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Streit um einen Kapuzenpulli

Der 17-jährige Trayvon Martin wäre vielleicht nicht erschossen worden, hätte er andere Kleider angehabt: Die Äusserung eines TV-Moderators löst in den USA Empörung aus und heizt neue Diskussionen an.

Mischten sich unter die Demonstranten: Sängerin Beyonce und Ehemann Jay-Z in New York. (20. Juli 2013)
Mischten sich unter die Demonstranten: Sängerin Beyonce und Ehemann Jay-Z in New York. (20. Juli 2013)
Reuters
Die Sängerin setzte sich schon früh für Trayvon Martin ein: Beyonce hört einem Redner zu. (20. Juli 2013)
Die Sängerin setzte sich schon früh für Trayvon Martin ein: Beyonce hört einem Redner zu. (20. Juli 2013)
AFP
...Fotos vom verwundeten Hinterkopf von George Zimmerman deuten aber auf Notwehr hin. (17. Mai 2012)
...Fotos vom verwundeten Hinterkopf von George Zimmerman deuten aber auf Notwehr hin. (17. Mai 2012)
Reuters
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Einen schwarzen oder grauen Kapuzenpulli trage der Jugendliche, den er verfolge: Das sagte George Zimmerman laut der «Washington Post» am Telefon zum Polizeinotruf, bevor er auf Trayvon Martin schoss und ihn tötete. In Notwehr, wie er nachher behaupten wird. Zuvor hatte er den 17-Jährigen als «wirklich verdächtig» beschrieben.

Zimmermans Beschreibung seines Opfers hätte wohl nicht weiter für Aufregung gesorgt, wäre darauf nicht diese Aussage von Geraldo Rivera gefolgt, Moderator beim erzkonservativen TV-Sender Fox: Dieser Kapuzenpulli (englisch: «hoodie») trage am Tod des Jungen eine ebenso grosse Schuld wie der Mann, der ihn erschossen habe, erklärte der Moderator letzte Woche in einer Sendung. «Niemand, ob schwarz, braun oder weiss, kann mir erzählen, dass er keine Reaktion zeigt, wenn er einen farbigen Jugendlichen mit Kapuzenpullover sieht – sei es Verachtung oder Angst.» Und weiter: Der Fall sollte eine Warnung sein für Eltern, besser darauf Acht zu geben, mit welcher Kleidung ihre Kinder aus dem Haus gehen.

Priester hielten Messe im Kapuzenpulli ab

Damit trat der Moderator eine Lawine der Empörung los: Im ganzen Land kam es zu Million Hoodies Marches, bei denen Tausende Demonstranten mit Kapuzenpullovern durch die Strasse gingen und auf Plakaten fragten: «Sehe ich verdächtig aus?» In New York hielten zahlreiche Priester am Sonntag ihre Messen in Kapuzenpullis ab. «Ich möchte damit zeigen, dass jeder Mensch das Recht hat, einen solchen Pullover im Regen zu tragen, ohne gejagt und getötet zu werden, nur weil irgendein Fanatiker seine Erscheinung als bedrohlich empfindet», sagte einer von ihnen gegenüber der «Washington Post». Ein Spieler des NBA-Basketballteams Miami Heat twitterte ein Bild vom ganzen Team mit gesenkten Köpfen und Kapuzenpullovern.

Die amerikanische Öffentlichkeit ist nicht nur empört, sondern fragt sich auch: Wie konnte es passieren, dass ein simples Kleidungsstück, getragen von schwarzen Jugendlichen ebenso wie von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, plötzlich zu solchen Diskussionen führt?

«Mein Sohn schämt sich für das, was ich gesagt habe»

Der Kapuzenpullover an sich sei eigentlich kein aussergewöhnliches Kleidungsstück, sagt Soziologieprofessor Darnell Hunt gegenüber der «Washington Post». Er sei schon im Mittelalter verbreitet gewesen und stamme ursprünglich aus Europa. Es sei der Kontext, in dem der Hoodie getragen werde, der seine Bedeutung verändert habe: «Er wurde zum Symbol der Strassenkultur, er steht für Angeberei und Machogetue.»

Geraldo Rivera entschuldigte sich zwar letzten Freitag für seine Äusserungen. «Mein Sohn schämt sich für das, was ich gesagt habe», schrieb er auf Twitter. Doch die Diskussion darüber, ob ein Kleidungsstück tatsächlich zum Sündenbock für eine derartige Gewalttat gemacht werden kann, geht weiter.

Der Tod des 17-jährigen Trayvon Martin schockierte weite Teile der amerikanischen Bevölkerung. Der Junge war am 26. Februar auf der Strasse in Sanford im Bundesstaat Florida unterwegs. George Zimmerman patrouillierte gleichzeitig in seinem Pick-up-Truck als freiwilliger Helfer eines nachbarschaftlichen Sicherheitsdienstes. Der Schwarze mit der Kapuze kam Zimmerman suspekt vor. Er verfolgte und erschoss ihn, laut eigenen Angaben in Notwehr. Die genauen Umstände des Todes von Trayvon Martin sind weiterhin unklar. Der Todesschütze ist immer noch auf freiem Fuss, weshalb es zu landesweiten Protesten in den USA kam. Auch US-Präsident Barack Obama äusserte sich zum Thema: «Wenn ich einen Sohn hätte, würde er wie Trayvon aussehen», sagte er letzten Freitag. Mittlerweile ermitteln das Justizministerium und die Bundespolizei FBI.

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