Zum Hauptinhalt springen

US-Regierung wollte Schweiz als Steueroase ersetzen

Das unübersichtliche Finanzgeflecht von Mitt Romney lenkt die Aufmerksamkeit auch auf Steuerparadiese. Brisant: Seit den Sechzigerjahren strebt Washington diesen Status nach Schweizer Vorbild an.

ami
Geschickter Finanzakrobat: Mitt Romney.
Geschickter Finanzakrobat: Mitt Romney.
Reuters

Der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner, Mitt Romney, erzielt einem Medienbericht zufolge einen grossen Teil seines Vermögens mit einem unübersichtlichen Netz von Investitionen im Ausland.

Allein auf den Cayman Islands sei Romney nach wie vor mit einem geschätzten Wert von rund 28 Millionen Franken an mindestens zwölf von 138 Fonds seiner 1984 gegründeten Investmentfirma Bain Capital beteiligt, berichtete das US-Magazin «Vanity Fair» gestern in einer ausführlichen Recherche.

Ausland-Transaktionen auf 55 Seiten

Auch in der Schweiz soll Romney rund 3 Millionen Dollar auf einem Konto liegen haben. Erstmals in einer Steuererklärung angegeben hat er es 2010 – dass dies nicht früher geschah, ist laut seiner Sprecherin ein Versehen. Auch auf den britischen Bermudas hat Romney grosse Vermögen.

Lange weigerte er sich, überhaupt Informationen zu seinem Reichtum zu veröffentlichen. Im Vorwahlkampf wurde der Druck aber immer grösser, schliesslich gab er nach. Seither weiss man: allein auf 55 Seiten seiner Steuererklärung geht es um seine Transaktionen im Ausland. Romney versichert stets, er nutze seine Investitionen in all diesen Steuerparadiesen nicht dazu, weniger Steuern in den USA zu zahlen. Doch da er vom Gesetz her keinen Nachweis für sein dortiges Vermögen erbringen muss, stellen dies viele infrage.

Augenmerk auf Steueroasen

Insgesamt soll Romney mithilfe seiner Investmentfirma Bain ein Vermögen von schätzungsweise 250 Millionen Dollar angehäuft haben. Genaue Zahlen gibt es nicht. Seinen Erfolg als Geschäftsmann führt er im Wahlkampf als Argument dafür an, dass er besser geeignet sei als Amtsinhaber Barack Obama, die Wirtschaft des Landes aus der Krise zu steuern.

Doch die Rolle von Bain ist umstritten. Kritiker werfen der Firma vor, systematisch funktionierende Unternehmen aufgekauft, ausgesaugt und dann verscherbelt zu haben. Mit der Debatte um Romneys Finanzgeflecht und die Rolle von Hedgefunds wie Bain wird die Aufmerksamkeit auch auf die Steueroasen innerhalb der USA gelenkt. Denn ohne sie wäre jene Finanzialisierung der Wirtschaft nicht möglich gewesen, von der Firmen wie Mitt Romneys Bain profitierten.

«Wir wollen die Schweiz ersetzen»

In diesem Zusammenhang erwähnt der Bericht von «Vanity Fair» am Rande ein pikantes Detail. Es macht klar, dass sich US-Regierungen seit bald 50 Jahren der Wichtigkeit von Steuerlücken durchaus bewusst sind und sie aktiv geschaffen haben – zumindest für Ausländer.

Im Jahr 1966 bekam demnach ein Bankmitarbeiter in einem Fahrstuhl von einem ehemaligen Regierungsbeamten ein Memo zugesteckt. Es stammte von der Regierung in Washington und war in seinem Wortlaut explizit: «Wir wollen die Schweiz ersetzen.» Er, der Ökonom, sollte nach Strategien suchen, wie die USA ausländische – ausdrücklich keine US-amerikanischen – Schwarzgelder anziehen könnten.

Seither haben sich die USA – nahezu unbemerkt von der eigenen Öffentlichkeit – zu einem gigantischen Steuerparadies entwickelt. Der US-Bundesstaat Delaware gilt als grösstes Steuerparadies überhaupt. Jenes Kapital, das so in die USA fliesst, will irgendwo angelegt sein. Davon profitieren Firmen wie Bain – und damit auch Präsidentschaftskandidat Mitt Romney, der aus seiner ehemaligen Firma noch immer Geld bezieht. Erst im Juni machte er einen Bezug von zwei Millionen öffentlich.

(AFP)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch