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«Mein Sohn hat nur eins gelernt: ‹Kill, kill, kill›»

Die Geschichte hinter den neuen skandalösen Kriegsbildern aus Afghanistan ist erschreckend. Offenbar haben US-Soldaten «zum Spass» und unter Vorwänden Zivilisten getötet.

Er hält den leblosen Kopf an den Haaren und lächelt hämisch in die Kamera. Stabsgefreiter Morlock posiert mit seinem Opfer, einem 21-jährigen afghanischen Bauernsohn. Allein das Bild und die Pose sind skandalös. Erinnerungen werden wach an den Skandal von Abu Ghuraib, bei dem GIs irakische Häftlinge vor der Kamera erniedrigten. Doch diesmal ist der Skandal hinter den Fotos grösser als der auf den Fotos.

Denn wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» berichtet, sind die Toten auf den Bildern nicht etwa Terroristen, die im Kampf gefallen sind. Sondern Zivilisten, die der Mordlust von ein paar US-Soldaten zum Opfer fielen.

«Es gibt keine Guten mehr»

Der 21-jährige Adam Winfield, entschied sich mit 17, es seinem Vater und seinem Onkel gleich zu tun und zum Militär zu gehen. Er kam als überzeugter Soldat und Radpanzerfahrer nach Afghanistan und mit dem Gefühl, für die richtige Sache zu kämpfen.

«Ich hatte gedacht, dass ich hier bin, um Gutes zu tun. Aber das ist alles Lüge. Es gibt hier keine Guten mehr», soll Adam Winfield gemäss «Spiegel» gegenüber seinem Vater gesagt und ihm von dramatischen Vorkommnissen erzählt haben.

Der belesene und nachdenkliche Winfield wurde in einem abgelegenen Militärstützpunkt in Afghanistan stationiert, wo er und seine Kameraden sich zwar oft langweilten, aber auch mitansehen mussten, wie Gleichaltrige von Landminen zerfetzt wurden. Winfield fand unter den anderen Soldaten keine Kameraden, fühlte sich einsam und elend.

«Hass auf die Afghanen»

Das verschärfte sich noch mehr, als er einen neuen Vorgesetzten, den Feldwebel Calvin Gibbs, erhielt. Gibbs entpuppte sich schnell als Rambo mit Gewaltfantasien. «Er mochte es, zu töten», sagte Winfield später über ihn. Obwohl Winfield selbst ebenfalls zum Töten ausgebildet wurde - «drei Jahre lang hat mein Sohn nur eins gelernt: ‹kill, kill, kill›», so seine Mutter - plagten ihn Angstattacken bei dem Gedanken, jemanden zu erschiessen.

Gibbs hingegen «hasste alle Afghanen» und sollte dies eindrücklich unter Beweis stellen. Bei einem Einsatz im Frühjahr 2010 sollten Winfield, Gibbs und zwei weitere Soldaten die Sicherheit für ein Treffen zwischen US-Offizieren und dem Dorfältesten gewährleisten, so der «Spiegel». Radpanzerfahrer Winfield fuhr vor Ort und bewachte das Fahrzeug. Gibbs hingegen verliess den Panzer mit dem Plan, jemanden zu töten.

Wie Winfield später seinem Vater erzählte, hatte Gibbs eine Granate dabei. Er rief einen afghanischen Bauernsohn heran. Dieser hob die Jacke, um zu zeigen, dass er keine Waffen oder Sprengstoffgürtel trägt. Da rief Gibbs «Achtung» und «in Deckung», warf die Granate und befahl seinen eingeweihten Kameraden zu feuern. Es sollte so aussehen, als seien sie vom jungen Mann angegriffen worden. In diesem Fall hätte es sich um ein «legitimate kill», also um eine gezielte Tötung gehandelt. Stattdessen war es pure Lust am Töten.

Danach fotografierten sich die Soldaten mit der Leiche und kehrten euphorisch zum Panzer zurück.

«Kill Team»

Die Truppe soll noch weitere solche Aktionen vollführt haben und sich so den Namen «Kill Team» verschafft haben. Gibbs und seine Untergebenen dachten sich gemäss «Spiegel» richtige «Drehbücher» aus, um die Tötung von Zivilisten zu tarnen.

Radpanzerfahrer Winfield, auf dessen rapportierten Aussagen die «Spiegel»-Story beruht, wollte dabei nicht mitmachen, wurde aber von Gibbs unter Druck gesetzt, bis er ebenfalls auf eine Tour mitging und nach einem inszenierten Angriff ebenfalls auf einen Zivilisten schoss. Ob er ihn getötet habe, wisse er nicht, aber er sei zumindest Teil der Aktion gewesen.

12 Soldaten angeklagt

Sein Vater, dem er die Geschichte via Facebook-Chat erzählte, erfuhr keine Hilfe bei seinem Bestreben, Licht in die dunklen Machenschaften zu bringen. Die Sache flog nur auf, weil ein weiterer Soldat von seinen Kameraden verprügelt wurde und sich beschwerte. Dabei sagte er aus, er wolle nicht wie ein afghanischer Zivilist enden.

Derzeit sind deswegen in den USA 12 Soldaten angeklagt, darunter auch Winfield.

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