US-Elitesoldat soll Schulmädchen erschossen haben

Ein Soldat der Navy Seals muss sich wegen mutmasslicher Kriegsverbrechen vor einem US-Militärgericht verantworten. Auch Präsident Trump funkt dazwischen.

Galt als Vorzeigesoldat, nun wird ihm der Prozess gemacht: Edward Gallagher. (Quelle: facebook.com/freeeddieg)

Galt als Vorzeigesoldat, nun wird ihm der Prozess gemacht: Edward Gallagher. (Quelle: facebook.com/freeeddieg)

Special Operations Chief Edward «Eddie» Gallagher gehörte zu den Besten in der US-Eliteeinheit Navy Seals. Er wurde in Afghanistan und im Irak eingesetzt, bildete den Nachwuchs aus, war Scharfschütze, Sanitäter und Bombenspezialist.

Nun werden dem Vorzeigesoldaten grausame Kriegsverbrechen vorgeworfen. 2017 soll Gallagher als Leader des Teams Alpha Platoon in Mosul ein Schulmädchen erschossen haben, das am Ufer des Tigris spazieren ging, ein anderes Mal einen alten Mann, der an einem Brunnen Wasser holen wollte. Laut Augenzeugen soll Gallagher zudem einen 15-jährigen Kriegsgefangenen mit einem Messer erstochen haben.

Nach seiner Rückkehr in die USA erhielt er für seine Verdienste im Krieg einen Orden. Doch ab Mai wird Gallagher vor einem Militärgericht der Prozess gemacht.

In einem internen 439-seitigen Untersuchungsbericht der US-Marine, der der «New York Times» vorliegt, seien die grausamen Verbrechen des hochdekorierten Soldaten detailliert geschildert.

Die Zeitung schreibt von einem Wunder, dass der Fall überhaupt justiziabel wurde. So hätten hochrangige US-Militärs Gallaghers Kriegsverbrechen vertuschen wollen, um dem Ansehen der besten Militäreinheit der USA nicht zu schaden, vermutet die «New York Times». Dass das Thema letztlich doch an die Öffentlichkeit gelangte, sei einzig der Hartnäckigkeit einiger Navy Seals zu verdanken, die mit Gallagher im Irak gedient haben.

Seit Mai 2018 sitzt Gallagher in Untersuchungshaft. Im November wurde er wegen vorsätzlichen Mordes und schwerer Körperverletzung angeklagt. Der Fall ramponiert nicht nur den Ruf der besten US-Militäreinheit, sondern ist auch zu einem Politikum geworden. Einige halten Gallagher trotz der Vorwürfe für einen Kriegshelden, der zu Unrecht auf der Anklagebank sitzt. In den sozialen Medien setzen sich Angehörigen, US-Soldaten und konservative Politiker für seine Freilassung ein. Es werden sogar T-Shirts und Caps mit der Aufschrift «Free Eddie» verkauft.

(Quelle: Facebook/Free Eddie Gallagher – Navy Seal Chief)

Mehrere Republikaner haben öffentlich die Freilassung Gallaghers gefordert. Und auch US-Präsident Donald Trump schaltete sich ein. Auf Twitter teilte Trump mit, dass er Gallaghers Haftbedingungen erleichtert habe. So soll er aus einer Einzelzelle in eine bessere Unterkunft verlegt worden sein.

Redaktion Tamedia

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