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Schluss mit Gratisbenzin in Venezuela

Das von einer tiefen Wirtschaftskrise geschüttelte Venezuela will für Benzin künftig Marktpreise verlangen. Bislang hat es der Staat faktisch verschenkt.

Die goldenen Zeiten für Autofahrer in Caracas sind bald vorbei. Künftig soll Benzin etwas kosten.
Die goldenen Zeiten für Autofahrer in Caracas sind bald vorbei. Künftig soll Benzin etwas kosten.
Reuters

Venezuela Präsident Nicolas Maduro kündigte am Montag an, der Benzinpreis solle ab Oktober auf internationales Niveau angehoben werden. Bislang ist in dem grossen Ölförderland für umgerechnet einen US-Dollar mehr als eine Million Liter des Kraftstoffs zu haben. Das Trinkgeld der Autofahrer an den Tankwart ist oft höher als die Tankrechnung.

Maduro liess am Montag Details seines Vorhabens offen. Experten rechnen aber schon seit langem vor, dass dem Staat durch die aktuelle Preispolitik pro Jahr rund fünf Milliarden Dollar Einnahmen entgehen würden. Ein grosses Problem ist auch, dass der Benzinschmuggel in andere Länder durch die aktuelle Preispolitik äusserst lohnend ist.

In Venezuela spitzt sich die wirtschaftliche Lage seit Jahren zu. Es mangelt an Nahrungsmitteln und Medikamenten, nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds wird die Inflation in diesem Jahr auf über eine Million Prozent steigen. Seit 2015 haben mehr als 1,6 Millionen Venezolaner ihr Land verlassen. Die Opposition wirft Maduro den Aufbau einer Diktatur, Korruption und Misswirtschaft vor. Der Präsident sieht sein Land allerdings als Opfer eines von den USA angeführten Wirtschaftskriegs.

Maduro kündigte an, er werde die Preisanhebung bei Benzin an die Einführung einer Identitätskarte knüpfen. Sie solle den Namen «Vaterlandskarte» tragen und durch die Bündelung von Daten den Bürgern letztlich bessere Leistungen bringen. Kritiker sagen indes, durch die Karte könne Maduro vor allem seinen Unterstützern Lebensmittel und Medikamente zukommen.

SDA/amu

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