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Trump ist dann mal weg

Seine erste Auslandreise führt den US-Präsidenten auf heikles diplomatisches Terrain: In die Krisenregion Nahost und ins verstörte Europa.

Wären die Zeiten normal, dann hätten die Mit- und Zuarbeiter von US-Präsident Donald Trump wohl eine Heidenangst vor den kommenden Tagen. Der aussenpolitisch unerfahrene amerikanische Staatschef ist am Freitag zu seiner ersten Auslandreise aufgebrochen, und es ist – diplomatisch gesehen – äusserst schwieriges Terrain, auf dem er sich bewegt. Zuerst besucht er Saudiarabien, Israel und das Westjordanland, danach reist er weiter zum Papst und zu den europäischen Verbündeten. Ein Präsident, der in diesen Ländern nicht sehr vorsichtig auftritt, der sich nicht genau ans Protokoll und seine Sprechzettel hält, kann viel Schaden anrichten.

Milde gestimmte Gastgeber

Aber die Zeiten sind nicht normal. Trump bereist die Welt nicht als starker, politisch gefestigter US-Präsident, sondern als Getriebener. Er ist erst seit vier Monaten im Amt, und sein eigenes Justizministerium hat bereits einen Sonderermittler eingesetzt, um mögliche illegale Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und der russischen Regierung zu untersuchen. Der Präsident fühlt sich als Opfer einer «Hexenjagd». Die Angst, dass Trump bei seiner Reise durch improvisierte Äusserungen oder erratisches Verhalten aussenpolitische Verwerfungen auslösen könnte, wird daher überdeckt von der Erleichterung, dem toxischen Klima in Washington für ein paar Tage zu entkommen.

Zudem kann Trump darauf bauen, dass seine Gesprächspartner seine Misere nicht vergrössern wollen. Trumps Vorgänger Barack Obama hatte es geschafft, im Nahen Osten Saudis, Israelis und Palästinenser gleichermassen zu enttäuschen und zu vergrätzen. In Trump sieht das saudische Königshaus nun einen Verbündeten in seinem Ringen gegen die rivalisierende Regionalmacht Iran. Ähnliches gilt für Israel. Regierungschef Benjamin Netanyahu hatte Obama dessen Kritik am Siedlungsbau, vor allem aber das Atomabkommen mit Iran sehr übel genommen. Donald Trump, so hofft Netanyahu, werde in der Region eine Politik machen, die eher Israels Interessen entspricht.

Reiste bisher nicht viel: Donald Trump besteigt für einen Inlandflug die Air Force One. Foto: Jonathan Ernst (Reuters)

Auch die europäischen Verbündeten, die Trump zuerst beim Nato-Gipfel in Brüssel, dann später noch einmal beim G-7-Gipfel in Italien treffen wird, haben wenig Interesse daran, dem Präsidenten das Leben noch schwerer zu machen. Die Europäer sind heilfroh, dass Trump seine Äusserung, die Nato sei «überflüssig», wieder zurückgenommen und seine irritierend freundliche Sicht auf Russland revidiert hat. Trumps Verteidigungsminister, der ehemalige General James Mattis, hat den Nato-Partnern unermüdlich versichert, dass Amerika weiter fest an ihrer Seite stehe. Da wäre es unklug von den Europäern, Trump dadurch zu verärgern, dass sie ihn nicht mit allem Respekt begrüssen – unabhängig davon, ob sie ihn nun für einen besonders kompetenten Kollegen halten.

Kritische Fragen an Donald Trump

Der einzige Gesprächspartner Trumps, der keine politische Rücksicht auf die Gefühlslage des US-Präsidenten nehmen muss, ist Papst Franziskus. Der Pontifex ist in den vergangenen Monaten in den rechtspopulistischen Medien in Amerika zu einer beliebten Zielscheibe geworden, weil er den Westen immer wieder zu einem humanen Umgang mit Flüchtlingen mahnt.

Auch von der Opposition daheim darf der Präsident keine Gnade erwarten. Die Demokraten werden versuchen, den Druck auf Trump aufrechtzuerhalten. Und die Bereitschaft des Regierungsapparates, immer neue für ihn schädliche Informationen an die Medien weiterzureichen, ist hoch.

Kommenden Mittwoch könnte der von Trump geschasste FBI-Chef James Comey im Kongress aussagen. Er wirft dem Präsidenten vor, die Russland-Ermittlungen behindert zu haben. Selbst wenn Trump sich in erfolgreichen Gipfeltreffen sonnt, könnte ihn der heimische Albtraum also einholen.

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