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«Ich habe keine Zeit für politische Korrektheit»

In den USA wurde die erste TV-Diskussion der republikanischen Präsidentschaftsbewerber ausgestrahlt. Donald Trump schloss eine parteilose Kandidatur nicht aus.

Stellen sich der Debatte: Chris Christie, Marco Rubio, Ben Carson, Scott Walker, Donald Trump, Jeb Bush, Mike Huckabee, Ted Cruz, Rand Paul und John Kasich (von links). (6. August 2015)
Stellen sich der Debatte: Chris Christie, Marco Rubio, Ben Carson, Scott Walker, Donald Trump, Jeb Bush, Mike Huckabee, Ted Cruz, Rand Paul und John Kasich (von links). (6. August 2015)
Andrew Harnik, Keystone
Nimmt kein Blatt vor den Mund: Donald Trump in der TV-Debatte. (6. August 2015)
Nimmt kein Blatt vor den Mund: Donald Trump in der TV-Debatte. (6. August 2015)
Andrew Harnik, Keystone
Zur besten Sendezeit kreuzten zehn republikanische Präsidentschaftsbewerber die TV-Klingen. (6. August 2015)
Zur besten Sendezeit kreuzten zehn republikanische Präsidentschaftsbewerber die TV-Klingen. (6. August 2015)
Andrew Harnik, Keystone
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Im Wahlkampf um die US-Präsidentschaft haben sich in der ersten grossen Fernsehdebatte die zehn aussichtsreichsten republikanischen Anwärter eine hitzige Debatte geliefert.

Milliardär Donald Trump setzte seine Tirade gegen die politische Elite fort. Für Aufsehen sorgte der Unternehmer gleich zu Beginn, als er als einziger offen liess, ob er allenfalls als Unabhängiger zu den Wahlen antreten würde. Auf die Frage der Moderatoren, ob er bei einer Niederlage im Vorwahlkampf auf einen Alleingang verzichten werde, antwortete er: «Ich werde zum gegenwärtigen Zeitpunkt dieses Versprechen nicht geben.»

Ein Wahlkampf Trumps als unabhängiger, dritter Kandidat bereitet den Republikanern grosse Sorge. Da bei einer knappen Wahl jede Stimme aus dem konservativen Lager zählt, könnte eine Kandidatur Trumps letztlich den Weg zu einem Sieg der Demokraten ebnen.

(Video: Youtube/Fox News)

«Dumme Spitzenpolitiker»

Der durch eine Reality-Fernsehsendung bekannte Geschäftsmann schlachtet vor allem das Thema illegale Einwanderung populistisch aus. «Wir müssen eine Mauer bauen. Und sie muss schnell gebaut werden», sagte Trump. Die «dummen Spitzenpolitiker in den Vereinigten Staaten» würden nichts gegen illegale Einwanderung unternehmen.

(Video: Youtube/Fox News)

Im Publikum in Cleveland stiessen Trumps Äusserungen auf geteilte Reaktionen: Neben Applaus waren auch laute Buh-Rufe zu hören. Der frühere Gouverneur von Florida, Jeb Bush, warf Trump eine «spaltende Sprache» vor.

Der Gouverneur von Ohio, John Kasich, sagte, dass Trump mit der Einwanderungsdebatte einen «Nerv» getroffen habe. «Die Leute sind frustriert. Sie haben es satt», sagte Kasich und fügte mit Blick auf Trump hinzu: «Er hat seine Lösungen, einige von uns haben andere Lösungen.»

Bush sprach sich dafür aus, Einwanderern ohne gültige Papiere einen Weg in die Legalität zu ermöglichen. Wisconsins Gouverneur Scott Walker machte dagegen deutlich, dass es mit ihm als Präsidenten keine «Amnestie» geben werde.

