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Néstor Kirchners Spuren führen in die Schweiz

Heute erlag der ehemalige argentinische Präsident Néstor Kirchner einem Herzinfarkt. Das Volk hat dem Reformer einiges zu verdanken, wie ein Blick in die jüngsten Entwicklungen des Landes zeigt.

Argentiniens ehemaliger Präsident Néstor Kirchner hat sein Land aus der schwersten Wirtschafts- und Sozialkrise überhaupt geführt. Am Mittwoch starb Kirchner an einem Herzinfarkt. Er war bis 2007 Präsident des lateinamerikanischen Landes.

Die schwere Krise brachte Argentinien 2001 und 2002 an den Rand des wirtschaftlichen Abgrundes. Nach seiner Wahl 2003 brachte Kirchner Reformen auf den Weg, die die wirtschaftliche Lage verbesserten. An die Vorgaben internationaler Finanzinstitutionen wie des Internationalen Währungsfonds (IWF) hielt er sich nicht länger.

Luft für den Staatshaushalt

Ausländische private Gläubiger Argentiniens mussten auf einen grossen Teil ihrer Forderungen verzichten, was dem Staatshaushalt Luft verschaffte. Kirchner betrieb nun eine Re-Industrialisierung des Landes, dessen Wirtschaft unter seinem Parteifreund Carlos Menem (1989-1999) stark gelitten hatte.

Diese Politik und eine günstige Entwicklung der Weltwirtschaft bescherte Argentinien während Kirchners gesamter Amtszeit hohe Wachstumsraten. 2006 kündigte die Regierung die vorzeitige Rückzahlung der gesamten Staatsschulden beim Internationalen Währungsfonds an.

Amnestiegesetze aufgehoben

Als Vertreter der «Generation der Opfer» der Militärdiktatur (1976-1983) liess Präsident Kirchner die Amnestiegesetze für die Verbrechen der Militärs aufheben. Folterer und Mörder aus den Kreisen des Militärs und der Polizei kamen nun doch noch vor Gericht und wurden zu langen Haftstrafen verurteilt.

Aussenpolitisch suchte er einen engen Schulterschluss mit dem linkspopulistischen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez und anderen Linkspolitikern Lateinamerikas. Innenpolitische Kritiker warfen ihm vor, mit einer Justizreform die Unabhängigkeit der Gerichtsbarkeit zu schwächen und am Parlament vorbeizuregieren.

Schweizer Wurzeln

Geboren wurde Néstor Kirchner in Río Gallegos im Süden des Landes, als Sohn eines Postbeamten Schweizer Abstammung und einer chilenischen Einwanderin kroatischer Abstammung. Schon früh - während des Jurastudiums in La Plata - begann er seine politische Karriere bei den Peronisten.

Während der Militärdiktatur zog er sich mit seiner Frau Cristina nach Río Gallegos zurück. Nach dem Ende der Diktatur wurde er zunächst Bürgermeister seiner Vaterstadt und später Gouverneur der patagonischen Provinz Santa Cruz. Das Ehepaar Kirchner hat zwei Kinder.

Die Präsidentschaftswahlen 2003 gewann Kirchner mit nur 22,2 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang, weil der Zweitplatzierte - Ex-Präsident Carlos Menem - schon vor der Stichwahl aufgab.

Von Ehefrau abgelöst

Bei den Präsidentschaftswahlen 2007 verzichtete Kirchner zugunsten seiner Frau auf eine zweite Kandidatur. Cristina Fernández de Kirchner gewann die Wahl überlegen und regiert nun das südamerikanische Land. Kirchner war zuletzt auch Generalsekretär der Union Südamerikanischer Staaten (UNASUR).

Als Vorsitzender der Peronisten-Partei blieb Kirchner ein einflussreicher Politiker. Er galt als möglicher Kandidat für die Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr - ob er antreten würde, stand bisher noch nicht fest. Nach einem Wahlsieg hätte er die Kirchner-Familiendynastie um weitere vier Jahre verlängern können.

SDA/mrs

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