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Obama lässt mehr als 5000 Soldaten in Afghanistan

Eigentlich wollte der US-Präsident den Krieg in Afghanistan beenden. Doch jetzt will er auch nach Ende seiner Amtszeit noch mehrere Tausend Soldaten am Hindukusch lassen.

Will keine Soldaten mehr abziehen: US-Präsident Barack Obama. (9. Oktober 2015)
Will keine Soldaten mehr abziehen: US-Präsident Barack Obama. (9. Oktober 2015)
Pablo Martinez Monsivais, Keystone

Die USA vertagen ihren Abzug aus Afghanistan und lassen auch nach 2016 Tausende Soldaten am Hindukusch. Präsident Barack Obama verkündete den Kurswechsel am Donnerstag und begründete ihn mit der schlechten Sicherheitslage. Nächstes Jahr sollen dort wie bisher 9800 US-Soldaten dienen, ab 2017 dann noch rund 5500. Damit rückt Obama von dem Versprechen ab, den Krieg noch vor Ablauf seiner Amtszeit im Januar 2017 zu beenden.

Dann sollten eigentlich nur noch etwa 1000 Mann an der US-Botschaft in Kabul stationiert bleiben. Obama nannte seinen neuen Plan eine «moderate, aber bedeutsame» Verlängerung des Militäreinsatzes in Afghanistan. Der Präsident räumte ein, dass die Vereinigten Staaten kriegsmüde seien. Doch sei er «fest überzeugt, dass wir diese zusätzliche Mühe aufwenden sollten», sagte der Präsident im Weissen Haus.

Unterstützung wegen wieder erstarkenden Taliban

Obama folgt damit den Empfehlungen seiner Militärführung. Diese argumentierte, die Afghanen bräuchten zusätzliche Unterstützung von den USA, um die wieder erstarkenden Taliban zurückzuschlagen. Nur so liessen sich die in den vergangenen 14 Jahren gemachten Gewinne sichern. US-Kommandeure sind zudem besorgt über Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat in Afghanistan.

Die USA waren nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschiert, weil die radikalislamischen Taliban führenden Al-Kaida-Terroristen dort Zuflucht gewährt hatten. Im Verbund mit anderen Nato-Truppen wurden die Taliban zunächst entmachtet. Seit Jahren kämpfen sie aber wieder verstärkt um Einfluss. Dennoch zog die Nato Ende 2014 ihre Kampftruppen ab und beliess vornehmlich Ausbilder und Berater in Afghanistan. Nur die USA haben auch noch Spezialkräfte für Anti-Terror-Einsätze am Hindukusch.

Obama sagte, das afghanische Militär verbuche Erfolge, aber nicht so viele wie nötig. Die Mission der US-Soldaten in Afghanistan bleibe unverändert: Sie sollen sich auf Ausbildung einerseits und auf Anti-Terror-Einsätze andererseits konzentrieren. «Ich vermute, dass wir dies auch künftig weiter bewerten werden, so wie der nächste Präsident», sagte Obama. Stationiert sein werden die Truppen in Kabul, auf dem Luftwaffenstützpunkt Bagram, sowie in Dschalalabad und Kandahar.

Afghanistan-Konflikt Thema im Präsidentschaftswahlkampf

Die US-Politik in Afghanistan stand nach Regierungsangaben bereits monatelang auf dem Prüfstand. Begonnen habe dies mit dem Besuch des afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani im März. Die kurzzeitige Einnahme der nordafghanischen Stadt Kundus durch die Taliban habe Obama darin bestärkt, mehr Soldaten als vorgesehen in Afghanistan zu lassen, hiess es.

In Kundus hatte es Ende September und Anfang Oktober langwierige Kämpfe mit afghanischen Bodentruppen gegeben, die von US-Luftangriffen unterstützt wurden. Ein US-Luftschlag traf versehentlich ein Krankenhaus und tötete 22 Menschen.

Als Präsidentschaftsbewerber hatte Obama versprochen, die Verwicklung der USA in die beiden von seinem Amtsvorgänger George W. Bush geerbten Kriege im Irak und in Afghanistan zu beenden. Nun dürfte die Militärmission auch im Wahlkampf 2016 eine Rolle spielen. Der republikanische Bewerber Jeb Bush begrüsste, dass Obama «den Plan aufgegeben hat, die Region komplett im Stich zu lassen».

AFP/slw

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