Sex, Macht und Voodoo

Für den kulturellen Bürgerkrieg in den USA werden sogar Lügendetektoren eingesetzt.

Ford wurde zur Anhörung vor dem Justizausschuss des Senats eingeladen und die Wahl Kavanaughs wurde vertagt.

Ford wurde zur Anhörung vor dem Justizausschuss des Senats eingeladen und die Wahl Kavanaughs wurde vertagt.

(Bild: Keystone)

In den USA herrscht kultureller Bürgerkrieg. Die Demokraten, unterstützt von Hollywood, den meisten Medien und den progressiven Campus-Eliten, versuchen seit ihrer unerwarteten und noch immer nicht verdauten Wahlniederlage gegen den Immobilienmogul Trump diesen zu delegitimieren und wieder aus dem Amt zu jagen. Die vulgäre und clowneske Grossmäuligkeit des Ogers aus Queens treibt die entmachteten Wahlverlierer zur Weissglut, und noch mehr reizt sie, dass er seine Wahlversprechen erfolgreich umsetzt. Die US-Wirtschaft boomt, die Arbeitslosenzahl ist auf historisch niedrigem Stand, in der Weltpolitik sind als unüberwindbar geltende Grenzen in Bewegung geraten.

Aktuelle Bühne des Kampfs gegen den Präsidenten ist die Innenpolitik. Im Juli hatte Trump den Juristen Brett Kavanaugh für den Obersten Gerichtshofs nominiert, einen verfassungstreuen, qualifizierten Mann des Rechts, der, sollte er vom Senat bestätigt werden, dem Obersten Gerichtshof für die nächste Generation eine konservative Mehrheit verschaffen würde.

Ihn um jeden Preis zu verhindern, setzten sich die Demokraten zum strategischen Ziel. Kaum waren die Senatsanhörungen von Kavanaugh vorbei, tauchten Missbrauchsvorwürfe gegen ihn auf. Die Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford behauptete, dass sie als 15-Jährige an einer Party vom damals 17-jährigen und betrunkenen Kavanaugh fast vergewaltigt worden sei. Ford wurde zur Anhörung vor dem Justizausschuss des Senats eingeladen und die Wahl Kavanaughs wurde vertagt.

Die Befragung brachte keine Klarheit. Es gab keine Beweise oder Belege. Sicher sei sie sich nur, dass es Kavanaugh war, der sie damals aufs Bett gestossen habe, und dass er mit seinem besten Freund über sie gelacht habe und dass sie nur ein Bier getrunken habe. Ansonsten wusste sie nichts mehr, nicht in welchem Jahr und in welchem Haus die Attacke stattgefunden haben soll oder wie sie wieder nach Hause kam, und keiner der von ihr genannten Zeugen konnte sich an einen solchen Vorfall erinnern.

Ihr Gedächtnis war löchrig wie ein altes Sieb, was kein Wunder ist, liegt das angebliche Geschehen an der Party immerhin 36 Jahre zurück, ein Geschehen, über das Ford überdies erst drei Jahrzehnte später in einer Paartherapie zum ersten Mal gesprochen haben will. Die Psychologin lieferte eine andere Erklärung für das Vergessen. Sie diagnostizierte sich als Opfer: Die Erinnerungslücken, erläuterte sie, seien ein typisches Symptom einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Ihr Auftritt wurde von den Demokraten und den Anti-Trump-Medien trotz Faktenfreiheit als mutig, bewegend und glaubwürdig beurteilt. Den Eindruck der Glaubwürdigkeit wurde noch durch ein weiteres Detail verstärkt. Ford hatte sich vor ihrem Schritt an die Öffentlichkeit einem Polygrafentest unterworfen, einem Test an einem Lügendetektor, und dies den Medien zukommen lassen. Ein geschickter Schachzug. Ford habe dies «freiwillig» getan, lobten die Journalisten, und sie habe den «Test bestanden».

Prüfungen durch Lügendetektoren werden in den USA erstaunlicherweise immer noch bei Bewerbungsgesprächen, bei Polizeivernehmungen und zur Überprüfung von Geheimdienstmitarbeitern verwendet. Nur als Beweismittel vor Gericht sind sie nicht zugelassen. Zu Recht. Lügendetektoren sind Humbug, Scharlatanerie, Voodoo. Sie messen Blutdruck, Puls, Atmung, elektrische Leitfähigkeit der Haut während Befragungen, aber sie können nie Wahrheit von Lüge unterscheiden. Es gibt keinen Hinweis, dass eine spezifische Reaktion im vegetativen Nervensystem mit einem spezifischen Täuschungsmanöver kongruent wäre.

Ford muss dies wissen. Und sie weiss auch um die justiziable Schwindsüchtigkeit ihrer hochbrisanten Beschuldigung des unbescholtenen Kavanaugh. Ihrem Rückgriff auf den Polygrafentest, um ihre fehlenden Beweise zu kompensieren, haftet etwas Berechnendes, Unredliches an.

Erst diese Woche hat ein Ex-Freund Fords dem Justizausschuss eine eidesstattliche Erklärung ausgehändigt. Er schreibt, dass er Zeuge war, als Ford einer Freundin Tipps gab, einen Polygrafentest zu bestehen. Vor dem Senat hatte Ford unter Eid ausgesagt, dass sie noch nie jemanden beraten habe, wie man einen Lügendetektortest besteht. Meineid kann mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden.

Wer lügt? Wer erzählt die Wahrheit? Der Krieg geht weiter.

Basler Zeitung

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