USA und Südkorea geben gemeinsame Grossmanöver auf

Trump setzt nach dem Treffen mit Kim auf Deeskalation und kommt Nordkorea entgegen.

Üben um auf eine Attacke von Nordkorea vorbereitet zu sein: Truppen der USA und von Südkorea beim gemeinsamen Training. Archivbild: Keystone

Üben um auf eine Attacke von Nordkorea vorbereitet zu sein: Truppen der USA und von Südkorea beim gemeinsamen Training. Archivbild: Keystone

Die USA und Südkorea wollen künftig auf ihre von Nordkorea scharf kritisierten gemeinsamen Grossmanöver verzichten. Die jährlichen Übungen «Foal Eagle» und «Key Resolve» werden eingestellt, wie das südkoreanische Verteidigungsministerium am Sonntag mitteilte. Sie sollen durch kleinere Übungen ersetzt werden.

Die beiden Verbündeten wollen mit ihrer Entscheidung die diplomatischen Bemühungen um eine Denuklearisierung Nordkoreas unterstützen. Nach Angaben des Pentagon verständigten sich US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan und sein südkoreanischer Kollegen Jeong Kyeong Doo am Samstag in einem Telefonat auf das Ende der Übungen.

Ziel sei es, die Verhandlungen über eine Beendigung des nordkoreanischen Atomprogramms voranzutreiben und zum Abbau der militärischen Spannungen beizutragen, erklärte das südkoreanische Verteidigungsministerium. Zugleich kündigten die USA und Südkorea eine neue "abgeänderte" Militärübung an, die bereits am Montag beginnen soll. Das neuntägige Manöver solle weitgehend defensiver Natur sein, sagte ein Vertreter des südkoreanischen Militärs. Wie viele Soldaten daran teilnehmen, blieb zunächst unklar.

Hundertausende Soldaten

Die USA und Südkorea halten seit Jahren gemeinsame Grossmanöver ab. Nordkorea betrachtet diese als Provokation und Vorbereitung einer Invasion. "Foal Eagle" war das grösste gemeinsame Manöver der beiden Verbündeten. In der Vergangenheit beteiligten sich 200'000 südkoreanische Soldaten und rund 30'000 US-Einsatzkräfte daran. Die Übung "Key Resolve" wurde grösstenteils am Computer simuliert. Die Ankündigung zur Beendigung der Militärmanöver erfolgte kurz nach dem zweiten Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un. Auch wenn es bei dem Treffen in Hanoi keinen Durchbruch gab, ist der US-Präsident weiter um eine Verbesserung der Beziehungen zu Nordkorea bemüht.

Trump kritisiert Kosten

Seit dem ersten Treffen mit Kim im Juni hatten die USA und Südkorea bereits mehrere gemeinsame Übungen in kleinerem Rahmen abgehalten oder abgesagt. Trump kritisierte regelmässig die Kosten für die Militärmanöver, in Hanoi bezeichnete er sie jüngst als «sehr, sehr teuer».

Während einige Beobachter davor warnen, dass eine Aussetzung der Manöver Nordkorea einen strategischen Vorteil verschaffen könnte, halten die meisten Experten solche Befürchtungen für übertrieben. Auch wenn das Ende oder die Verkleinerung der Übungen die Einsatzbereitschaft der Verbündeten schwächen könnte, bedeute dies «keine ernste Bedrohung für Südkorea", sagte An Chan Il, Präsident des Weltinstituts für Nordkorea-Studien in Seoul.

nlu/sda

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