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Umstrittene Flaggen

Die Flagge der konföderierten Südstaaten in Amerika steht in der Kritik. Sie ist nicht die einzige.

Junge Rechtsextreme in Reno im US-Bundesstaat Nevada posieren mit Hakenkreuz- und Konförderierten-Flagge.
Junge Rechtsextreme in Reno im US-Bundesstaat Nevada posieren mit Hakenkreuz- und Konförderierten-Flagge.
Keystone

Der Charleston-Attentäter Dylann Roof identifizierte sich offensichtlich nicht bloss mit der Flagge der konföderierten Südstaaten, sondern auch mit denjenigen der Republik Südafrika sowie von Rhodesien. Nachdem sich vier britische Kolonien 1910 zur Südafrikanischen Union zusammengeschlossen hatten, wurde die Flagge 1928 zur offiziellen Fahne. Auch als sich die Südafrikanische Union 1961 in einer Volksabstimmung von Grossbritannien löste und zur Republik Südafrika wurde, blieb die Flagge bestehen. Erst mit dem Ende der Apartheid 1994 wurde die Fahne durch die heute aktuelle ersetzt.

Der mutmassliche Attentäter von Charleston trägt die alten Flaggen Rhodesiens und Südafrikas. Foto: Keystone

Während der Apartheid, die in Südafrika beinahe das ganze 20. Jahrhundert herrschte, gab es eine staatlich festgelegte und organisierte Rassentrennung. Deshalb dient Südafrikas frühere Flagge Rechtsradikalen und sogenannten White Supremacists, welche die genetisch bedingte Überlegenheit der Weissen proklamieren, als Symbol für ihre Gesinnung.

Anhänger trauern in Südafrika um einen erschlagenen Supremacist-Anführer. Rechts ist im Bild: die ehemalige südafrikanische Flagge. Foto: Keystone

Rhodesien war von 1965 bis 1979 ein nicht anerkannter Staat im südlichen Afrika, der Vorläuferstaat des heutigen Zimbabwe. Nach der Kolonisierung durch Grossbritannien in den 1890er-Jahren entwickelte sich rasch ein rassistisches Kastensystem, im dem den Weissen Land und Rechte gehörten und Schwarze als Bauern dienen mussten. 1965 erklärten im Land geborene Weisse die Unabhängigkeit von Grossbritannien. 1979 wurde die weisse Minderheitsregierung gestürzt, wodurch Zimbabwe entstand. In der Folge beherrschte Diktator Robert Mugabe das Land. Es kam zu Menschenrechtsverletzungen und einem Zusammenbruch der Wirtschaft. Rassisten sehen nun Rhodesien als Beweis dafür, dass Schwarze einen funktionierenden weissen Staat unweigerlich ruinieren und deshalb unter Kontrolle gehalten werden müssen.

Hakenkreuz in der Schweiz erlaubt

Flaggen, die einst einen Staat repräsentierten und heute symbolhaft für rechtsextremes oder rassistisches Gedankengut stehen, gibt es auch in Europa. Beispiele sind die schwarz-weiss-rote Flagge des Norddeutschen Bundes von 1867 sowie des Deutschen Kaiserreiches von 1871; ausserdem die Reichskriegsflagge, zwischen 1871 und 1945 die Flagge der Streitkräfte des Deutschen Reiches. Ihre Attraktivität für Rechtsextreme hängt damit zusammen, dass sie einen monarchischen Staat repräsentierten und deshalb als symbolhafte Ablehnung der Demokratie und der heutigen Bundesrepublik Deutschland interpretiert werden können. Bei Aufmärschen von Neonazis dienen die schwarz-weiss-rote Flagge und die Reichskriegsflagge als Ersatz für die in Deutschland verbotene Hakenkreuzfahne. Von der Reichskriegsflagge gibt es insgesamt sieben Versionen, von denen in Deutschland einige verboten sind, andere nicht.

