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Kubaner erhalten Reisepässe

Kleine Revolution oder grosser Schwindel? Kuba hat die Reiseregelungen für seine Bürger gelockert und 200 Passbüros eingerichtet. Für eine der wichtigsten Berufsgruppen dürfte die Reisefreiheit aber nicht gelten.

Erstmals seit Jahrzehnten sollen Kubaner ohne Sondergenehmigung ins Ausland reisen dürfen: Warteschlange vor einem Passbüro in Havanna. (14. Januar 2013)
Erstmals seit Jahrzehnten sollen Kubaner ohne Sondergenehmigung ins Ausland reisen dürfen: Warteschlange vor einem Passbüro in Havanna. (14. Januar 2013)
AFP
Die Regierung hat zudem die maximale Aufenthaltsdauer im Ausland auf 24 Monate ausgeweitet: Eine Kubanerin mit ihrem Pass. (14. Januar 2013)
Die Regierung hat zudem die maximale Aufenthaltsdauer im Ausland auf 24 Monate ausgeweitet: Eine Kubanerin mit ihrem Pass. (14. Januar 2013)
Keystone
Cubans queue outside a Migration Office to request new passports, on January 14, 2013 in Havana. A law allowing Cubans to travel abroad without special exit visas took effect on the communist-ruled island for the first time in half a century. The measure does away with the exit visas that have kept most Cubans from ever traveling abroad.     AFP PHOTO/YAMIL LAGE
Cubans queue outside a Migration Office to request new passports, on January 14, 2013 in Havana. A law allowing Cubans to travel abroad without special exit visas took effect on the communist-ruled island for the first time in half a century. The measure does away with the exit visas that have kept most Cubans from ever traveling abroad. AFP PHOTO/YAMIL LAGE
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Nachdem die rund elf Millionen Kubaner jahrzehntelang praktisch auf ihrer Insel eingesperrt waren, brauchen sie in Zukunft für eine Reise keine sogenannte «Carta blanca», eine Sondergenehmigung zur Ausreise, mehr.

Auch die bislang erforderliche Einladung aus dem Ausland gehört der Vergangenheit an. Dissidenten reagierten ungläubig und abwartend. Sie befürchten, dass für einige Oppositionelle oder bestimmte Berufsgruppen wie Ärzte und Hochschullehrer einige Restriktionen weiter gelten.

Keine Ausreisewelle

Eine Ausreisewelle steht nicht bevor, denn die neue Reisefreiheit stösst auf viele Grenzen. Die Situation in Kuba ist beispielsweise nicht vergleichbar mit der Öffnung der innerdeutschen Grenze im Herbst 1989.

Zum einen hat die Karibikinsel Kuba keine Landgrenze. Zum anderen sind die Kubaner wesentlich ärmer als seinerzeit die DDR-Bürger, so dass sich viele überhaupt keine Reise ins Ausland leisten können.

Darüber hinaus gilt für die meisten Länder – vor allem die westlichen – eine Visumspflicht. Zudem gaben Oppositionelle an, dass sie mindestens zwei Wochen auf einen Reisepass warten müssen.

«Ich kann das noch nicht glauben»

Die bekannte oppositionelle Kuba-Bloggerin Yoani Sánchez beantragte als eine der Ersten einen Reisepass. «Die Beamtin versicherte mir, dass ich, sobald ich den Reisepass habe, auch reisen könne. Ich kann das noch nicht glauben», schrieb die 37-Jährige im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter.

Jetzt müsse sie zwei Wochen warten, bis sie das Dokument in den Händen halte. «Ich rechne, dass ich in der ersten Februar-Woche meinen Pass habe und reisen kann ... ich kreuze die Finger. Wenn ich im Flugzeug sitze, glaube ich es!»

Sánchez wurde bereits 20 Mal die Ausreise verweigert. Sie hatte aber stets betont, dass sie nach einer Ausreise nach Kuba zurückkehren werde.

200 Passbüros eingerichtet

Für die Beantragung der Reisepässe richteten die Behörden landesweit fast 200 Büros ein. In Kuba kursierten bereits Listen mit solchen Ländern, für die Kubaner kein Visum brauchen. Allerdings gilt die Visumspflicht für die allermeisten Zielländern, die den Kubaner auch nicht ohne weiteres eine Einreiseerlaubnis erteilen.

Dennoch könnte die am 16. Oktober 2012 verkündete Neuregelung des Migrationsgesetzes erhebliche Vorteile für die Kubaner bringen. Unter anderem wurde auch die erlaubte Maximal-Dauer von Privatreisen von elf auf 24 Monate ausgeweitet.

Keinen Pass für Hochqualifizierte?

Die Regierung von Präsident Raúl Castro hatte im Oktober 2012, als sie die Lockerungen im Reiseverkehr ankündigte, bereits Einschränkungen signalisiert. Mit Restriktionen müsse gerechnet werden, wenn etwa Gründe des «öffentlichen Interesses» oder der «nationalen Sicherheit» gegen eine Ausreise sprächen.

Kuba will eine massenhafte Abwanderung hochqualifizierter Berufsgruppen verhindern – in der Amtssprache heisst das «von der Revolution geschaffenes Humankapital».

Betroffen dürften vor allem Mediziner sein. Ärzte und Hochschullehrer sind in Kuba schlecht bezahlt. Sie verdienen umgerechnet etwa 25 Euro. Zum Leben braucht man aber etwa 100 Euro.

Etwa 86 Prozent der Exilkubaner leben noch offiziellen kubanischen Angaben in den USA. Davon leben wiederum über zwei Drittel in Florida, wo sie 6,5 Prozent der Gesamtbevölkerung des US-Bundesstaates ausmachen und dort damit die grösste Latino-Gruppe bilden.

SDA/mw

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