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Trumps seltsamer Handschlag

Der «Trumpshake» wird zum Internethit. Was dahintersteckt und warum der kanadische Premierminister Justin Trudeau gefeiert wird.

Sorgt für Diskussionen: Der Handschlag zwischen Justin Trudeau und Donald Trump. (Video: TA/lko)

Versöhnlich lief das gestrige Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem kanadischen Amtskollegen Justin Trudeau am Ende ab: Die wichtigen Handelspartner versprachen in einer gemeinsamen Erklärung, das Wirtschafts- und Jobwachstum in beiden Ländern zu fördern. Zu reden gab nach dem mit Spannung erwarteten Besuch aber vor allem der obligatorische Handschlag vor Fotografen im Weissen Haus.

Trudeau, der auch schon als «Anti-Trump» bezeichnet wurde, zögerte, als der US-Präsident ihm die Hand entgegenstreckte – nur kurz, aber lange genug, um mit verzogener Miene fotografiert zu werden und Diskussionen zu entfachen. Soll ich oder nicht, scheint sich der kanadische Premierminister zu denken – und wird dadurch zum Internethit. Fotos, die den Moment einfingen, gehen derzeit viral auf den sozialen Medien.

«Trump versuchte, seinen seltsamen Handschlag auszupacken, und scheiterte», meinte beispielsweise der Frauenblog Jezebel. Trudeau habe es geschafft, den «Trumpshake» mit einer cleveren Kombination aus Timing und Kontrolle zu neutralisieren, schrieb der «Guardian» mit einem Augenzwinkern. Nur gut zwei Sekunden dauerte die förmliche Geste, und es war der kanadische Premier, der zuerst wieder losliess und sie beendete.

Vielleicht dachte Trudeau an seinen japanischen Amtskollegen Shinzo Abe. Dieser musste Trump bei einem Treffen vergangene Woche sage und schreibe 19 Sekunden lang die Hand schütteln. Der US-Präsident wollte nicht mehr loslassen, riss mehrmals an der Hand seines Gegenübers. Als er Abe fragte, was denn die japanisch sprechenden Fotografen gerade gesagt hätten, antwortete dieser: «Bitte schauen Sie zu mir». Trump missverstand die wörtliche Übersetzung als Aufforderung und grinste den Japaner an, anstatt in die Kameras zu schauen. Nach 19 ewig scheinenden Sekunden und mehrmaligem Tätscheln Trumps auf seinen Handrücken holte der Japaner tief Luft und verdrehte die Augen.

Erklärt Trump, wohin er schauen muss: Japans Premier Shinzo Abe. (Video: TA/lko)

Trumps Art, Handshakes zu verteilen, gibt viel zu reden. Experten für Körpersprache versuchen, ihn zu analysieren. «Die Hand von jemandem zu tätscheln, ist Grossmüttern vorbehalten. Zwischen zwei Erwachsenen sollte das nicht vorkommen», erklärt Joe Navarro der Newsseite «Quartz». Der Handrücken sei eine intime Zone. Die meisten Menschen würden eine solche Berührung als unangenehm empfinden.

Wieso macht es Trump dann immer wieder? «Es vermittelt nach aussen, dass man sich näher steht, als man wirklich ist», so Navarro. Das Verhalten des US-Präsidenten sei Taktik. Mehr als einmal hat Trump zudem schon am Arm seines Gegenübers gezerrt und gedreht. Experten vermuten, dass er damit zeigen will, wie er sein Gegenüber dominiert.

Zerren und tätscheln: Trumps Handshakes sorgen für Lacher. (Video: Tamedia/AFP)

Neben dem Japaner Abe gehören unter anderem der designierte Supreme-Court-Richter Neil Gorsuch, Aussenminister Rex Tillerson und Vizepräsident Mike Pence zu den «Opfern» des «Trumpshake». Ein solches Verhalten sei unhöflich und löse Unbehagen aus, so Navarro. Vielleicht wolle Trump sein Gegenüber damit verunsichern, meinen Experten.

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