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Sarah Palin hält sich aufreizend bedeckt

Ein Film über ihr Leben feiert die republikanische Politikerin als «unbesiegte» Revolutionärin – und heizt die Spekulationen über eine Präsidentschaftskandidatur weiter an.

Mobilisiert Tea-Party-Anhänger für sich: Sarah Palin bei der Premiere des Films «The Undefeated» in Iowa.
Mobilisiert Tea-Party-Anhänger für sich: Sarah Palin bei der Premiere des Films «The Undefeated» in Iowa.
Keystone

Wird sie oder wird sie nicht? Gewichtig hängt die Frage über dem jetzt anlaufenden republikanischen Vorwahlkampf, in dessen Verlauf die Partei ihren Präsidentschaftskandidaten für die Wahlen 2012 ermitteln wird. Gespannt wartet das Feld der Bewerber mitsamt amerikanischen Kommentatoren, ob Sarah Palin ihre Kandidatur erklären wird.

Noch ist es mehr als ein halbes Jahr bis zum Beginn der ersten republikanischen Parteiversammlungen im US-Bundesstaat Iowa im Mittleren Westen. Doch die republikanische Vizepräsidentschaftskandidatin von 2008 müsste bald mit dem Aufbau einer eigenen Wahlkampforganisation in Iowa und anderen frühen Vorwahlstaaten beginnen. Potente Geldspender gilt es frühzeitig anzuzapfen, um den immens teuren Wahlkampf bezahlen zu können.

Gestern gab die umstrittene Ex-Gouverneurin von Alaska neuerlich Anlass zu Spekulationen, sie werde 2012 das höchste Amt im amerikanischen Staat suchen: Zur Premiere eines schmeichelhaften Dokumentarfilms über sie reiste Palin in der Kleinstadt Pella in Iowa an, wo Regisseur und Palin-Bewunderer Stephen Bannon im Opernhaus seine cineastische Lobhudelei vor 340 geladenen Gästen präsentierte.

Starke Konkurrentin Bachmann

Schon der Titel des Films – «The Undefeated» («Die Unbesiegte») – nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau: Nicht nur verlor Sarah Palin an der Seite von Senator John McCain die Präsidentschaftswahl 2008 gegen Barack Obama; eine weitere Niederlage hatte sie zuvor schon bei der republikanischen Vorwahl für die Gouverneurskandidatur in Alaska 2002 eingesteckt.

Sein Film, erklärte Regisseur Bannon vor begeisterten Anhängern der Tea Party, sei «wirklich ein Film über euch», denn «ihr seid die Speerspitze der Revolution». Sarah Palin, die vorneweg marschiert, gab sich hocherfreut über den «Besuch im historischen Pella und seinem Opernhaus».

Eine disziplinierte Rivalin

Bei der republikanischen Parteispitze im fernen Washington hielt sich die Freude jedoch in Grenzen: Man rätselt über Palins politische Pläne und hofft, die bei der amerikanischen Wählerschaft nicht sonderlich wohlgelittene Ex-Gouverneurin werde sich verziehen, anstatt ihre Kandidatur zu erklären. Gewinne Palin mithilfe von Tea-Party-Aktivisten und christlichen Sozialkonservativen die republikanische Präsidentschaftskandidatur, drohe im November 2012 der politische Super-GAU, lautet der Befund des Establishments. Zu kontrovers sei Palin, zu polarisierend wirke sie.

«Die Unbesiegte» muss unterdessen befürchten, dass ihr von einer Rivalin das Wasser abgegraben wird: Am Montag erklärte die Kongressabgeordnete Michele Bachmann aus Minnesota, ebenfalls ein Liebling von Tea Party und Christen, wie erwartet, dass sie sich für die republikanische Präsidentschaftskandidatur bewirbt. Nicht weniger konservativ als Sarah Palin, aber disziplinierter als diese, setzte sich Bachmann nach einem formidablen Auftritt bei einer Debatte laut Umfragen an die Spitze des Kandidatenfelds – neben dem Establishment-Favoriten und früheren Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney.

Tochter publiziert Memoiren

Nicht nur müsste Palin mit der scharfzüngigen Bachmann besonders in Iowa um die Stimmen des frommen Parteivolks konkurrieren: Auch beim Spendensammeln kämen sich die beiden vermutlich in die Quere. Überdies will die republikanische Parteiführung in Washington nicht ausschliessen, dass der texanische Gouverneur Rick Perry bald seine Bewerbung ankündigen und das Kandidatenfeld damit aufmischen wird.

Sarah Palin hielt sich jedenfalls auch gestern bedeckt: Statt endlich ihre Kandidatur bekannt zu geben, reiste sie weiter nach Minneapolis, wo Tochter Bristol im Zug einer Autorentour gerade ihre Memoiren vorstellt. Unter anderem enthüllt sie darin, dass sie in betrunkenem Zustand bei einem Schulausflug ihre Jungfräulichkeit an Levi Johnston verlor, den Vater ihres Kindes und Erzfeind ihrer Mutter.

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