Rechtsradikale in Ludwigshafen an einer 1. Mai-Demonstration mit der ehemaligen Reichskriegsflagge. Foto: Keystone

Wie verfänglich es sein kann, die Reichskriegsflagge zu hissen, erlebte vor gut zwei Jahren SVP-Politiker Oskar Freysinger. Filmaufnahmen für einen Dokumentarfilm zeigten, dass im Büro seines Hauses eine Reichskriegsflagge hängt. Freysinger rechtfertigte dies mit der für einen Gymnasiallehrer und nachmaligen Bildungsdirektor des Kantons Wallis erstaunlichen Aussage, die Flagge habe für ihn einen rein ästhetischen Wert.

Die Reichskriegsflagge im Keller des SVP-Nationalrates Oskar Freysinger. Bild: Printscreen, SRF

Nach Hitlers Machtergreifung hatte das Dritte Reich zunächst zwei Flaggen, die schwarz-weiss-rote und die Hakenkreuzflagge. Sie waren gemeinsam zu hissen. Ab September 1935 war die Flagge mit dem Hakenkreuz die einzige Nationalfahne des Dritten Reiches. Heute ist ihre Verwendung in Deutschland verboten und kann mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden. Auch Fahnen oder Symbole zu zeigen, auf denen das Hakenkreuz leicht abgeändert ist, ist in Deutschland strafbar.

In der Schweiz hingegen ist die Rechtslage verworren. Das Vorzeigen einer Hakenkreuzfahne und anderer rechtsextremer oder rassistischer Symbole kann zwar als Verstoss gegen das Antirassismusgesetz geahndet werden, aber nur, wenn dies mit aktiver Werbung für eine rassistische Ideologie einhergeht. Eine Hakenkreuzfahne lediglich zu besitzen oder mitzuführen, gilt in der Schweiz hingegen als Akt der freien Meinungsäusserung. Zwischen den beiden Tatbeständen eine Grenze zu ziehen, bleibt letztlich dem einzelnen Polizisten überlassen.

Das Hakenkreuz oder die Swastika ist allerdings viel älter als der Nationalsozialismus, gibt es sie doch etwa im Hinduismus seit 3000 Jahren. In der minoischen Kultur des antiken Griechenlandes wurden Vasen auf Kreta schon 3500 v. Chr. mit Hakenkreuzen bemalt. Zumeist symbolisiert die Swastika Glück oder Glück bringende Dinge. Im Sanskrit bedeutet das Wort Swastika «das Heilbringende», «das Segenbringende». Auch in anderen asiatischen und in amerikanischen Kulturen wird die Swastika verwendet. Die offizielle Flagge des zu Panama gehörenden autonomen Gebietes Guna Yala zeigte bis 2010 ein schwarzes Hakenkreuz auf gelbem Grund.

Landesflagge von Guna Yala. Bild: Wikipedia

Geächtet sind faschistische Symbole auch in Italien. So ist es verboten, die Fahne der Repubblica Sociale Italiana oder Republik von Salò zu hissen. Der faschistische, von Benito Mussolini geführte Satellitenstadt in Norditalien, der unter dem militärischen Schutz des Deutschen Reiches zwischen September 1943 und April 1945 existierte, schuf eine eigene Flagge mit dem altrömischen, vom Faschismus usurpierten Liktorenbündel sowie einem Adler. Vergangenes Jahr liess die Stadtregierung von Mailand die Flagge aus einem Friedhof entfernen, in dem faschistische Soldaten und Zivilisten begraben sind.

Rechtsradikale im Stadtfriedhof von Monza. Foto: Arengario.net

Einen faschistischen Vasallenstaat gab es zwischen 1941 und 1945 auch auf dem Balkan, nämlich den Unabhängigen Staat Kroatien. Angeführt wurde er vom Diktator Ante Pavelic, dem Begründer des nationalistisch-terroristischen kroatischen Geheimbundes Ustascha. Die Flagge des sogenannten Ustascha-Staates wird heute noch von rechtsextremen kroatischen Hooligans verwendet – oder von kroatischen Söldnern, die im Ukrainekonflikt an der Seite von Ukrainern gegen russische Separatisten kämpfen.

Kroatische Söldner in der Ukraine. Foto: Telegraf.rs

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