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Militärgericht verurteilt Manning in 20 Punkten

Keine Gnade für den Wikileaks-Informanten: Eine Militärrichterin hat Bradley Manning unter anderem der Spionage und des Diebstahls für schuldig befunden. Nur beim heftigsten Vorwurf kommt er davon.

Ihr wurde im Gefängnis eine Geschlechtsumwandlung erlaubt: Die 2013 als Bradley Manning verurteilte Chelsea Manning. (Archivbild)
Ihr wurde im Gefängnis eine Geschlechtsumwandlung erlaubt: Die 2013 als Bradley Manning verurteilte Chelsea Manning. (Archivbild)
U.S. Army/AP, Keystone
Ihm drohten bis zu 90 Jahre Haft – nun muss er 35 Jahre ins Gefängnis: Bradley Manning wird in in Fort Meade ins Gerichtsgebäude geführt. (19. August 2013)
Ihm drohten bis zu 90 Jahre Haft – nun muss er 35 Jahre ins Gefängnis: Bradley Manning wird in in Fort Meade ins Gerichtsgebäude geführt. (19. August 2013)
Reuters
Manning soll Wikileaks ein Video zugespielt haben, das den Angriff eines Kampfhubschraubers auf einen Fotografen der Nachrichtenagentur Reuters und seinen Fahrer im Jahr 2007 zeigt.
Manning soll Wikileaks ein Video zugespielt haben, das den Angriff eines Kampfhubschraubers auf einen Fotografen der Nachrichtenagentur Reuters und seinen Fahrer im Jahr 2007 zeigt.
Keystone
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Ein US-Militärgericht hat den Wikileaks-Informanten Bradley Manning in 20 von 22 Anklagepunkten für schuldig befunden. Der 25-jährige Obergefreite der US-Armee wurde aber vom schwerwiegendsten Vorwurf der Unterstützung des Feindes freigesprochen, wie Richterin Denise Lind vom Militärtribunal in Fort Meade erklärte. Die Enthüllungsorganisation Wikileaks und Bürgerrechtsgruppen äusserten scharfe Kritik an dem Urteil, für das Manning eine Freiheitsstrafe von bis zu 136 Jahren droht.

«Soldat Manning, im Anklagepunkt Nummer eins erklärt Sie das Gericht nicht schuldig», sagte Richterin Lind zu Beginn der Urteilsverlesung. Der in eine blaue Uniform gekleidete Soldat nahm die Lesung an der Seite seines Anwalts David Coombs praktisch reglos hin. Er wurde neben Verstössen gegen das Spionage-Gesetz von 1917 des Diebstahls von Dokumenten der Streitkräfte und der illegalen Übermittlung von 250'000 vertraulichen Diplomatendepeschen schuldig befunden.

Strafmass noch nicht festgelegt

Ausserdem wurde er für den Verstoss gegen interne Regeln des Militärs und die unbefugte Verwendung eines Programms zur Umgehung der Sicherheitsmassnahmen des Informatiksystems der Streitkräfte verurteilt. Im Punkt «des unbefugten Besitzes und der gezielten Übermittlung» eines Videos zu einem US-Luftangriff in Afghanistan, bei dem Dutzende Zivilisten getötet worden waren, wurde er allerdings freigesprochen.

Über das Strafmass wird nun erst noch beraten. Dabei sollen weitere Zeugen angehört werden, weshalb noch einige Tage bis zur Verkündung der Strafe vergehen könnten. In dem seit Juni laufenden Prozess in Fort Meade bei Washington bekannte sich Manning in zehn von 22 Punkten schuldig, darunter Spionage und Computerbetrug. Den Vorwurf der Unterstützung des Feindes wies er zurück. Dieser hätte ihm allein lebenslange Haft einbringen können. Die Staatsanwaltschaft hatte hingegen bereits vor dem Prozess darauf verzichtet, die Todesstrafe zu fordern.

«Gefährlicher Sicherheitsextremismus»

Manning hatte während seiner Stationierung im Irak zwischen November 2009 und Mai 2010 rund 700'000 Geheimdokumente von Militärrechnern heruntergeladen und Wikileaks zugespielt. Darunter war auch die Video-Aufzeichnung der Besatzung eines US-Kampfhelikopters, die in Bagdad offenbar mutwillig eine Gruppe unbewaffneter Iraker erschiesst. Weitere Dokumente zeigten, dass 150 Häftlinge grundlos im US-Gefangenenlager Guantanamo festgehalten wurden.

Für die Staatsanwaltschaft sowie Teile von Politik, Medien und Öffentlichkeit ist Manning ein Verräter, der mit den Enthüllungen sensibler Dokumente bewusst seinem Land schaden wollte. Für seine Unterstützer dagegen ist der junge Soldat ein mutiger Kämpfer für Transparenz, der mit seinen Enthüllungen über Verbrechen im Irak und Afghanistan zur öffentlichen Debatte über die Kriegseinsätze beitragen wollte. Seine Verteidigung schilderte ihn zuletzt als «jungen und naiven Bürger mit guten Absichten».

Wikileaks erklärte, der Schuldspruch zeige den «gefährlichen, nationalen Sicherheitsextremismus der Regierung» von Präsident Barack Obama. Die Bürgerrechtsgruppe ACLU kritisierte, die Regierung wolle offenbar mögliche künftige Informanten einschüchtern. Ihrer Überzeugung nach sollten «Enthüllungen an die Presse im öffentlichen Interesse» nicht als Spionage verfolgt werden. Das Center for Constitutional Rights (CCR) nannte es «skandalös», dass Manning aufgrund eines Gesetzes aus dem Ersten Weltkrieg verurteilt wurde, das zur Verfolgung von Oppositionellen und Pazifisten geschaffen wurde.

AFP/sda/kle/mw

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