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«USS John McCain» sollte vor Trump versteckt werden

Beim Besuch von Donald Trump in Japan hat das Weisse Haus laut Medienberichten versucht, den dort stationierten Zerstörer vor dem US-Präsidenten zu verbergen.

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Verschränkte Arme können vieles bedeuten: Donald Trump im Oval Office. (Archiv)
Verschränkte Arme können vieles bedeuten: Donald Trump im Oval Office. (Archiv)
Evan Vucci, Keystone

US-Medien haben berichtet, dass das Weisse Haus US-Militärbeamte darum gebeten habe, sicherzustellen, dass sich ein Kriegsschiff, das nach dem verstorbenen Senator John McCain benannt wurde, beim Japan-Besuch von Donald Trump nicht in dessen Sichtweite ankern dürfe. Der US-Präsident sollte nicht an seinen scharfen Kritiker erinnert werden.

Zwei dieser Artikel beruhten angeblich zum Teil auf E-Mail-Korrespondenz zwischen relevanten Beamten, was eine besonders belastbare Art von Beweisen darstellt. So sollen die Matrosen des Zerstörers, deren Uniformen den Namen von Trumps verstorbenem Intimfeind tragen, frei bekommen haben, berichteten «Wall Street Journal» und «New York Times» am Mittwoch.

Trump bestritt, selber entsprechende Anweisungen erteilt zu haben. Er sei «nicht beteiligt» gewesen und habe von diesen Anordnungen nichts gewusst, die von «wohlmeinenden Leuten» getroffen worden seien. Auch wenn er kein «Fan» des Senators gewesen sei, würde er «nie etwas Derartiges tun», sagte der Präsident am Donnerstag in Washington.

Die «USS McCain» Ende November 2018 im Trockendock in Yokosuka. Bild: Keystone.
Die «USS McCain» Ende November 2018 im Trockendock in Yokosuka. Bild: Keystone.

Das «Wall Street Journal» hatte vorher folgende Anweisung eines Militärvertreters aus einer E-Mail zitiert: «Die 'USS McCain' muss ausser Sichtweite sein.» Dieser erläuterte demnach, er habe vom Militärbüro des Präsidenten und der in Japan stationierten Siebten Flotte entsprechende Anordnungen zur Vorbereitung einer Rede des Präsidenten am Dienstag auf einer japanischen Militäreinrichtung erhalten.

«USS John McCain» nicht manövrierfähig

Die Umsetzung der Anweisung gestaltete sich jedoch der Zeitung zufolge schwierig, da die «USS John McCain» wegen Reparaturarbeiten nicht manövrierfähig war. Daraufhin sei eine Blache über den Schiffsnamen gehängt worden. Die Blache sei vor Trumps Eintreffen zwar wieder entfernt worden, allerdings sei dann ein Frachtkahn vor der «USS John McCain» positioniert worden.

Ein Sprecher der Siebten Flotte sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Fotos der Blache seien bereits am Freitag entstanden. Auch sei der Frachter vor Trumps Eintreffen wieder weggefahren worden. Überhaupt seien für den Präsidentenbesuch keine Änderungen an den Schiffen vorgenommen worden.

Die «New York Times» zitierte zwei US-Marinesoldaten, wonach die Besatzung der «USS John McCain» nicht zur Rede Trumps eingeladen worden sei, sondern stattdessen einen eintägigen Urlaub erhalten habe. Als einige Besatzungsmitglieder mit dem Namen ihres Schiffs auf der Uniform dennoch erschienen seien, seien sie weggeschickt worden.

Von US-Verteidigungsminister «nicht genehmigt»

Der geschäftsführende US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan sei über die Vorkehrungen anlässlich der Trump-Reise auf dem Laufenden gewesen, berichtete die «New York Times» weiter. Shanahan bestritt dies jedoch: Derartiges habe er niemals «genehmigt». Er würde niemals weder «das Andenken an einen grossen amerikanischen Patrioten wie John McCain entehren» noch der Besatzung des Schiffs mit Missachtung begegnen, sagte Shanahan während einer Asienreise.

Empört reagierte McCains Tochter Meghan. Sie bezeichnete Trump auf Twitter als «Kind», das sich auch neun Monate nach dem Tod ihres Vaters von dessen «unglaublichem Leben tief bedroht» fühle.

