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Trump vs. Tillerson

Im Nordkorea-Konflikt desavouiert der US-Präsident seinen Aussenminister – einmal mehr. Wann hat Rex Tillerson genug?

Beschädigte Autorität des Aussenministers: Rex Tillerson und Donald Trump.
Beschädigte Autorität des Aussenministers: Rex Tillerson und Donald Trump.
Reuters

Nach der Kriegsrhetorik der letzten Wochen hat US-Aussenminister Rex Tillerson versucht, die Lage im Nordkorea-Konflikt zu beruhigen. Bei einem Besuch in Peking am Sonntag äusserte er die Bereitschaft zu einem direkten Dialog mit der Führung in Pyongyang. Es gebe «zwei, drei Kanäle nach Pyongyang», die offen seien. «Wir fragen: Wollt ihr reden?», sagte Tillerson vor den Medien. Auf die Frage, ob sich sein Aufruf zur Beruhigung auch auf Präsident Donald Trump beziehe, antwortete Tillerson: «Ich denke, jeder wäre froh, wenn es sich beruhigt.»

Doch der amerikanische Aussenminister hat sich geirrt. Nur wenige Stunden nach Tillersons Erklärungen meldete sich Trump via Twitter zu Wort. Der Versuch, mit dem kleinen Raketenmann zu verhandeln, sei reine Zeitverschwendung. In einem anderen Tweet liess er seinen Aussenminister wissen, dass er sich seine Energie aufsparen solle. «Wir werden tun, was getan werden muss.» Das war nichts anderes als eine weitere Drohung an Kim Jong-un, den Trump gern als «kleinen Raketenmann» verhöhnt.

Mit seinen Tweets zum Nordkorea-Konflikt hat Trump seinen Aussenminister desavouiert. Ein weiteres Mal ist Tillersons Autorität in aller Öffentlichkeit durch den Präsidenten untergraben worden. Da hilft es nichts, dass Trump Tillerson im selben Tweet als «wunderbaren Aussenminister» bezeichnet. Ob beim Pariser Klimaabkommen, bei den Russland-Sanktionen, dem Nukleardeal mit dem Iran, beim Konflikt zwischen Saudiarabien und Katar oder bei der Beistandszusicherung gegenüber der Nato und anderen Alliierten wie Südkorea und Japan: Immer widerspricht der US-Präsident seinem Aussenminister. Trump geht auf Konfrontation: Er tut dies mit seiner Twitterei oder bei öffentlichen Auftritten vor Anhängern. Damit erschwert Trump die Diplomatie, und er zerstört die Glaubwürdigkeit Tillersons.

«Es spielt keine Rolle, ob Tillerson bleibt oder geht»

Der Trump-Administration gelingt es auch nach bald neun Monaten nicht, eine kohärente Aussenpolitik zu betreiben. Unterschiedliche Meinungen innerhalb einer Regierung sind nichts Aussergewöhnliches. Weniger normal ist allerdings, dass Meinungsunterschiede wiederholt in aller Öffentlichkeit ausgetragen werden. Und dass verschiedene Leute offensichtlich Aussenpolitik machen. Trump-Schwiegersohn Jared Kushner zum Beispiel versucht sich als Dealmaker im israelisch-palästinensischen Konflikt. Wer spricht eigentlich für die USA? Was wollen die Amerikaner?

US-Medien debattieren schon lange die Frage, warum Tillerson noch Aussenminister ist. Nach Ansicht des Magazins «Politico» ist diese Frage müssig: «Es spielt keine Rolle, ob Tillerson bleibt oder geht.» Auch ein neuer Aussenminister müsste sich mit den Launen des Präsidenten herumschlagen.

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