Nein, Sie Wichser

Weil er vor Frauen masturbiert hat, will in den USA niemand mehr den Komiker Louis C.K. sehen. BaZ-Kolumnistin Nina Jecker findet, das Umdenken der Frauen sei in solchen Fällen noch wichtiger als das der Männer.

Komiker Louis C.K. 2017 in New York. Foto: Michael Nagle

Komiker Louis C.K. 2017 in New York. Foto: Michael Nagle

Nina Jecker

Er ist wieder auf Tour. Einer der berühmtesten Komiker der Welt, Louis C.K., tingelt durch Europa. In seiner Heimat, den USA, will man den Mann nicht mehr sehen, seit bekannt wurde, dass er vor Frauen sein Ding ausgepackt und masturbiert hat.

So weit, so ekelhaft, könnte man meinen. Und dem Mann gönnen, dass sein Ruf ruiniert und seine Karriere zumindest beschädigt wurde. Doch das reicht nicht. Denn das eigentlich Erschreckende ist nicht, dass Louis C.K. sich gern vor Frauen einen runterholt, sondern dass diese sich das gefallen lassen. Laut eigenen Aussagen und denen mehrerer Opfer hat der Komiker in der Regel nämlich gefragt, bevor er loslegte. Einige schickten ihn daraufhin zum Teufel, was er offenbar akzeptierte. Andere liessen ihn gewähren – obwohl sie keineswegs zuschauen wollten und sich danach beschmutzt und missbraucht fühlten.

Das ist es, was uns Angst machen sollte. Dass Frauen selbst Übergriffe erdulden, die ein einfaches Nein verhindert hätte. Doch wenn jemand vorher darum bittet und eine Absage respektiert, ist es dann überhaupt ein Übergriff? Louis C.K. hat eine ungewöhnliche sexuelle Vorliebe – wie viele andere auch. Waren seine Taten nicht eher plumpe Versuche? Wie der des Mannes, der mich vor ein paar Jahren am Bankverein angesprochen hat. Er fände es toll, wenn ich ihn irgendwann mal anpinkeln würde. «Um Himmels willen, Nein!», rief ich und ging angewidert weg.

Die Gesellschaft muss den Mädchen und jungen Frauen die Sicherheit mitgeben, dass es immer und überall und bei jedem Gegenüber okay ist, Nein zu sagen.

Im Fall des berühmten Künstlers kommt natürlich hinzu, dass er im Showbiz grosse Macht besass. Er konnte mit einem Fingerschnippen jungen Talenten zur Karriere verhelfen und sie vermutlich auch wieder beenden. Heute gibt er selber zu, dass eine Frage nach sexuellen Gefälligkeiten nicht mehr harmlos ist, sobald ein Machtgefälle besteht.

Die Gesellschaft muss den Mädchen und jungen Frauen die Sicherheit mitgeben, dass es immer und überall und bei jedem Gegenüber okay ist, Nein zu sagen. Sie sollen sich selbstbewusst wehren, anstatt sich aus Angst vor möglichen Konsequenzen, ob beruflich oder privat, zum Objekt machen zu lassen.

Dieses Umdenken der Frauen ist noch wichtiger als das der Männer. Denn auch in einer komplett gleichberechtigten Gesellschaft wird es immer Perverse geben. Und immer Menschen, die ihre Macht ausnützen. Ihnen sollten die Frauen nicht zu Diensten sein, wenn sie das nicht möchten, sondern deutlich sagen: Nein, Sie Wichser.

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