Tran Trong Duyet mit einer Aufnahme von Kriegsgefangenen am 3. Januar 2018 im ehemaligen Hoa-Lo-Gefängnis.
Tran Trong Duyet mit einer Aufnahme von Kriegsgefangenen am 3. Januar 2018 im ehemaligen Hoa-Lo-Gefängnis.
Nhac Nguyen, AFP
Duyet hatte damals nach eigenen Aussagen so etwas wie eine Freundschaft mit McCain aufgebaut.
Duyet hatte damals nach eigenen Aussagen so etwas wie eine Freundschaft mit McCain aufgebaut.
Nhac Nguyen, AFP
So soll ihm McCain Englisch beigebracht haben. Das «Hanoi Hilton» in Vietnams Hauptstadt ist heute ein Museum. Aufnahme vom 7. Februar 2018.
So soll ihm McCain Englisch beigebracht haben. Das «Hanoi Hilton» in Vietnams Hauptstadt ist heute ein Museum. Aufnahme vom 7. Februar 2018.
Nhac Nguyen, AFP
McCain beschrieb die erste Zeit im Gefängnis als besonders hart.
McCain beschrieb die erste Zeit im Gefängnis als besonders hart.
Nhac Nguyen, AFP
McCain, Sohn von Admiral John McCain, wurde im Gefängnis «Kronprinz» genannt. Touristen besuchen den ehemaligen «Hanoi Hilton»-Knast.
McCain, Sohn von Admiral John McCain, wurde im Gefängnis «Kronprinz» genannt. Touristen besuchen den ehemaligen «Hanoi Hilton»-Knast.
Nhac Nguyen, AFP
Als Kampfflieger warf McCain während des Vietnamkriegs Bomben auf Hanoi ab. Sein Anzug ist im Museum im ehemaligen Hoa-Lo-Gefängnis ausgestellt. (Archivbild)
Als Kampfflieger warf McCain während des Vietnamkriegs Bomben auf Hanoi ab. Sein Anzug ist im Museum im ehemaligen Hoa-Lo-Gefängnis ausgestellt. (Archivbild)
Hoang Dinh Nam, AFP
John McCain hält ein Bild von sich als Häftling bei einem Besuch des Militärmuseums von Hanoi am 19. Oktober 1992.
John McCain hält ein Bild von sich als Häftling bei einem Besuch des Militärmuseums von Hanoi am 19. Oktober 1992.
Hoang Dinh Nam, AFP
Eine undatierte Aufnahme des ehemaligen Kriegsgefangenen John McCain nach seiner Rückkehr mit US-Präsident Richard Nixon.
Eine undatierte Aufnahme des ehemaligen Kriegsgefangenen John McCain nach seiner Rückkehr mit US-Präsident Richard Nixon.
US Navy Handout, Keystone
McCain wurde im März 1973 aus der Haft entlassen.
McCain wurde im März 1973 aus der Haft entlassen.
AP/Harvey Georges, Keystone
Undatierte Aufnahme der Haftentlassung McCains und anderer Kriegsgefangener in Nordvietnam im Jahr 1973.
Undatierte Aufnahme der Haftentlassung McCains und anderer Kriegsgefangener in Nordvietnam im Jahr 1973.
US National Records Archives Administration, Keystone
14. September 1973: McCain wird von einem Militärkollegen zum Flughafen in Hanoi gebracht.
14. September 1973: McCain wird von einem Militärkollegen zum Flughafen in Hanoi gebracht.
AP/Horst Faas, Keystone
John McCain wird in einem Spital in Hanoi behandelt. Aufnahme vom Herbst 1967.
John McCain wird in einem Spital in Hanoi behandelt. Aufnahme vom Herbst 1967.
AP Photo/Str, Keystone
Beim Abschuss seines Kampfflugzeugs hatte sich McCain ein Bein und beide Arme gebrochen. Undatierte Aufnahme.
Beim Abschuss seines Kampfflugzeugs hatte sich McCain ein Bein und beide Arme gebrochen. Undatierte Aufnahme.
CBS via AP, Keystone
John McCain wird von Mitgliedern der nordvietnamesischen Armee und von Zivilisten am 26. Oktober 1967 aus dem See von Hanoi gezogen.
John McCain wird von Mitgliedern der nordvietnamesischen Armee und von Zivilisten am 26. Oktober 1967 aus dem See von Hanoi gezogen.
Reuters
John McCain (unten rechts) mit anderen Piloten seiner Fliegerstaffel während eines Trainings im Jahr 1965.
John McCain (unten rechts) mit anderen Piloten seiner Fliegerstaffel während eines Trainings im Jahr 1965.
Library of Congress Handout, Reuters
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McCain war im August im Alter von 81 Jahren an einem Hirntumor gestorben. Der Republikaner gehörte zu den prominentesten Mitgliedern des US-Senats und war einer der schärfsten innerparteilichen Kritiker Trumps. Noch kurz vor seinem Tod verfügte er, dass der US-Präsident nicht an seiner Trauerfeier teilnehmen solle.

(SDA)

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