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Ivanka Trumps Rolle wächst – und mit ihr Kritik

Die Tochter des Präsidenten hat ein Büro im West Wing und nimmt an Treffen mit Weltpolitikern teil – eine ungewöhnlich starke Rolle für eine First Daughter.

Trifft sich mit den Mächtigsten: Ivanka Trump sitzt neben Bundeskanzlerin Angela Merkel. (17. März 2017)
Trifft sich mit den Mächtigsten: Ivanka Trump sitzt neben Bundeskanzlerin Angela Merkel. (17. März 2017)
Keystone

Donald Trumps Amtszeit hat zwar gerade erst angefangen. Aber schon jetzt steht fest: In der jüngeren Geschichte hat es keine Präsidententochter mit einer so prominenten Rolle und derart grossem Einfluss auf ihren Vater gegeben wie Ivanka Trump. Sie hat ein Büro im West Wing, trifft mit Weltpolitikern zusammen und hat beispiellosen Zugang zum mächtigsten Mann der Erde.

Aber je mehr sie in den Vordergrund rückt, desto stärker werden auch die Gegenreaktionen. Hat sie mit ihrem erklärten Interesse an der Förderung von Frauen Anhänger gewonnen, stossen sich Kritiker an ihrer Macht sowie ihren politischen Vorstellungen und haben ihre Qualifikation und Ethik in Zweifel gezogen.

«Besorgnisse gehört»

Sie hat zumindest zum Teil darauf reagiert. Nachdem sie wochenlang keine offizielle Rolle im Weissen Haus wollte, lässt sie sich jetzt als Mitarbeiterin einstellen, wenn auch ohne Bezahlung. Ethik-Experten hatten bemängelt, dass die informelle Rolle es ihr erlaubt habe, die Offenlegung ihrer Finanzen und andere Transparenz-Anforderungen zu umgehen. Diesen Kritikern soll der Wind aus den Segeln genommen werden.

In einer Mitteilung, in der sie ihren Schritt bekanntgab, erklärte Trump, sie habe die «Besorgnisse gehört» und arbeite mit dem Weissen Haus zusammen, um «die bisher einmalige Art meiner Rolle» anzusprechen. Ursprünglich hatte sie geplant, in einer lockereren Form im West Wing zu arbeiten und freiwillig Ethik-Vorschriften zu folgen.

Von der Nachrichtenagentur AP nach der Kritik an ihrer Arbeit im Weissen Haus gefragt, räumte Ivanka Trump in einer schriftlichen Antwort ein, dass sie sich «nicht hier in Washington befinden würde, wenn mein Vater nicht zum Präsidenten gewählt worden wäre». Sie betonte aber zugleich, sie wolle «positive und bedeutende Werte einbringen, und Leute werden mit der Zeit beurteilen können, ob ich erfolgreich gewesen bin.»

Einige der lautstärksten Kritiken kommt von Frauen aus dem liberalen Spektrum. Sie meinen, dass Ivanka Trump zu wenig getan habe, um die konservative Agenda des Präsidenten abzumildern. Sie hat sich auf eine Reihe der sonst typisch progressiven Themen wie Erziehungsurlaub oder Kinderbetreuung gestürzt, was manche zur Annahme brachte, dass sie die nationalistischen Ansätze ihres Vaters nicht teile.

Seit er ins Weisse Haus einzog, hielt Ivanka mehrere Veranstaltungen in Sachen Frauen und deren Förderung am Arbeitsplatz ab. Aber sie vermied öffentliche Kommentare zu den von ihrem Vater verfügten Einreiseverboten, zur geplanten Mauer an der Grenze zu Mexiko, zu vorgeschlagenen Haushaltskürzungen oder der Rücknahme von Klimaschutz-Regulierungen.

«Mitschuldig»

«Wer unter den Frauen hoffte, dass (Donald) Trump vielleicht nicht so schlecht ist oder dass sie (Ivanka) seine schlimmsten Impulse drosselt: Das ist nicht geschehen», sagt Buchautorin Jennifer Weiner. Diese Sichtweise spiegelte auch ein Sketch in der Satiresendung «Saturday Night Live» wider. Darin wird Ivanka in einem Werbespot für ein Parfüm namens «Complicit» - übersetzt «mitschuldig» - dargestellt, und eine Stimme spricht vom «Duft einer Frau, die all dies stoppen kann - aber es nicht tut».

Ivankas Fürsprecher argumentieren, dass die First Daughter an unfair hohen Standards gemessen werde. Carrie Lukas vom konservativen Independent Women's Network meint, dass «eine Menge dieser Kritik übersieht, dass sie selber eine Frau mit ziemlich vielen Errungenschaften ist».

