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USA räumen gescheiterte Foley-Rettungsmission ein

Nach dem Schock über die Enthauptung des Reporters Foley tritt die US-Regierung mit einer Enthüllung an die Öffentlichkeit: Es habe in diesem Sommer eine Geiselrettungsmission in Syrien gegeben.

Gedenkfeier für ihren Sohn: Diane und John Foley sprechen zu den Trauergästen. (24. August 2014)
Gedenkfeier für ihren Sohn: Diane und John Foley sprechen zu den Trauergästen. (24. August 2014)
Keystone
IS-Terroristen forderten 100 Millionen Euro für ihren Sohn: Diane und John Foley sprechen vor ihrem Haus in Rochester, New Hampshire, zu Reportern. (20. Ausgust 2014)
IS-Terroristen forderten 100 Millionen Euro für ihren Sohn: Diane und John Foley sprechen vor ihrem Haus in Rochester, New Hampshire, zu Reportern. (20. Ausgust 2014)
Jim Cole, Keystone
Freunde und Arbeitskollegen beschreiben ihn als fair, neugierig und ausgeglichen – Foley während eines Einsatzes in Syrien. (Juli 2012)
Freunde und Arbeitskollegen beschreiben ihn als fair, neugierig und ausgeglichen – Foley während eines Einsatzes in Syrien. (Juli 2012)
Keystone
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Eine US-Rettungsmission zur Befreiung von Extremisten verschleppter Amerikaner in Syrien ist kürzlich gescheitert. Das räumte die Regierung in Washington ein. So seien keine Geiseln gefunden worden. Unter den Entführten sei auch James Foley gewesen.

Tags zuvor hatte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ein Video im Netz kursieren lassen, das die Enthauptung des seit langem vermissten Journalisten zeigt. Zudem führten die Extremisten den ebenfalls verschleppten US-Reporter Steven Sotloff vor und drohten, er sei als Nächster an der Reihe, sollten die US-Angriffe auf IS-Stellungen im Irak weitergehen.

Die Terrorgruppe IS hat für James Foley ein Lösegeld in Millionenhöhe gefordert. Das berichtet die Zeitung «New York Times» unter Berufung auf Familienmitglieder Foleys sowie auf einen Mitgefangenen. Die US-Regierung habe eine Zahlung abgelehnt.

Obama hat das Pentagon angewiesen

In einer Reaktion schwor Präsident Barack Obama seine Landsleute auf einen verschärften Kampf gegen den Islamischen Staat ein. Eine solche Gruppe habe keinen Platz im 21. Jahrhundert, sie werde untergehen. Die Staaten der Region sollten gemeinsam «dieses Krebsgeschwür herausoperieren», erklärte Obama.

Die fehlgeschlagene Rettungsmission sei in diesem Sommer erfolgt, sagte die Antiterrorberaterin im Weissen Haus, Lisa Monaco. Als Geheimdienste den vermeintlichen Aufenthaltsort der Geiseln in Syrien gemeldet hätten und sich die Gelegenheit geboten habe, habe Obama das Pentagon angewiesen, «aggressiv vorzugehen, um unsere Bürger zu retten».

Ein Flugzeug habe mehrere Dutzende Soldaten einer Spezialeinheit vor Ort abgesetzt, sagten weitere Regierungsvertreter. Doch statt die Geiseln aufzuspüren, seien sie vor ihrem Rückzug in ein Feuergefecht mit Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat geraten. Mehrere Extremisten seien dabei getötet worden. Unter den Amerikanern wurde niemand verletzt, doch erlitt einer von ihnen leichte Verletzungen, als das Flugzeug beschossen wurde.

Wen wollten die US-Truppen retten?

An der Mission waren den Angaben zufolge nahezu sämtliche Abteilungen der Armee beteiligt, die Soldaten erhielten auch Luftunterstützung. Pentagon-Sprecher John Kirby bekräftigte am Mittwochabend in einer Erklärung das Bestreben der US-Regierung, die Sicherheit ihrer Bürger zu gewährleisten, vor allem jener in Gefangenschaft. «In diesem Fall haben wir die Besten der US-Armee einer Gefahr ausgesetzt, um unsere Angehörigen nach Hause zu holen. Die Entführung unserer Bürger werden die USA nicht dulden.»

Wann und wo genau die Operation stattfand, wurde mit Verweis auf mögliche künftige Missionen nicht gesagt. Unklar blieb zunächst auch, wie viele Amerikaner die Einheiten retten sollten. Laut unbestätigten Angaben von Regierungsbeamten soll Foley jedoch mindestens einer von vier US-Bürgern gewesen sein, die in Syrien festgehalten wurden. Zwei von ihnen sind vermutlich wie Foley in der Gewalt von Kämpfern des Islamischen Staats. Der vierte, der freie Journalist Austin Tice, verschwand im August 2012 in Syrien und befindet sich womöglich in Gewahrsam der örtlichen Regierungstruppen.

«Die Regierung hätte keine andere Wahl gehabt»

Es war das erste Mal, dass die USA seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien offen die Entsendung von Truppen in das Land einräumten. Bis dato hat sich Obama Forderungen nach einer Intervention in Syrien verwehrt. Die zögerliche Taktik trug aus Sicht seiner Kritiker zum Erstarken der Extremisten des Islamischen Staats bei, die inzwischen auch grosse Gebiete im benachbarten Irak kontrollieren.

Die US-Regierung habe nie vorgehabt, mit der gescheiterten Mission in Syrien an die Öffentlichkeit zu gehen, sagte die Sprecherin des nationalen Sicherheitsrats im Weissen Haus, Caitlin Hayden. Doch habe man sich dazu entschlossen, weil eine Reihe von Medien kurz vor einer Berichterstattung über die Operation gestanden hätte. «Die Regierung hätte keine andere Wahl gehabt, als es zuzugeben.»

AP/chk/bru

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