
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Reuters
Wie im Film: Die Crime Scene Unit ermittelt im Hotel. (15. Mai 2011)
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Von der Hotelsuite in die Einzelzelle: Während IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wegen Sex-Vorwürfen seine erste Nacht im berüchtigten US-Gefängnis Rikers Island verbrachte, wird in Frankreich über mögliche Verteidigungsstrategien für den 62- Jährigen diskutiert.

Die Pariser Tageszeitung «Le Figaro» zitierte einen US-Anwalt, der das völlige Abstreiten eines sexuellen Annäherungsversuchs an ein Zimmermädchen für die am wenigsten wahrscheinliche Option hält.

Strauss-Kahn könnte behaupten...

«Er könnte dafür plädieren, dass sie sein Verhalten falsch interpretiert hat, dass er sie nur anmachen wollte und sie das falsch verstanden hat», sagte der New Yorker Strafrechtsexperte Evan Barr dem Blatt. Auch könne Strauss-Kahn behaupten, dass das Zimmermädchen ebenfalls interessiert gewesen sei.

Der Franzose, der als Nachfolger des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy gehandelt wurde, soll am Samstag in einem New Yorker Hotel über eine Angestellte hergefallen sein und versucht haben, sie zu vergewaltigen. Eine Richterin hatte am Montag eine Freilassung Strauss-Kahns auf Kaution abgelehnt.

Erste Nacht in echtem Gefängnis

Vergangene Nacht musste der 62-Jährige seine erste Nacht in einem echten Gefängnis verbringen. Die US-Polizei brachte ihn gestern in die New Yorker Haftanstalt Rikers Island. Das riesige Gebäude liegt auf einer Insel im East River.

Dort werde der Präsident des Internationalen Währungsfonds (IWF) zumindest bis zum nächsten Gerichtstermin am Freitag eine etwa dreieinhalb mal vier Meter grosse Einzelzelle bewohnen, sagte ein Sprecher der Gefängnisbehörde dem US-Sender CNN. Bislang war er in einer Polizeieinrichtung für Opfer von Sexualverbrechen im Stadtteil Harlem untergebracht.

Strauss-Kahn werde keinen Kontakt zu anderen Gefangenen haben, da er als berühmte Persönlichkeit gesehen werde, sagte der Sprecher. Auf Rikers Island sind weitere rund 14'000 Männer und Frauen inhaftiert, die eines Gewaltverbrechens oder anderer in New York City begangener Straftaten beschuldigt werden oder bereits dafür verurteilt wurden.

Staatsanwaltschaft überprüft früheren Fall

Unterdessen prüft die New Yorker Justiz, ob der IWF-Chef möglicherweise schon einmal eine Frau angegriffen hat. Es gebe entsprechende Hinweise, hiess es von der Staatsanwaltschaft.

Der frühere Fall soll sich zwar ausserhalb der USA abgespielt haben, aber – zumindest in groben Zügen – dem aktuellen Vorwurf gleichen. «Einige Informationen beinhalten Hinweise, dass er tatsächlich schon einmal ähnlich gehandelt hat wie in dem Fall, der ihm jetzt zur Last gelegt wird», sagte John McConnell von der Staatsanwaltschaft der «New York Times».

Ende der politischen Karriere

Der frühere «Le Monde»-Chefredakteur Daniel Vernet hält die politische Karriere Strauss-Kahns nach den Vergewaltigungsvorwürfen für beendet. Der Prozess in den USA könne mehrere Monate oder auch Jahre dauern, sagte der Publizist im Deutschlandfunk.

74 Jahren Gefängnis

Die New Yorker Ermittler legen Dominique Strauss-Kahn schwere Verbrechen zur Last. Sieben Anklagepunkte präsentierten sie gestern. Darunter finden sich versuchte Vergewaltigung, Freiheitsberaubung sowie erzwungener Oral- und Analverkehr. Auf die angeführten Taten steht eine maximale Strafe von mehr als 74 Jahren Gefängnis.

Strauss-Kahn soll den Angaben zufolge das 32-jährige Zimmermädchen am Samstag in einem Luxushotel in New York zu oralem und analen Sex gezwungen haben. Ausserdem habe der IWF-Chef versucht, mit der Frau vaginal zu verkehren.

Freiheitsberaubung

Weitere Anklagepunkte betreffen Vorwürfe, Strauss-Kahn habe die Frau zu sexuellen Handlungen genötigt, sie missbraucht und ihren Intimbereich berührt. Weiter wird dem französischen Politiker Freiheitsberaubung zur Last gelegt.

Aus Gerichtsunterlagen geht hervor, dass auf die Anklagepunkte eine maximale Freiheitsstrafe von 74 Jahren und drei Monaten steht. Alleine die Vorwürfe des erzwungenen Oral- und Analverkehrs könnten jeweils 25 Jahre Gefängnis bedeuten.

Wegen der mutmasslichen versuchten Vergewaltigung droht Strauss-Kahn demnach eine Einzelstrafe von bis zu sieben Jahren, in den anderen Punkten jeweils mindestens drei Monate Haft und mehr.

Sollte Strauss-Kahn seine Meinung ändern und sich schuldig bekennen, könnten Anklage und Verteidigung ein milderes Strafmass aushandeln (Plea Bargaining).

Hotel Sofitel in der Kritik

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn soll sich über Jahre hinweg sexueller Vergehen schuldig gemacht und für seine Aktivitäten immer dasselbe New Yorker Hotel genutzt haben. Ein französischer Politiker erklärte gestern, Sofitel habe über die Vorgänge Bescheid gewusst – ein Vorwurf, den das Luxus-Hotel in der Nähe vom Times Square umgehend entschieden zurückwies.

Der konservative französische Abgeordnete Michel Debré hatte zuvor erklärt, es sei nicht das erste Mal, dass DSK im Sofitel dieser Art von Aktivitäten nachgegangen sei. «Dort ist er immer abgestiegen», zitierte ihn die französische Wochenzeitung «L'Express» auf ihrer Webseite. Jeder im Hotel habe Bescheid gewusst, schliesslich sei das etliche Male und über Jahre hinweg passiert.

«Grundlos und verleumderisch»

Sofitel wies die Anschuldigungen in einer Stellungnahme als «grundlos und verleumderisch» zurück. Das Management habe «keine Kenntnis über frühere versuchte Aggressionen» gehabt. Vor mehr als einem Jahr sei eine Telefon-Hotline für Mitarbeiter eingerichtet worden, um Vorfälle zu melden.

sda/dapd/rub/bru

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