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Verschwörungstheoretiker und Elvis-Imitator unter Verdacht

Die Giftbriefe an US-Präsident Obama und einen Senator soll ein 45-jähriger Mann aus Mississippi verschickt haben. Die Polizei nahm den Mann fest, der in Online-Blogs bizarre Einträge hinterlassen hatte.

Dem FBI gelang eine Verhaftung: Ein Fahrzeug der Polizei vor dem Gebäude der Postabteilung des Kongresses. (17. April 2013)
Dem FBI gelang eine Verhaftung: Ein Fahrzeug der Polizei vor dem Gebäude der Postabteilung des Kongresses. (17. April 2013)
AP

Im Zusammenhang mit den mutmasslichen Gift-Briefen an US-Präsident Barack Obama und einen Senator haben die Behörden einen Verdächtigen gefasst. Wie das FBI mitteilte, wurde ein 45 Jahre alter Mann gestern im US-Staat Mississippi festgenommen. Der Mann heisst Paul Kevin Curtis, in seiner Heimat ist er als Elvis-Imitator und Verschwörungstheoretiker bekannt. Der Mann glaubte offenbar, er habe eine Verschwörung aufgedeckt, bei der es um den Handel mit menschlichen Organen ging. Ob Curtis deswegen die Briefe an die Politiker geschickt hat, ist noch unklar.

Die Indizien gegen Curtis häufen sich jedoch. Beide Briefe gleichen sich in ihrer Wortwahl. In beiden findet sich der Satz: «Einen Missstand zu erkennen, aber nicht öffentlich zu machen, bedeutet, seinen Fortbestand zu fördern.» Auch die Signatur der Briefe ist identisch. Diese lautet: «Ich bin KC, und ich segne diese Mitteilung ab.» Eine nahezu identische Formulierung entdeckten die Fahnder an anderer Stelle im Internet – in einem Fanblog für den verstorbenen Musiker Elvis Presley. Der Verdächtige arbeitete unter anderem als Elvis-Imitator, wie amerikanische Medien berichten.

Probleme mit Spital, wo er arbeitete

Der Blog-Eintrag stammt aus dem Jahr 2007 und enthält eine Wutrede gegen die Organisatoren zahlreicher Wettbewerbe für Elvis-Imitatoren. Diese seien manipuliert «durch Preisrichter und Veranstalter, die geschmiert werden». Dann folgt die Signatur: «Ich bin Kevin Curtis, und ich segne diese Mitteilung ab.» In den Briefen an Präsident Obama und einen Senator nennt der Absender nur seine Initialen «KC».

In mehreren Online-Beiträgen, die das FBI ausfindig machte, hatte ein Autor mit dem Namen des Festgenommenen erklärt, er habe in einem lokalen Krankenhaus, wo er von 1998 bis 2000 arbeitete, einen Handel mit menschlichen Organen entdeckt. Daraufhin habe er Probleme bekommen, man habe versucht, sein Unternehmen und seinen Ruf zu ruinieren. Wegen dieser Angelegenheit habe er versucht, in der Regierung, beim FBI und der lokalen Polizei Gehör zu finden. Sein Cousin zeigte sich in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur Associated Press schockiert. «Ich denke, niemand hatte auch nur eine Ahnung davon, was in seinem Kopf vorging», sagte er.

Tödliches Pflanzengift Rizin

Die Briefe an Obama und an Senator Roger Wicker waren in einer ersten Untersuchung positiv auf das tödliche Pflanzengift Rizin getestet worden. Der Bundespolizei FBI zufolge sollen weitere Tests binnen 24 bis 48 Stunden Klarheit über das Gift bringen. Das FBI betonte, dass die Postsendungen nicht im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Bostoner Marathon stehen. In beiden Fällen wurden die Briefe in Poststellen abgefangen, bevor sie in die Nähe der Adressaten gelangen konnten.

Ein weiterer verdächtiger Brief erreichte das Büro von Senator Carl Levin in dessen Heimatstaat Michigan. Zunächst war unklar, ob auch dieser Umschlag Gift enthielt. Das Gebäude in der Stadt Saginaw wurde evakuiert. Levin erklärte, dass einer seiner Mitarbeiter nach Kontakt mit dem Schreiben vorsichtshalber die Nacht zu Beobachtung im Krankenhaus verbringen werde.

Ähnliche Fälle

In den USA ist die Lage nach dem Anschlag in Boston mit drei Toten und mehr als 170 Verletzten angespannt. Das FBI erklärte, derzeit gebe es keine Hinweise auf eine Verbindung zwischen den verdächtigen Briefen und den Bombenexplosionen in Boston.

Die entdeckten Briefe mit offenbar giftigem Inhalt erinnern an ähnliche Fälle im Jahr 2001. Nach den Terroranschlägen vom 11. September hatten damals Briefe mit Milzbrand-Bakterien an Politiker Angst und Schrecken verbreitet. Fünf Menschen starben. Ein vermuteter Zusammenhang mit den Anschlägen auf das World Trade Center konnte auch damals nicht bewiesen werden. Stattdessen wurde ein US-Wissenschaftler als Einzeltäter verdächtigt. Der Mann nahm sich schliesslich das Leben.

sda/AP/mw/chk

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