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Jobs weg trotz Rekordgewinnen

Die New Yorker Finanzelite bangt um ihre Arbeitsstellen. Mehrere 100'000 Stellen wurden gestrichen. Dies, obwohl die Banken Rekordgewinne verzeichnen.

Undankbare US-Bankenwelt: Ein Börsenhändler schlägt die Hand vors Gesicht (Archiv Reuters)
Undankbare US-Bankenwelt: Ein Börsenhändler schlägt die Hand vors Gesicht (Archiv Reuters)
Reuters

Von Montag bis Freitag an der Wall Street mit Millionen jonglieren und am Wochenende zum Entspannen in die nahen Hamptons fahren – das ist das Klischee von der New Yorker Finanzelite. Doch viele Banker können sich das Häuschen auf dem Lande nicht mehr leisten. Sie haben ihren Job verloren. Dabei schreiben die Finanzkonzerne astronomische Gewinne.

Beispiel JPMorgan Chase: Die führende US-Grossbank scheffelte im ersten Quartal 6,5 Milliarden Dollar. Das war ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum und ein neuer Rekordwert. «Wir sind sehr zufrieden mit unseren Ergebnissen», erklärte Bankchef Jamie Dimon. In der gleichen Zeit strich der Finanzkoloss aber beinahe 3000 seiner 259'000 Jobs. Bis Ende 2014 sollen 17'000 Stellen wegfallen.

Was sich auf den ersten Blick widersinnig anhört, passt durchaus zusammen. Einer der Gründe, weshalb die Grossbanken derart gigantische Gewinne einfahren, sind genau die Stellenstreichungen. Denn Personal ist einer der grössten Kostenblöcke. Und hier sparen nahezu alle namhaften Finanzhäuser massiv. Die Bank of America hatte schon vor längerem angekündigt, 30'000 Leute nicht mehr zu brauchen; bei der Citigroup sind es 11'000.

320'000 Jobs weg

Seit der Finanzkrise stehen die Banken unter Druck. Die Politik hat die Zügel angezogen. Die Geldhäuser müssen mehr Eigenkapital als Puffer für Krisenfälle vorhalten; zudem werden ihnen in absehbarer Zeit Spekulationsgeschäfte auf eigene Rechnung verboten.

Erschwerend kommt hinzu, dass es bei den momentan niedrigen Zinsen schwierig ist, an einem Kredit noch gut zu verdienen. Das bedeutet letztlich: Mehr Kosten und weniger Einnahmen.

Die Banken reagieren mit Sparprogrammen. Insgesamt sind bei US-Finanzfirmen binnen fünf Jahren 320'000 Arbeitsplätze weggefallen, hat der Finanzdienstleister Bloomberg errechnet. Zuletzt hatten vor allem jene Banker schlechte Karten, die sich mit der Pfändung von Häusern säumiger Schuldner befassen – denn derartige Zwangsvollstreckungen gehen zurück, weil sich die amerikanische Wirtschaft erholt.

Neben dem Kostendruck ist es auch der technische Fortschritt, der so manchen Banker arbeitslos macht. An den Börsen handeln heute statt Menschen aus Fleisch und Blut vielfach Computersysteme miteinander.

Zum Jahreswechsel arbeiteten nach Angaben des Bundesstaates New York noch rund 170'000 Menschen an der Wall Street. Das waren 1000 weniger als ein Jahr zuvor und etwa 20'000 weniger als fünf Jahre zuvor, als sich die Finanzkrise zusammenbraute. «Die Wall Street befindet sich noch immer im Umbruch», erklärte Rechnungsprüfer Thomas DiNapoli bei der Vorstellung der Zahlen.

SDA/rub

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