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US-Regierung entschädigt Indianerstämme

In den USA ist ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen der Regierung und Indianerstämmen beigelegt worden. Washington erhofft sich mit der Bezahlung von einer Milliarde Dollar eine Verbesserung der Beziehungen.

Fühlen sich wirtschaftlich hintergangen: Die Indianerstämme in den USA (im Bild Komantschen an einer Parade in Washington, 21. September 2004).
Fühlen sich wirtschaftlich hintergangen: Die Indianerstämme in den USA (im Bild Komantschen an einer Parade in Washington, 21. September 2004).
Keystone

In einem als historisch bezeichneten Schritt entschädigt die US-amerikanische Regierung die Ureinwohner des Landes mit rund einer Milliarde Dollar. Das Geld kommt insgesamt 41 Indianerstämmen zugute, wie das Justiz- und das Innenministerium ankündigten.

Die Entschädigung ist das Ergebnis eines jahrelangen Rechtsstreits, den Washington mit mehr als 100 Indianerstämmen geführt hat. Dem Vergleich haben zwar nur 41 «Nations» zugestimmt, aber auch mit den anderen Stämmen wird eine Einigung erwartet.

Über 100-jährige Strafen

Die Ureinwohner hatten der Regierung Misswirtschaft bei der Verwaltung von Stammesgeldern und der Einnahmen aus der Nutzung ihrer Gebiete vorgeworfen, etwa aus dem Öl- und Gasgeschäft oder den Weiderechten.

Die Klagen reichen zum Teil mehr als 100 Jahre zurück. Mit dem Vergleich seien historische Rechtsstreitigkeiten auf faire und ehrenhafte Weise gelöst worden, sagte Justizminister Eric Holder.

Die «langwierigen Rechtsstreitigkeiten» hätten sowohl die Kläger als auch die US-Regierung belastet. Sie seien «viel zu lange» eine Quelle für Konflikte zwischen den Indianerstämmen und den USA gewesen.

«Ein Meilenstein»

US-Innenminister Ken Salazar erklärte, die Einigung werde die Beziehungen zu den Ureinwohnern des Landes verbessern und wieder für eine «positive Arbeitsbeziehung» zwischen ihren offiziellen Vertretern und der US-Regierung sorgen.

In der gemeinsamen Erklärung von Justiz- und Innenministerium ist von einem «Meilenstein» in der Verbesserung der Beziehungen zu den Ureinwohnern die Rede. Die betroffenen Indianerstämme äusserten sich zunächst nicht zu der Entschädigungsvereinbarung.

Bereits 2009 hatte Washington rund 300'000 Indianern Entschädigungen von rund 3,4 Milliarden Dollar zugesprochen. Dabei ging es um eine 1996 eingereichte Sammelklage, die der Regierung vorwarf, sie habe die Indianer um Milliarden-Zahlungen aus Treuhänderfonds geprellt. Die Fonds, in die Erlöse aus der wirtschaftlichen Ausbeutung von Indianergebieten flossen, waren 1897 eingerichtet worden.

«Souveräne Nationen»

Die Indianerstämme sind in vielen Dingen eigenständig. Eigene Währungen dürfen sie ebenso wenig haben wie eine eigene Armee, aber ansonsten nennen sie sich stolz «souveräne Nationen». Einige geben sogar eigene Reisepässe heraus – was nicht selten an Flughäfen für Probleme sorgt.

Jahrhunderte der Unterdrückung haben aber Spuren hinterlassen. Noch heute gibt es bei den Indianern mehr Arbeitslose, Alkoholiker, Schulabbrecher und Kriminelle als in anderen Bevölkerungsgruppen.

Doch seit rund drei Jahrzehnten ändert sich das Bild. Der Hauptgrund ist, dass die Stämme ihre Souveränität zu nutzen wissen: Glücksspiele sind in den USA zwar fast überall verboten, für die Reservate gelten diese Gesetze aber nicht. Insgesamt gibt es in den USA mehr als 400 Kasinos hauptsächlich in den Reservaten, die zusammen einen Umsatz von Dutzenden Milliarden machen.

SDA/rbi

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