Moderatorin nimmt Trump in die Zange

(Video: Youtube/Fox News)

Donald Trump ist in der TV-Debatte der zehn republikanischen Präsidentschaftsbewerber wegen früheren anzüglichen Kommentare über Frauen unter Beschuss geraten. Die Moderatorin Megyn Kelly brachte in einer Frage seine Castingshow «The Apprentice» zur Sprache, in der der Milliardär die Figuren von Kandidatinnen kritisiert und sexuell zweideutige Äusserungen von sich gegeben hatte.

Trump versuchte die Kritik zunächst mit einem Witz zu kontern und erklärte, seine Kommentare hätten nur der Schauspielerin Rosie O'Donnell gegolten. Dann fügte er hinzu, dass er keine Zeit für «totale politische Korrektheit» habe.

Wenn Moderatorin Kelly dies nicht gefalle, tue es ihm leid. Er habe immer nette Dinge über sie gesagt, doch werde er als Vergeltung weniger freundlich zur ihr sein, drohte er. «Ich werde von so vielen Leuten herausgefordert und ich habe ehrlich gesagt keine Zeit für totale politische Korrektheit», sagte er weiter. «Das Land ist in grossen Schwierigkeiten.»

(Video: Youtube/Fox News)

Kritik an Hillary Clinton

Bei der Debatte ging es auch um die Sanierung der Staatsfinanzen, den Kampf gegen die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), das Atomabkommen mit dem Iran sowie Streitfragen wie Abtreibung, landesweite Schulstandards und die Homoehe.

Die republikanischen Bewerber kritisierten ausserdem die frühere Aussenministerin Hillary Clinton, die als grosse Favoritin für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten gilt. «Jeder Teil der Welt, den Hillary Clinton angerührt hat, ist heute in grösserer Unordnung», sagte Walker.

(Video: Youtube/Fox News)

Bush distanzierte sich von dem unter seinem Bruder George W. Bush angeordneten Einmarsch in den Irak. Rückblickend sei der Krieg ein «Fehler» gewesen, sagte er. «Ich wäre nicht reingegangen.» Zugleich warf er Präsident Barack Obama vor, den Irak mit dem Abzug der US-Armee im Stich gelassen und damit den Aufstieg der IS-Miliz begünstigt zu haben. Schlagabtausch zur Telefonüberwachung

Senator Paul und New Jerseys Gouverneur Christie lieferten sich einen Schlagabtausch zum Thema Telefonüberwachung. Paul, der als eiserner Gegner der Lauschangriffe gilt, sagte, er wolle mehr Daten von Terroristen sammeln, nicht von gesetzestreuen Amerikanern.

(Video: Youtube/Fox News)

Christie erklärte, er sei der einzige auf derBühne, der auf Grundlage des Patriot Act, einem Bundesgesetz zur verstärkten Bewachung zur Anti-Terror-Abwehr, Anträge ausgefüllt habe. «Das ist keine Theorie für mich», sagte der frühere Staatsanwalt. «Ich war bei den Beerdigungen.»

Selektion mit Umfragen

Die erste grosse Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber war vom Nachrichtensender Fox News organisiert worden. Angesichts des 17-köpfigen Bewerberfeldes entschied sich der Sender für zwei getrennte Debatten: Zur besten Sendezeit durften sich die zehn Bewerber messen, die laut einem Bündel von Umfragen zuletzt am besten abschnitten.

Hillary Clinton reagiert auf ihre Weise auf die TV-Debatte.

Neben Trump, Bush, Kasich und Walker nahmen auch der frühere Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, der pensionierte Neurochirurg Ben Carson, die Senatoren Ted Cruz, Marco Rubio und Rand Paul sowie der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, teil. Sieben weitere Bewerber kamen nur bei einer weniger prominenten Veranstaltung am Nachmittag zum Zug.

Die Präsidentschaftswahl findet im November 2016 statt, Obama darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Beide Parteien bestimmen ab Anfang kommenden Jahres in Vorwahlen ihre Kandidaten.

sda/AP/chk

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