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Papst relativiert Verhütungsverbote

Und plötzlich relativiert der Papst das Verhütungsverbot. Nach seinem Besuch im Zika-Gebiet vollzieht der Pontifex einen Richtungswechsel. Aber in einem Punkt nicht.

An der Pressekonferenz auf seinem Rückflug von Mexiko nach Rom erwog Papst Franziskus wegen des Zika-Virus Ausnahmen vom katholischen Verbot der Verhütung. (17.2.2016)
An der Pressekonferenz auf seinem Rückflug von Mexiko nach Rom erwog Papst Franziskus wegen des Zika-Virus Ausnahmen vom katholischen Verbot der Verhütung. (17.2.2016)
Alessandro Di Meo, AFP
Das Kirchenoberhaupt sagte, es gebe einen klaren moralischen Unterschied zwischen einer Abtreibung und der Verhütung einer Schwangerschaft.
Das Kirchenoberhaupt sagte, es gebe einen klaren moralischen Unterschied zwischen einer Abtreibung und der Verhütung einer Schwangerschaft.
Keystone
Der Pontifex zelebriert die Messe – die grösste während des mehrtägigen Aufenthaltes von Franziskus im Lande.
Der Pontifex zelebriert die Messe – die grösste während des mehrtägigen Aufenthaltes von Franziskus im Lande.
Alessandro Di Meo, Keystone
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Papst Franziskus erwägt wegen des Zika-Virus offenbar Ausnahmen vom katholischen Verbot künstlicher Verhütung. Die Vermeidung einer Schwangerschaft sei «kein absolutes Übel», sagte der Papst auf dem Rückflug von seinem fünftägigen Besuch in Mexiko. In bestimmten Fällen sei das klar, auch im Fall von Zika.

Abtreibungen hingegen kämen keinesfalls in Frage. «Das ist ein Verbrechen», sagte an Bord seines Flugzeugs im Gespräch mit Journalisten. «Ein Leben zu nehmen um ein anderes zu retten, das ist etwas, was die Mafia tut. Es ist ein Verbrechen. Es ist ein absolutes Übel.»

Abtreibungsdebatte in Brasilien

Das von Mücken übertragene Zika-Virus steht im Verdacht, bei Babys Entwicklungsstörungen zu verursachen. Vor allem in Brasilien, wo sich das Virus rasch ausbreitet, wurden zuletzt vermehrt Babys mit zu kleinen Köpfen geboren. Damit besteht die Gefahr, dass sich das Gehirn nicht richtig entwickeln kann und Schäden erleidet.

Wissenschaftlich erwiesen ist ein Zusammenhang noch nicht. Doch wurde Frauen vorsorglich geraten, das Zika-Verbreitungsgebiet zu meiden. Einige Regierungen in Lateinamerika empfehlen, einen Kinderwunsch zu verschieben. Unter anderem im katholischen Brasilien entbrannte zudem eine neue Abtreibungsdebatte.

Paul VI billigte einst ebenfalls Verhütung

Der Papst wurde in dem Pressegespräch gefragt, ob wegen der Risiken der Infektion für Babys eine Abtreibung oder Verhütung womöglich das kleinere Übel wären. Dazu sagte Franziskus, es gebe einen klaren moralischen Unterschied zwischen einer Abtreibung und der Verhütung einer Schwangerschaft.

Er zog eine Parallele zu einer Entscheidung seines Amtsvorgängers Paul VI in den 1960er Jahren: Dieser billigte die Ausgabe von Verhütungsmitteln an Nonnen im damals belgischen Kongo, weil die Ordensfrauen dort systematisch vergewaltigt wurden.

Franziskus hat sich in seiner Amtszeit seit 2013 weniger rigoros zur katholischen Sexualmoral geäussert als seine Vorgänger Johannes Paul II und Benedikt XVI. So erklärte Franziskus einmal, die Kirche sollte nicht besessen von diesen Fragen sein.

Im Falle von Zika drängte Franziskus gleichzeitig die Wissenschaft zur Entwicklung eines Impfstoffs. «Daran muss gearbeitet werden», sagte er. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation können erste grosse Tests eines Impfstoffs aber wohl frühestens in eineinhalb Jahren beginnen. Die WHO hat wegen Zika einen globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen.

SDA/ij

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