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Trump verspielt Kredit beim Militär

Der US-Präsident Donald Trump stellt sich und die Politik über alles. Das imponiert den Soldaten immer weniger.

Glorifizierte die Streitkräfte im Wahlkampf. US-Präsident Donald Trump bei einer Rede auf dem Flugzeugträger Gerald R. Ford in Virginia (2017).
Glorifizierte die Streitkräfte im Wahlkampf. US-Präsident Donald Trump bei einer Rede auf dem Flugzeugträger Gerald R. Ford in Virginia (2017).
Keystone

Das heute begangene Erntedankfest Thanksgiving ist die höchste Feier im amerikanischen Kalender. Frühere US-Präsidenten nutzten den Tag oft dazu, um Truppen im Aktivdienst mit einem Besuch Respekt zu zollen. Und Donald Trump? Er schwingt in seinem «Winter White House» Mar-a-Lago den Golfschläger. Nach bald zwei Jahren im Amt hat der 45. Präsident noch nie Mitglieder der US-Streitkräfte in Afghanistan oder Irak besucht. Angeblich will er mit den beiden Kriegen nichts zu tun haben. Laut Washington Post hält ihn auch die Angst ab, jemand könnte ihn töten wollen.

Doch letzte Woche sagte Trump auch einen Auftritt bei den 5800 Soldatinnen und Soldaten ab, die er selbst mit wahlpolitischen Hintergedanken zur Abwehr von Migranten an die amerikanische Südgrenze beordert hatte. An seiner Stelle flog Verteidigungsminister James Mattis nach Texas.

Seit er seine Kandidatur zum Präsidenten bekannt gab, glorifiziert Trump Amerikas Streitkräfte – als Abstraktum. Er hat dafür gesorgt, dass das Pentagon 200 Milliarden Dollar mehr als früher zugesprochen erhält. Mit einem Gesamtbudget von über 700 Milliarden Dollar können jetzt neue Schiffe, U-Boote, Flugzeuge, Helikopter und Waffen gekauft werden. Der Sold der Streitkräftemitglieder wurde zum ersten Mal seit acht Jahren erhöht. Energisch bemühte sich Trump auch darum, die Situation der Veteranen zu verbessern.

Präsidiale Fehlleistungen

Trotz der Massnahmen zugunsten des Militärs verliert Trump in den Streitkräften allmählich Zuspruch. Nach einer Umfrage der Military Times vom Oktober sank die Popularität des Präsidenten bei Angehörigen der Armee seit 2016 von 46,1 Prozent auf 43,8 Prozent. Negativ beurteilt wird er jetzt von fast gleich vielen 43,1 Prozent; vor der Wahl lehnten ihn bloss 37 Prozent ab. Heute haben 30,8 Prozent eine «sehr unvorteilhafte» Sicht des Präsidenten und nur 23,6 Prozent eine «sehr gute» Meinung über ihn.

Die wachsende Ablehnung lässt sich mit Trumps Versagen im symbolischen Bereich und gegenüber einzelnen Streitkräftemitgliedern erklären. In den letzten Tagen hat er sich in diesen Bereichen einige Fehlleistungen erlaubt:

Als Trump am vorletzten Wochenende zum Anlass des 100. Jahrestags des Waffenstillstands im Ersten Weltkrieg Frankreich besuchte, blieb er einer Zeremonie zu Ehren der amerikanischen Gefallenen fern. Zur Erklärung gab Trump später an, es habe geregnet: Der Präsidentenhelikopter habe nicht fliegen können, und der Secret Service habe ihm die Fahrt mit seiner Limousine zum Militärfriedhof verboten.

Am darauffolgenden Veteranentag unterliess Trump den obligaten Besuch des Nationalfriedhofs in Arlington. Gegenüber Fox News räumte er am Sonntag ein – was er selten tut –, dass dies ein Fehler gewesen sei: «Ich hätte gehen sollen.»

Im gleichen Interview griff er den Ex-Viersterne-Admiral William McRaven an, den Kommandanten des erfolgreichen Kommandos auf den Top-Terroristen Osama Bin Laden von 2011. «Natürlich hätten wir Osama Bin Laden viel früher fangen müssen», sagte Trump und machte McRaven für die Verzögerung verantwortlich.

«Tiefer Mangel an Verständnis»

Die Attacke löste breites Befremden aus, denn Bin Ladens Versteck in Pakistan war vom Auslandsgeheimdienst CIA ausfindig gemacht worden. Trumps Aussage sei «lächerlich» und beweise einen «tiefen Mangel an Verständnis davon, wie unser Militär und unsere Geheimdienste funktionieren», sagte der frühere CIA-Direktor und Verteidigungsminister Leon Panetta. «Sie unterhöhlt die Stellung des Präsidenten als Oberkommandierenden.»

Trump griff den Ex-Admiral als «Fan von Hillary Clinton» und «Obama-Unterstützer» an, weil McRaven es gewagt hatte, ihn zu kritisieren. Wenn sich Kriegshelden als politische Gegner outen, verwirken sie Trumps Respekt. Aus demselben Grund griff er im Wahlkampf den inzwischen gestorbenen Senator und Vietnamkriegsgefangenen John McCain an und die muslimischen Eltern des gefallenen Army-Offiziers Humayun Khan.

Die von Trump oft proklamierte Zuneigung zum Militär erweist sich als nicht bedingungslos. «Er liebt die Truppen, die ihn lieben», schreibt der konservative Vordenker und Veteran David French. «Wenden sich Soldaten gegen ihn, dann wendet er sich gegen sie.»

Weil es Trump vor allem um sich selbst zu gehen scheint, beurteilen Mitglieder der Streitkräfte seinen Charakter zunehmend negativ. «Seine Präsidentschaft kommt mir wie ein Popularitätswettbewerb um sein Ego vor», sagte der 25-jährige Navy-Maat Jordan True der Military Times. «Ich bin froh, dass ich das Militär verlasse, denn Trumps übereilte Entscheidungen könnten uns in einen unnötigen Krieg führen.»

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