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Öl-Katastrophe: Nimmt Obama das Heft selber in die Hand?

Bislang liegt die Verantwortung für die Schliessung des Bohrlochs und der Bewältigung der Ölpest in den Händen von BP. Nun kündigt US-Präsident Obama eine Rede an die Nation an.

Reist Anfang nächster Woche erneut in den Katastrophengebiet: Barack Obama.
Reist Anfang nächster Woche erneut in den Katastrophengebiet: Barack Obama.
Reuters

US-Präsident Barack Obama wird sich wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko am kommenden Dienstagabend (Ortszeit) in einer Rede an die Nation wenden. Das kündigte Präsidentenberater David Axelrod am Sonntag in der NBC-Sendung «Meet the Press» an. Die Rede erfolgt den Angaben zufolge nach der Rückkehr Obamas von seinem vierten Besuch in der Katastrophenregion an der US-Golfküste, der am Montag und Dienstag geplant ist. Der Präsident werde dabei Massnahmen der Regierung zur Bekämpfung der Ölpest bekanntgeben.

Angesichts der katastrophalen Lage am Golf von Mexiko verstärken die USA den Druck auf den britischen Ölkonzern BP vorerst: Die US-Küstenwache räumte BP eine Frist ein, um das Austreten des Öls aus der gesunkenen Plattform einzudämmen. Die bisherigen Pläne reichten nicht, BP müsse binnen 48 Stunden neue Vorschläge vorlegen, schrieb Küstenwachen-Konteradmiral James Watson am Freitag in einem am Samstag veröffentlichten Brief an BP-Einsatzleiter Doug Suttles. Bisher werde zu wenig auslaufendes Öl aufgefangen. Auch habe BP nur unzureichende Vorkehrungen für unvorhergesehene Probleme getroffen.

Nach neuen Schätzungen einer von der US-Regierung eingesetzten unabhängigen Expertengruppe fliessen täglich mindestens 40'000 Barrel Öl (6,4 Millionen Liter) aus dem lecken Bohrloch in mehr als 1500 Metern Tiefe ins Meer und damit mindestens doppelt so viel wie bisher angenommen.

Bislang fängt der Konzern nach eigenen Angaben täglich 28'000 Barrel auf, grössere Mengen wird er erst im Juli abpumpen können. Ein Entlastungsbohrloch und damit die einzige dauerhafte Lösung wird erst im August fertig sein.

Heikle Beziehung zu London

In einem Telefonat mit dem britischen Premierminister David Cameron bemühte sich US-Präsident Barack Obama unterdessen, seine Kritik an BP nicht zu einem Politikum zwischen beiden Ländern werden zu lassen.

Obama habe Cameron während des halbstündigen Gesprächs am Samstag versichert, seine scharfe Kritik an dem britischen Ölmulti und seine Verärgerung hätten «nichts mit nationaler Identität zu tun», sagte eine Sprecherin Camerons.

Obama und Cameron hätten übereinstimmend geäussert, dass BP so schnell wie möglich alles tun müsse, um die Katastrophe einzudämmen, sagte die Sprecherin weiter. Beide hätten zudem «ihr Vertrauen in die einzigartige Stärke der amerikanisch-britischen Beziehungen bekräftigt».

Obama hatte in der vergangenen Woche zunehmend schärfere Töne gegenüber BP und seinem Chef Tony Hayward angeschlagen. Die britische Boulevardpresse hatte sich daraufhin empört und Cameron aufgefordert, im nationalen Interesse Stellung zu beziehen.

In dem Telefonat sei zudem vereinbart worden, dass Cameron kommenden Monat zu seinem Antrittsbesuch nach Washington reisen werde.

Diskussion um Dividenden

Angesichts der wachsenden Kritik an seinem eigenen Krisenmanagement kündigte Obama für Montag und Dienstag einen erneuten Besuch in den von der Ölpest betroffenen Bundesstaaten Mississippi, Alabama und Florida an. Für Mittwoch zitierte er führende BP-Vertreter ins Weisse Haus, darunter BP-Manager Carl- Henric Svanberg.

Britischen Medienberichten zufolge erwägt der Ölmulti, vorerst keine Dividende an die Aktionäre mehr zahlen. Nach Informationen der «Sunday Times» will der Aufsichtsrat eher einer Kürzung der Dividende zustimmen, als sie ganz zu streichen.

Das eingesparte Geld könne dann in einen Sonderfonds zum Kampf gegen die Ölpest fliessen. Die Aussetzung der nächsten Dividende in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar sei eine «Option», mit der sich der BP-Verwaltungsrat auf seiner Sitzung am Montag befassen könnte, sagte dazu ein Konzernsprecher. Ein Entscheid sei aber noch nicht gefallen.

dapd/cpm

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