Zum Hauptinhalt springen

Rousseff übernimmt in Brasilien die Macht – und ein schweres Erbe

Dilma Rousseff regiert seit dem 1. Januar Brasilien. In ihrer Antrittsrede machte sie klar, dass sie die Politik ihres Ziehvaters Lula fortsetzen wird. Gewalt und Korruption werden ihr aber dabei das Leben schwer machen.

Amtsübergabe: Rousseff mit ihrem Ziehvater Lula am 1. Januar 2011.
Amtsübergabe: Rousseff mit ihrem Ziehvater Lula am 1. Januar 2011.
Reuters
Händeschütteln: Dilma Rousseff begrüsst ihre Anhänger.
Händeschütteln: Dilma Rousseff begrüsst ihre Anhänger.
AFP
Aufgewachsen ist Rousseff in der Stadt Belo Horizonte.
Aufgewachsen ist Rousseff in der Stadt Belo Horizonte.
Keystone
1 / 11

Dilma Rousseff hat es geschafft. Die 63-jährige Politikerin der Arbeiterpartei ist zur ersten Frau an der Spitze Brasiliens vereidigt worden. Und sie weiss, wem sie den Erfolg zu einem grossen Teil zu verdanken hat: ihrem Mentor und Amtsvorgänger Luiz Inácio Lula da Silva. Sie sei dankbar, unter «diesem grossen Mann» gedient zu haben, betonte Rousseff am Samstag in ihrer Antrittsrede und versprach, die Errungenschaften ihres Vorgängers vor allem bei der Armutsbekämpfung und der Förderung des wirtschaftlichen Wohlstands zu bewahren.

«Ich werde häufig an seine Tür klopfen und ich weiss, dass sie immer offen sein wird», sagte die Tochter einer Brasilianerin und eines bulgarischen Einwanderers im Oktober nach der Verkündung ihres Wahlsieges unter Tränen. Die Brasilianer hörten das vermutlich gerne. Zwar setzte sich Rousseff in der Stichwahl deutlich gegen ihren sozialdemokratischen Herausforderer José Serra mit 54 Prozent der Stimmen durch, aber das Votum war auch als Wunsch nach einer Verlängerung der Politik Lulas zu deuten, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten durfte. Der bärtige Ex-Gewerkschafter geniesst in dem südamerikanischen Riesenland eine Rekordzustimmung von 87 Prozent und hat Brasilien in den vergangenen Jahren ein glänzendes Wirtschaftswachstum beschert.

Rousseff will Lulas Politik folgen

Die bis zu ihrer Nominierung in der Bevölkerung weitgehend unbekannte Rousseff tritt also in grosse Fussstapfen. «Die Aufgabe, auf ihn zu folgen, ist schwer und eine Herausforderung», räumte die zweifach geschiedene Mutter einer Tochter am Wahlabend ein. «Aber ich weiss, dass ich sein Erbe in Ehren halten und seine Arbeit weiterführen werde.» Das betreffe vor allem den Kampf gegen Armut, für Demokratie und Menschenrechte.

Und auch wenn das Erbe ihres Vorgängers gross ist, kann Rousseff die Präsidentschaft an der Spitze der achtgrössten Volkswirtschaft der Welt selbstbewusst angehen. Sie hat in ihrem Leben schon bewiesen, dass sie hart und durchsetzungsfähig ist. Die im südöstlichen Bundesstaat Minas Gerais geborene Rousseff kämpfte in ihrer Jugend in linken Guerillagruppen gegen die Militärdiktatur (1964-1985) und sass knapp drei Jahre im Gefängnis, wo sie auch gefoltert wurde. Nach dem Ende der Diktatur gehörte sie zu den Neugründern der brasilianischen Arbeiterpartei.

Schönheitsoperationen sollten es richten»

Im Jahr 2002 wurde Lula zum Staatschef gewählt, 2003 holte der frühere Gewerkschafter Rousseff als Energieministerin in sein Kabinett. «Sie kam da mit ihrem kleinen Computer, wir haben geredet und ich habe in ihr etwas gesehen», sagte Lula einmal über diese Entscheidung. Er machte Rousseff 2005 zur Kabinettschefin und baute sie systematisch zu seiner Nachfolgerin auf. Im brasilianischen Politikbetrieb erarbeitete sie sich einen harten Ruf und den entsprechenden Spitznamen «Eiserne Lady».

Um sie beim Volk bekannter zu machen, präsentierte Lula seine Lieblingskandidatin als federführend bei einem grossen Investitionsprogramm und zeigte sich auch sonst häufig öffentlich mit ihr an seiner Seite. Und Rousseff scheute nicht vor mehreren Schönheitsoperationen zurück, um sich ein telegenes Äusseres zuzulegen. Zudem tauschte sie ihre strenge Brille gegen Kontaktlinsen und legte sich einen mondänen Haarschnitt zu.

Krebs überwunden

Ihr Bekenntnis zu einer Krebsbehandlung im vergangenen Jahr brachte ihr zusätzliche Sympathien ein. Nach Angaben ihrer Ärzte ist die Wirtschaftsexpertin geheilt - und gerüstet für die harte Arbeit an der Spitze des lateinamerikanischen Landes.

Zu den grössten Herausforderungen der kommenden Jahre gehören der Kampf gegen Gewalt und Korruption in dem Land sowie die Verbesserung des Bildungs- und des Gesundheitssystems. Zudem stehen dem grössten Land Lateinamerikas zwei Grossereignisse von weltweiter Bedeutung bevor: Im fussballverrückten Brasilien findet 2014 die Fussball-Weltmeisterschaft statt, zwei Jahre später richtet das Land die Olympischen Spiele aus.

AFP/miw

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch