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«Der Tod fiel vom Himmel und die Welt wurde verändert»

Nach 71 Jahren zollt erstmals ein amtierender US-Präsident den Opfern des Atomwaffeneinsatzes von 1945 seinen Respekt. Statt einer Entschuldigung gibt es eine Mahnung.

Eine Geste der Verzeihung: Obama umarmt einen Überlebenden der Atombombenexplosion von 1945. (27. Mai 2016)
Eine Geste der Verzeihung: Obama umarmt einen Überlebenden der Atombombenexplosion von 1945. (27. Mai 2016)
Johannes Eisele, AFP
Präsident Obama legt einen Kranz am Mahnmal für die Opfer des Atombombenabwurfes von Hiroshima nieder. Er ist der erste amerikanischen Präsident, der den geschichtsträchtigen Ort besucht. (27. Mai 2016)
Präsident Obama legt einen Kranz am Mahnmal für die Opfer des Atombombenabwurfes von Hiroshima nieder. Er ist der erste amerikanischen Präsident, der den geschichtsträchtigen Ort besucht. (27. Mai 2016)
AP/Shuji Kajiyama
Vorbereitungen für einen historischen Moment: Arbeiter reinigen den Friedenspark von Hiroshima für den Besuch von Präsident Obama. (27. Mai 2016)
Vorbereitungen für einen historischen Moment: Arbeiter reinigen den Friedenspark von Hiroshima für den Besuch von Präsident Obama. (27. Mai 2016)
Johannes Eisele, AFP
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Historische Geste in Hiroshima: Als erster amtierender US-Präsident hat Barack Obama in Japan den Ort des ersten Atombombenabwurfs besucht. Er legte heute am Mahnmal im Friedenspark einen Kranz nieder und verneigte sich kurz. Anschliessend rief er zum Abbau der weltweiten Nuklearwaffenarsenale auf und traf mit Überlebenden zusammen. Zuvor hatte er vor Soldaten aus Japan und den USAgesprochen.

Obama sagte, die Weltgemeinschaft stehe in der gemeinsamen Verantwortung, dafür zu sorgen, dass sich das Leid eines Nuklearwaffeneinsatzes nicht wiederhole. Der Atombombenabwurf habe gezeigt, dass die Menschheit über die Mittel verfüge, sich selbst zu vernichten. «Der Tod fiel vom Himmel und die Welt wurde verändert», sagte er. Dies könne zu einem «moralischen Erwachen» führen.

Aufruf zu atomwaffenfreier Welt

Die Weltgemeinschaft stehe jetzt in der gemeinsamen Verantwortung, dafür zu sorgen, dass sich das Leid eines Nuklearwaffeneinsatzes nicht wiederhole. Ins Gästebuch der Gedenkstätte schrieb er: «Wir haben die Qualen des Krieges erfahren. Lasst uns nun gemeinsam den Mut finden, Frieden zu verbreiten und nach einer Welt ohne Atomwaffen streben.»

Begleitet wurde Obama von Japans Ministerpräsident Shinzo Abe. Dieser lobte den historischen Besuch als Ansporn für die weltweite Abschaffung von Nuklearwaffen. Auch sei Obamas Visite ein weiteres Kapitel bei der Versöhnung der ehemaligen Kriegsgegner. Das, was in Hiroshima geschehen sei, dürfe sich nie wiederholen.

Dort hatten die USA am 6. August 1945 erstmals im Krieg eine Atombombe gezündet. Diese tötete etwa 140'000 Menschen. Nach einem zweiten Atombombenabwurf drei Tage später in Nagasaki kapitulierte Japan und beendete damit den Zweiten Weltkrieg.

Entschuldigung?

Das Weisse Haus hatte bereits vor dem Besuch Obamas in Hiroshima angekündigt, dass der Präsident nicht um Entschuldigung für den Atomwaffeneinsatz bitten werde. Allerdings gibt es Stimmen, die allein in dem Besuch eine Entschuldigung sehen. Zahlreiche US-Bürger betrachten den Atomwaffeneinsatz als legitimes Mittel, um den Zweiten Weltkrieg schnell zu beenden. Dadurch sei der Tod vieler US-Soldaten verhindert worden, argumentieren sie.

Andere werten die Angriffe dagegen als Kriegsverbrechen. Die Auseinandersetzung darüber hatte Obamas Vorgänger davon abgehalten, nach Hiroshima zu kommen. Jimmy Carter besuchte die Gedenkstätte erst 1984 – nach seiner Abwahl als US-Präsident.

Koreaner fordern Erinnerung an ihre Opfer

Viele Japaner reagierten mit Genugtuung auf den Obama-Besuch. «Es wäre toll gewesen, wenn ein US-Präsident früher gekommen wäre. Aber ich denke, das bedeutet, dass die Welt endlich bereit ist für einen solchen Besuch», sagte der Schauspieler Kanji Shimizu.

Zahlreiche Koreaner forderten eine Erinnerung an ihre 20'000 bis 40'000 Landsleute, die bei dem Atombombenabwürfen getötet wurden. «Das Leiden wie etwa die Krankheit geht weiter über die Generation. Das ist es, was ich Präsident Obama wissen lassen möchte. Ich möchte, dass er unser Leiden versteht», sagte Han Jeong-Soon, die Tochter eines koreanischen Überlebenden. Korea war bis 1945 japanische Kolonie.

AP/kat

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