Cohen «mehr als bereit», Mueller «alles zu erzählen, was er weiss»

Schlag auf Schlag: Kurz nach dem Schuldeingeständnis lässt Cohen verlauten, dass er bei Sonderermittler Mueller auspacken will.

Hat sich schuldig bekannt: Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen. (Video: Tamedia/AFP)

Erst hatte Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen ein Schuldeingeständnis abgelegt, nun folgt der nächste Schlag. Die Hinweise, dass Cohen bei Sonderermittler Robert Mueller auspacken will, erhärten sich. Cohens Anwalt Lanny Davis droht im Fernsehen damit, dass sein Klient mehr als bereit dafür sei, Mueller «alles zu erzählen, was er weiss». Cohen hat gemäss seinem Anwalt Informationen zu einer Einmischung Russlands in den Wahlkampf 2016.

Nach Gerichtsverhandlungen vom Dienstag gegen zwei seiner engsten Vertrauten sieht sich der US-Präsident mit Vorwürfen der Verschwörung zum Wahlkampfbetrug ausgesetzt, zugleich drohen seinen beiden Vertrauten Haftstrafen.

  • loading indicator

In New York hatte sich am Dienstag der langjährige Trump-Anwalt Michael Cohen wegen Gesetzesverstössen in acht Anklagepunkten schuldig bekannt, in Virginia wurde zeitgleich Trumps Ex-Wahlkampfchef Paul Manafort wegen Betrugs in acht Anklagepunkten schuldig gesprochen.

Cohen räumte vor einem Bundesrichter im New Yorker Stadtteil Manhattan seine Schuld unter anderem in fünf Anklagepunkten wegen Steuerbetrugs und in zwei wegen Verletzung der Gesetze zur Wahlkampffinanzierung ein. Cohen gab zu, an zwei Frauen, die nach eigenen Angaben sexuelle Kontakte zu Trump hatten, Schweigegeld in Höhe von 130'000 und 150'000 Dollar gezahlt zu haben.

Spektakuläre Wende

In einer spektakulären Wende deutete Cohen dabei an, dass der damalige Präsidentschaftskandidat Trump als Mitverschwörer fungierte. Die Zahlungen an die Frauen, bei denen es sich mutmasslich um die Pornodarstellerin Stormy Daniels und das frühere «Playboy»-Model Karen McDougal handelt, seien auf Aufforderung «eines Kandidaten» erfolgt mit der «Intention, die Wahl zu beeinflussen», sagte der sichtlich niedergeschlagene Cohen mit brüchiger Stimme.

Cohens Angaben könnten darauf hindeuten, dass er bereit ist, über seine über Jahre gesammelten Informationen auszupacken. Im Gegenzug dürfte Cohen auf ein geringeres Strafmass hoffen. Nach Angaben des Richters drohen Cohen maximal 65 Jahre Haft – das Urteil soll am 12. Dezember verkündet werden.

Vor dem Termin vor dem Strafgericht in Manhattan hatten US-Medien bereits berichtet, Cohen habe sich im Rahmen einer Abmachung mit der Staatsanwaltschaft zu einem Schuldeingeständnis bereit erklärt. Eine derartige Abmachung könnte beinhalten, dass Cohen sich im Gegenzug für einen Strafnachlass zur Kooperation mit den Ermittlern bereit erklärt.

Rufe nach Amtsenthebungsverfahren

Cohens Aussage könnte Trump rechtlich in Bedrängnis bringen: Zwar kann der US-Präsident nach geltendem Recht nicht vor Gericht gestellt werden, sollten sich die Vorwürfe jedoch bestätigen, dürften die Rufe nach einem Amtsenthebungsverfahren lauter werden.

Das Weisse Haus wollte sich zu Cohens Vorwürfen nicht äussern. Regierungssprecherin Sarah Sanders sagte Journalisten knapp, sie sollten sich «an den externen Berater des Präsidenten» wenden.

Vor einem Bundesgericht in Alexandria bei Washington wurde am Dienstag zudem Trumps Ex-Wahlkampfchef Manafort in acht Punkten wegen Steuer- und Bankenbetrugs schuldig gesprochen. In den übrigen zehn Anklagepunkten erzielten die Geschworenen keine Einigkeit.

mch/chk/sep/AFP

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt