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NSA kann Codes von SIM-Karten knacken

Die Hacker-Operation beim SIM-Kartenhersteller Gemalto verschafft den Spionen den direkten Zugang zur fast kompletten globalen Mobilkommunikation. Ein niederländischer Abgeordneter nennt das kriminell.

Vor der NSA nicht mehr sicher: SIM-Karte. (Archivbild)
Vor der NSA nicht mehr sicher: SIM-Karte. (Archivbild)
AFP

Amerikanische und britische Spione haben sich mit einem Hacker-Angriff beim weltgrössten SIM-Kartenhersteller potenziellen Zugang zum Gros der globalen Handy-Kommunikation verschafft. Das geht aus Dokumenten des früheren NSA-Mitarbeiters Edward Snowden hervor, wie die Webseite «The Intercept» meldete. Die Operation des US-Geheimdienstes NSA und des britischen GCHQsei so raffiniert gewesen, dass der angegriffene Konzern Gemalto erst jetzt davon erfahren habe.

Gemalto teilte mit, es gehe dem Bericht nach und könne den Datendiebstahl zunächst nicht bestätigen. Der Konzern, der sich selbst als Weltmarktführer für digitale Sicherheit bezeichnet, habe bisher nicht gewusst, «dass diese Geheimdienste diese Operation durchgeführt haben.»

«Wenn man die Codes erst mal hat»

Der Diebstahl der Verschlüsselungscodes wird von Datenschützern mit dem des Generalschlüssels eines grossen Wohnhauses verglichen, der alle Türen öffnet. «Wenn man die Codes erst mal hat, ist das Entschlüsseln der Kommunikation trivial», zitiert die Webseite den Cheftechniker der US-Bürgerrechtsorganisation ACLU, Christopher Soghoian. Eine Zustimmung oder Hilfe von Telekom-Unternehmen oder Behörden wird laut «Intercept» nicht mehr benötigt.

In dem Artikel wird nicht der Vorwurf erhoben, dass die Geheimdienste davon Gebrauch gemacht haben. Dennoch dürfte die Geheimoperation weltweit Empörung auslösen. Sie verstärkt den Eindruck, dass amerikanische und britische Geheimdienste dazu bereit sind, alles für die Erweiterung ihrer Überwachungsfähigkeiten zu tun - selbst wenn dafür Informationen von einer gesetzestreuen westlichen Firma gestohlen werden müssen.

Zu den Kunden zählen AT&T, T-Mobile und Verizon

Gerard Schouw, Mitglied des Geheimdienstausschusses im niederländischen Parlament, bezeichnete die Hack-Aktion gegenüber «Intercept» als unglaublich und kriminell. «Wir haben Gesetze über Geheimdienste in den Niederlanden, und hacken ist nicht erlaubt», sagte der Politiker der Oppositionspartei D66.

Gemalto produziert SIM-Karten für Handys und Kreditkarten. Der Hauptsitz des multinationalen Konzerns befindet sich in Amsterdam. Weitere Zentralen befinden sich inAustin, Singapur und Frankreich. Zu den Kunden des Konzerns zählen AT&T, T-Mobile, Verizon and Spring, wie «The Intercept» berichtete.

Die NSAäusserte sich zunächst nicht zu denEnthüllungen. Bei früheren Fällen hatten ehemalige Vertreter des Geheimdiensts erklärt, die USAmüssten Terroristen und andere Gegner abhören, die über herkömmliche Netzwerke kommunizierten. Um an für US-Interessen relevante Informationen zu gelangen, bricht die NSA wie auch die CIA dabei Spionage- und Internetgesetze anderer Länder.

AP/chk/bru

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