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Manning muss 35 Jahre ins Gefängnis

Der Wikileaks-Informant wurde zu 35 Jahren Haft verurteilt. Die US-Staatsanwaltschaft hatte 60 Jahre gefordert. Das Strafmass bedeutet jedoch nicht, dass Manning tatsächlich so lange inhaftiert bleiben wird.

Ihr wurde im Gefängnis eine Geschlechtsumwandlung erlaubt: Die 2013 als Bradley Manning verurteilte Chelsea Manning. (Archivbild)
Ihr wurde im Gefängnis eine Geschlechtsumwandlung erlaubt: Die 2013 als Bradley Manning verurteilte Chelsea Manning. (Archivbild)
U.S. Army/AP, Keystone
Ihm drohten bis zu 90 Jahre Haft – nun muss er 35 Jahre ins Gefängnis: Bradley Manning wird in in Fort Meade ins Gerichtsgebäude geführt. (19. August 2013)
Ihm drohten bis zu 90 Jahre Haft – nun muss er 35 Jahre ins Gefängnis: Bradley Manning wird in in Fort Meade ins Gerichtsgebäude geführt. (19. August 2013)
Reuters
Manning soll Wikileaks ein Video zugespielt haben, das den Angriff eines Kampfhubschraubers auf einen Fotografen der Nachrichtenagentur Reuters und seinen Fahrer im Jahr 2007 zeigt.
Manning soll Wikileaks ein Video zugespielt haben, das den Angriff eines Kampfhubschraubers auf einen Fotografen der Nachrichtenagentur Reuters und seinen Fahrer im Jahr 2007 zeigt.
Keystone
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Ein US-Militärgericht hat Bradley Manning wegen der Weitergabe von Hunderttausenden US-Geheimdokumenten an die Enthüllungsplattform Wikileaks zu 35 Jahren Haft verurteilt. Richterin Denise Lind gab ihre Entscheidung über das Strafmass im US-Militärstützpunkt Fort Meade bekannt. Einzelheiten zur Begründung nannte sie nicht. Der 25-jährige Ex-Soldat selbst nahm das Urteil bei der kurzen Anhörung ohne Regung auf.

Manning war im Prozess um den grössten Geheimnisverrat in der Geschichte der USA bereits Ende Juli in mehr als 20 Anklagepunkten schuldig gesprochen worden, darunter Spionage, Diebstahl und Computerbetrug. Vom Hauptanklagepunkt - Unterstützung des Feindes -, wofür ihm lebenslange Haft gedroht hätte, wurde Manning aber freigesprochen. Als er von Soldaten aus dem Gerichtssaal gebracht wurde, riefen seine Anhänger: «Wir werden weiter für dich kämpfen, Bradley» und «Du bist unser Held.»

112 Tage im Militärgefängnis

Das jetzt verhängte Strafmass bedeutet nicht, dass Manning tatsächlich 35 Jahre lang in Haft bleiben muss. Militärgefangene in den USA können ihre Strafe mit guter Führung um bis zu 120 Tage pro Jahr reduzieren, sie müssen aber mindestens ein Drittel ihrer Strafe absitzen, bevor für sie eine Bewährung infrage kommen.

Manning erhält zudem dreieinhalb Jahre seiner Haft vor dem Prozess angerechnet, darunter auch 112 Tage, in denen er illegalerweise zu harten Bedingungen in einem Militärgefängnis des Marinekorps interniert war. Dabei war er laut seinen Anwälten 23 Stunden pro Tag in Einzelhaft, musste mehrere Nächte nackt schlafen und auch zum Appell am morgen nackt erscheinen.

Unter dem Militärgesetz müssen Urteil und Strafmass vom Kommandeur des Militärbezirks der Hauptstadt Washington überprüft werden, der auch eine Reduzierung beschliessen kann. Der Fall wird dann automatisch an das militärische Berufungsstrafgericht weitergeleitet. Theoretisch ist anschliessend auch der Gang über zwei weitere Instanzen möglich: erst zum Berufungsgericht der US-Streitkräfte und anschliessend zum Obersten US-Gericht, dem Supreme Court. Amnesty International und das Bradley-Manning-Unterstützungsnetzwerk haben zudem eine Petition vorbereitet, in der sie US-Präsident Barack Obama um die Begnadigung des 25-Jährigen bitten wollen.

700'000 Geheimdokumente

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Schlussplädoyer 60 Jahre Haft für Manning gefordert, um andere Soldaten davon abzubringen, Mannings Vorbild zu folgen. Die Verteidigung hatte erklärt, die Strafe dürfte 25 Jahre nicht überschreiten. Die mögliche Höchststrafe lag bei 90 Jahren.

Zum Ende des Verfahrens entschuldigte Manning sich für seine Taten und erklärte, er habe den USA durch die Weitergabe der Botschaftsdepeschen und geheimer Kampfberichte aus den Kriegen im Irak und in Afghanistan nicht schaden wollen, sondern lediglich versucht, eine Debatte über die Aussenpolitik der USA, sowohl auf militärischer als auch auf diplomatischer Ebene, anzustossen. «Ich dachte, ich würde Menschen helfen, nicht ihnen schaden», sagte er vergangene Woche. Insgesamt gab er in seiner Zeit als Geheimdienstanalyst im Irak mehr als 700'000 Geheimdokumente weiter.

AP/rbi

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