Nutzen die Spione Hintertüren zu Facebook, Google und Apple?

Die grosse Frage im Überwachungsskandal ist, ob Internetfirmen der NSA Daten nur auf Anfrage lieferten oder ob sie ihr insgeheim freien Zugriff gewährten. Die Unternehmen nahmen nun Stellung.

  • loading indicator

US-amerikanische Behörden haben bestätigt, dass sie Zugriff auf Nutzerdaten von Internetfirmen haben. Dazu gehören offenbar versendete E-Mails, Chat-Nachrichten, Passwörter und hochgeladene Fotos und Dokumente. In einer von der Tageszeitung «Washington Post» enhüllten Powerpoint-Präsentation des US-amerikanischen Nachrichtendienst NSA (National Security Agency) heisst es, der auf elektronische Überwachung spezialisierte Geheimdienst habe Zugriff auf Server von Unternehmen wie Facebook, Google und Apple.

Die betroffenen Unternehmen widersprechen dieser Darstellung aber. «Wir gewähren keiner Regierungsorganisation direkten Zugang zu Facebook-Servern», teilte beispielsweise Facebook mit. Jede einzelne Anfrage würde geprüft und nur soweit nötig erfüllt. Wie diese beiden Darstellungen zusammengehen, ist bisher unklar. US-amerikanische Medien spekulierten jedoch, dass die Internetfirmen der NSA die Installation von eigener Ausrüstung in ihren Gebäuden erlaubt haben könnte. Das Internetmagazin «Huffington Post» verweist auf die Aussagen von Marc Klein, einem ehemaligen Mitarbeiter des Telekomriesen AT&T. Klein hatte 2007 gegenüber der «Washington Post» und auch bei einem Kongresshearing ausgesagt, die NSA habe in einem Gebäude von AT&T einen geheimen Raum zwecks Abgreifung von Internetdaten eingerichtet.

«Die kopieren das ganze Internet»

Wörtlich sagte Klein damals: «Die kopieren das ganze Internet». Klein gab auch an, wie dies technisch abgelaufen sein soll und lieferte eine Anleitung mit, welche von einem Techniker vergessen worden sei. Die Anleitung zeigt offenbar ein Schema der Konstruktion, mit der die NSA die Daten kopierte.

Demnach installierte AT&T in einem eigenen Netzwerkraum einen sogenannten Splitter, der gesendete Daten dupliziert. Der Splitter besteht aus einem Prisma, einem Bauteil aus Glas, das optische Signale, wie sie über Fiberglasleitungen gesendet werden, verdoppeln kann. Das kopierte Signal wurde laut Klein in einen unter dem Netzwerkraum eingerichteten «geheimen Raum» weitergeleitet, der für die NSA eingerichtet worden sei.

Internetfirmen bestreiten Vorwürfe

Kleins Aussagen wurden damals weder von den Behörden noch von AT&T kommentiert. Das aktuelle, von der Washington Post aufgedeckte Überwachungsprogramm heisst gemäss der Powerpoint-Präsentation der NSA Prism, englisch für Prisma. Ob eine Verbindung zu der von Klein geschilderten Überwachungsaktion besteht, ist jedoch unklar.

Neben Facebook bestreiten auch Apple, Google, Microsoft und Yahoo die Existenz solcher Hintertüren. «Von Zeit zu Zeit wird behauptet, dass wir für die Regierung eine ‹Hintertüre› zu unseren Systemen geschaffen haben, aber Google hat keine Hintertür, über die die Regierung Zugriff auf private Daten der Nutzer hat», zitiert die Nachrichtenagentur sda einen Google-Sprecher.

Datenspeicher mit Milliarden Gigabytes

Ebenfalls unklar bleibt, ob die NSA tatsächlich Zugriff auf die Daten aller Nutzer hatten. Die US-Behörden geben an, die Überwachung betreffe nur die Daten ausländischer Nutzer. Falls die NSA aber tatsächlich selber Zugriff auf die Server von Facebook und Co. haben sollte, würde sich die Frage stellen, wie sie diese Daten durchsuchen könnte, ohne gleichzeitig die Daten von US-Bürgern mitzudurchsuchen.

Die NSA ist derjenige amerikanische Geheimdienst, der für die Überwachung elektronischer Daten zuständig ist. Über die genaue Tätigkeit der Behörde ist nur wenig bekannt. Das Technikmagazin «Wired» berichtete letztes Jahr, dass die NSA bis Ende Jahr ein neues, zwei Milliarden Dollar teures Datencenter in Betrieb nehmen werde. Dieses soll Zettabytes von Daten speichern können. Zum Vergleich: 1 Zettabyte entspricht 1 Billion Gigabytes.

mw

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt