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In Kanada kommt es zum Machtwechsel

Bei den Wahlen in Kanada feiern die Liberalen um Justin Trudeau einen Erdrutschsieg. Der amtierende Premier Stephen Harper muss gehen.

Der Spitzenkandidat der Liberalen schwingt oben aus: Justin Trudeau. (18. Oktober 2015)
Der Spitzenkandidat der Liberalen schwingt oben aus: Justin Trudeau. (18. Oktober 2015)
Paul Chiasson, Keystone
Seine Ära geht zu Ende: Premierminister Stephen Harper. (19. Oktober 2015)
Seine Ära geht zu Ende: Premierminister Stephen Harper. (19. Oktober 2015)
Darryl Dyck, Keystone
26,4 Millionen Kanadier waren wahlberechtigt. (19. Oktober 2015)
26,4 Millionen Kanadier waren wahlberechtigt. (19. Oktober 2015)
Patrick Doyle, Keystone
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Kanadas Premierminister Stephen Harper hat seine Niederlage bei den Parlamentswahlen eingestanden und ist als Vorsitzender der Konservativen Partei zurückgetreten. «Das Ergebnis ist sicher nicht das, was wir uns erhofft hatten», sagte Harper.

«Aber das Volk hat immer Recht. Wir haben alles auf den Tisch gelegt, wir haben alles gegeben, und wir bereuen nichts», sagte er in der Nacht zum Dienstag vor Anhängern in der zentralkanadischen Öl-Metropole Calgary. Dem Wahlsieger Justin Trudeau von der Liberalen Partei gratulierte Harper zum erfolgreichen Wahlkampf.

Über den Präsidenten der Konservativen Partei liess Harper ausrichten, dass er sein Amt als Vorsitzender der Konservativen Partei niederlegen werde. «Die Enttäuschung, die viele von euch fühlen, ist meine Verantwortung», sagte Harper. Parlamentsabgeordneter will der 56-Jährige aber weiter bleiben. Seine fast zehnjährige Amtszeit als Premierminister sei eine «unglaubliche Ehre» und eine «grossartige Erfahrung» gewesen.

Mit einem Erdrutschsieg für die Liberalen haben die Kanadier ihren konservativen Premierminister Stephen Harper nach fast zehn Jahren im Amt abgewählt. Die Liberalen mit ihrem Spitzenkandidaten Justin Trudeau gewannen bei der Parlamentswahl am Montag klar.

Ersten Prognosen zufolge kommen sie auf mehr als 170 Sitze und können damit eine Mehrheitsregierung stellen. Trudeau wird damit Premierminister – wie es bereits sein Vater Pierre Trudeau mit einer Unterbrechung zwischen 1968 und 1984 war.

Debakel für Konservative

Harper, der Kanada seit 2006 regierte und seitdem zweimal wiedergewählt worden war, musste dagegen grosse Verluste einstecken und ein Debakel erleben. Er hatte den Urnengang Anfang August ausgerufen. Mit elf Wochen war der Wahlkampf damit so lang wie seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr.

In Umfragen lagen die drei wichtigsten der insgesamt 23 Parteien – die Konservativen, die Liberalen und die Neuen Demokraten – bis vor wenigen Wochen noch Kopf-an-Kopf, bevor sich Trudeau in Führung setzte.

Seine Liberalen haben wie die Neuen Demokraten eine Abkehr von Harpers Sparpolitik angekündigt. Beide Parteien wollen zudem die Angriffe der kanadischen Luftwaffe auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien einstellen.

Fiasko für Sozialdemokraten

Auch für die sozialdemokratische Neue Demokratische Partei (NDP) war die Wahl ein Fiasko. Sie landete in der Gunst der Wähler abgeschlagen auf dem dritten Rang. Spitzenkandidat Thomas Mulcair gewann ersten Prognosen zufolge noch nicht einmal seinen eigenen Wahlkreis.

Unklar blieb allerdings, ob die zwei linksgerichteten Parteien eine Koalition eingehen würden. Nach dem kanadischen Wahlsystem kann sich eine Partei auch mit weniger als 40 Prozent der Stimmen der 26,4 Millionen Wahlberechtigten eine Mehrheit im Parlament sichern. Eine Minderheitsregierung könnte politische Instabilität mit sich bringen: Derartige Regierungen halten in Kanada selten länger als 18 Monate.

«Zeit, dass Harper wegkommt»

Wahlverlierer Harper war im Wahlkampf vor allem wegen der schwächelnden Wirtschaft und seiner harten Haltung in der Flüchtlingskrise unter Druck geraten. «Es ist dringend Zeit, dass Harper wegkommt», sagte eine Flugbegleiterin vor der Wahl. «Er hat Kanada einfach nicht gut regiert und schien auch nicht sympathisch.»

Andere Kanadier – gerade in traditionell konservativen Provinzen wie Alberta – sahen Harper dagegen jedoch weiter als Garant für Jobs und Aufschwung und warfen dem 43 Jahre alten Trudeau mangelnde Erfahrung vor.

Insgesamt waren rund 25 Millionen Kanadier in dem flächenmässig zweitgrössten Land der Welt aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Die Wahlbeteiligung war ersten Erhebungen zufolge relativ hoch.

SDA/chk

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