Die 35-jährige Mutter von drei Kindern war noch vor Kurzem eine Topmanagerin in der Trump Organization, dem Geschäftsimperium ihres Vaters, und sie betrieb ein eigenes Bekleidungsunternehmen und eine Schmucklinie. Diese Positionen gab sie vor dem Wechsel nach Washington auf, ist aber weiter Firmeninhaberin.

Bildstrecke – die Kushners sind in Washington Nachbarn der Obamas:

Auf eine gute Nachbarschaft: In dieses Haus im schicken Viertel Kalorama in Washington werden die künftige US-Präsidententochter Ivanka und ihr Mann Jared Kushner mit den drei Kindern ziehen.  (5. Januar 2017)
Auf eine gute Nachbarschaft: In dieses Haus im schicken Viertel Kalorama in Washington werden die künftige US-Präsidententochter Ivanka und ihr Mann Jared Kushner mit den drei Kindern ziehen. (5. Januar 2017)
EPA/SHAWN THEW, Keystone
Ivanka Trump und Gatte Jared Kushner, hier an der Vanity Fair Tribeca Film Festival Party, sind seit sieben Jahren verheiratet.  US-Medien gehen davon aus, dass Kushner seinem Schwiegervater im Weissen Haus als Berater zur Seite stehen wird. (17. April 2012)
Ivanka Trump und Gatte Jared Kushner, hier an der Vanity Fair Tribeca Film Festival Party, sind seit sieben Jahren verheiratet. US-Medien gehen davon aus, dass Kushner seinem Schwiegervater im Weissen Haus als Berater zur Seite stehen wird. (17. April 2012)
EPA/SHAWN THEW, Keystone
... und zwar um das Oberhaupt. Donald Trump konnte bei seinem Besuch bei Barack Obama im November sich schon ein bisschen an die Atmosphäre gewöhnen. (10. November 2016)
... und zwar um das Oberhaupt. Donald Trump konnte bei seinem Besuch bei Barack Obama im November sich schon ein bisschen an die Atmosphäre gewöhnen. (10. November 2016)
AP Photo/Pablo Martinez Monsivais, Keystone
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Ihr Einfluss im Weissen Haus hat sich rasch verfestigt. Neben Ehemann Jared Kushner, einem Topberater des Präsidenten, ist sie so etwas wie eine feste Einrichtung in der Regierungszentrale geworden. Mehrere Male war sie Gastgeberin von Veranstaltungen, zu denen in der Vergangenheit die jeweiligen First Ladys eingeladen hatten: So hiess sie kürzlich Entrepreneurinnen im Weissen Haus willkommen und sprach mit Mädchen über Programme für mathematische, wissenschaftliche oder technische Ausbildungen.

«Ruhig und selbstbewusst»

Aber sie nahm auch an Treffen mit politischen Führungspersonen aus dem Ausland teil, so unlängst an einer Sitzung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel im Weissen Haus. Begrüssen manche Ivankas Versprechen, sich für Familien einzusetzen, sind andere skeptisch. So hat sie begrenzte politische Erfahrung. Kritiker weisen zudem darauf hin, dass sie sich zum jüngsten republikanischen Gesetzentwurf ausschwieg, der «Obamacare» durch eine neue Gesundheitsreform ersetzen sollte. Wäre die Vorlage durchgekommen, hätte das unter anderem verringerten Zugang zur medizinischen Betreuung von Schwangeren bedeuten können. Als das Gesetz in der vergangenen Woche scheiterte, war Ivanka mit ihrer Familie auf Skiurlaub in Aspen.

Ivanka Trump sei wie viele andere eine Frau, die Mutter sei und arbeite, sagt Juliet Williams, Professorin für geschlechtliche Studien an der University of California in Los Angeles. Das allein sei nicht das nötige Kaliber von Qualifikationen, um sie an die Spitze von Regierungsbemühungen um bessere Bedingungen für arbeitende Frauen zu stellen.

Aber andere, die Ivanka Trump persönlich im Weissen Haus erlebt haben, sind beeindruckt. So Dyan Gibbens, Eigentümer von Trumball Unmanned, einer Dienstleistungsfirma für die Energieindustrie. «Sie ist ruhig, sie ist selbstbewusst, sie kann sich gut ausdrücken, sie ist gut ausgebildet (...)», sagt er nach zwei Treffen. «Gebt ihr eine Chance.»

dapd/woz

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