«Männer, datet keine Feministinnen»

Phyllis Schlafly, Ikone der US-Konservativen, ist 92-jährig gestorben. Mit ihren Sprüchen war die äusserst einflussreiche Frau der Schrecken aller Feministinnen.

Kampf gegen die Verankerung der Gleichberechtigung der Frau in der US-Verfassung: Phyllis Schlafly und Mitstreiterinnen in einer Aufnahme aus dem Jahr 1976.

Kampf gegen die Verankerung der Gleichberechtigung der Frau in der US-Verfassung: Phyllis Schlafly und Mitstreiterinnen in einer Aufnahme aus dem Jahr 1976.

(Bild: Keystone)

Vincenzo Capodici@V_Capodici

Die konservative Bewegung in den USA hat eine ihrer mächtigsten Vordenkerinnen verloren. Im Alter von 92 Jahren starb die Aktivistin und Buchautorin Phyllis Schlafly in ihrem Haus in St. Louis im Kreise der Familie, wie ihre Stiftung Eagle Forum am Montag (Ortszeit) mitteilte. Schlafly war für Jahrzehnte eine der polarisierendsten öffentlichen Figuren in den USA. Die studierte Verfassungsrechtlerin hatte einen erheblichen Anteil daran, die Republikanische Partei auf einen erzkonservativen Kurs in der Gesellschaftspolitik zu bringen. Die Verfasserin von mehr als 20 Büchern verstand es, Millionen von Menschen gegen die Abtreibung, für die Propagierung traditioneller Familienwerte, gegen den Feminismus und gegen die in den 1960er-Jahren aufkeimende liberale Alternativkultur zu mobilisieren.

Leidenschaftliche Provokateurin

Mit prominenten US-Feministinnen lieferte sich Schlafly leidenschaftliche Debatten. Um ihre Kritikerinnen zu provozieren, begann sie Reden gerne mit dem Satz: «Zunächst möchte ich meinem Mann Fred danken, dass er mich hat herkommen lassen.» Schlafly hat etliche provokative Sprüche hinterlassen. Hier sind einige Beispiele:

  • «Ich verteidige die wahren Rechte der Frauen. Eine Frau sollte das Recht haben, als Frau und Mutter zu Hause zu bleiben.»
  • «Frauen kriegen Babys, und Männer besorgen den Unterhalt. Wer es nicht mag, wie wir Menschen gemacht sind, soll es mit Gott aufnehmen.»
  • «Männer, datet keine Feministinnen.»
  • «Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist kein Problem für tugendhafte Frauen.»
  • «Feminismus ist zum Scheitern verurteilt, weil er auf dem Versuch beruht, die Natur des Menschen verändern zu wollen.»
  • «Feministinnen haben sich selber überzeugt, dass die Unterschiede zwischen Mann und Frau auf Unterdrückung beruhen und dass Frauen in den USA eine unterdrückte Minderheit sind. Das ist eine Lüge. Amerikanische Frauen sind die glücklichsten Menschen, die je auf unserer Erde gelebt haben.»
  • «Der beste Weg, die wirtschaftlichen Perspektiven der Frauen zu verbessern, besteht darin, die beruflichen Perspektiven ihrer Männer zu verbessern.»
  • «Die Klage, dass amerikanische Frauen unterdrückt und unfair behandelt werden, ist der Betrug des Jahrhunderts.»

Phyllis Schlafly warnt vor Feministinnen. (Quelle: Youtube/RWW Blog)

Ihre Macht demonstrierte Schlafly auf spektakuläre Weise, als sie Anfang der 1980er-Jahre durch eine Kampagne einen vom Kongress beschlossenen Verfassungszusatz zur Gleichberechtigung zu Fall brachte. Das «Equal Rights Amendment» (ERA) hatte geschlechterspezifische Unterscheidungen zwischen Männern und Frauen in Gesetzen verbieten und die Gleichberechtigung der Frau in der Verfassung stärken sollen. Im Weiteren baute Schlafly eine streng konservative Basisbewegung auf, die gegen gesellschaftliche Modernisierungstendenzen eintrat, einen wichtigen Beitrag zur Wahl Ronald Reagans zum Präsidenten 1980 leistete und zur streng konservativen Neuausrichtung der Republikaner beitrug.

Die konservative Aktivistin war von 1949 bis zu dessen Tod 1993 mit dem Anwalt John Fred Schlafly jr. verheiratet, mit dem sie sechs Kinder bekam. Ihrem Mann, dessen Grossvater aus der Schweiz in die USA emigriert war, verdankte sie den deutsch-schweizerisch anmutenden Nachnamen. Einer der Söhne, Andrew Schlafly, ist Gründer des rechten Wikis Conservapedia. Im derzeitigen Wahlkampf stellte sich Schlafly früh hinter Donald Trump. Der republikanische Präsidentschaftskandidat würdigte Schlafly als «konservative Ikone, die die konservative Bewegung neugestaltet hat».

Bis zuletzt politisch engagiert: Phyllis Schlafly an einer Wahlveranstaltung in St. Louis, wo sie sich für Donald Trump starkmachte. Foto: Keystone

Artikel mit Material der Nachrichtenagentur AFP.

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