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«Ich habe dem FBI gesagt: ‹Behaltet ihn im Auge›»

Der Vater des mutmasslichen Bombenlegers von New York habe nie auf eine islamistische Radikalisierung seines Sohnes hingewiesen, meinen die Ermittler. Er dementiert das.

Von Reportern belagert: Der Vater des mutmasslichen Bombenlegers von New York vor seinem Wagen in Elizabeth, New Jersey. (20. September 2016)
Von Reportern belagert: Der Vater des mutmasslichen Bombenlegers von New York vor seinem Wagen in Elizabeth, New Jersey. (20. September 2016)
Tariq Zehawi/Northjersey.com via AP, Keystone
Bombenexperten untersuchen den Tatort in Elizabeth, New Jersey. (19. September 2016)
Bombenexperten untersuchen den Tatort in Elizabeth, New Jersey. (19. September 2016)
Jessica Remo, Keystone
«Verdächtiges Paket»: Die Anwohner wurden am frühen Sonntagmorgen per Mobile-Benachrichtigung aufgefordert, den Fenstern ihrer Wohnungen fernzubleiben.
«Verdächtiges Paket»: Die Anwohner wurden am frühen Sonntagmorgen per Mobile-Benachrichtigung aufgefordert, den Fenstern ihrer Wohnungen fernzubleiben.
Maria Sanminiatelli/AP
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Der Vater des mutmasslichen Bombenlegers von New York und New Jersey widerspricht in mehreren Interviews mit der «New York Times» der Darlegung mehrerer Ermittler, wonach er der US-Bundespolizei FBI nur spärliche Informationen über die jihadistischen Neigungen seines Sohns gegeben haben soll. Gemäss dem FBI wies der Vater zwar im August 2014 auf die Radikalisierungstendenz seines 28-jährigen Sohnes hin. Der Vater soll aber später gemäss mehreren Ermittlern präzisiert haben, dass er damit nicht Terrorismus meine, sondern schlicht, dass sein Sohn sich mit «schlechten Leuten» abgebe – Gangster und Kriminelle, nicht Terroristen.

«Das ist eine Lüge», sagt nun der Vater dazu. Er habe die Behörde explizit auf al-Qaida und die Taliban hingewiesen. So habe er bei den Interviews beim FBI gesagt: «Wie [mein Sohn] spricht, seine Videos, wenn ich sehe, was er sich für Sachen anhört, zum Beispiel von al-Qaida und der Taliban, er schaut ihre Videos, ihre Poesie.»

«Ich sagte: ‹Ich weiss es nicht›»

Der Kontakt des Vaters mit der Bundesbehörde begann im August 2014, nachdem sein Sohn bei einem Streit seinen Bruder mit einem Messer angegriffen hatte. Ermittler, die mit dem Fall betraut sind, sagten der «New York Times», der Vater habe den Sohn schon damals einen «Terroristen» genannt. Deswegen sei auch überhaupt das FBI eingeschaltet worden.

Der Vater sagt, er habe seine Bedenken den Agenten mit dem spezifischen Hinweis geäussert, dass islamistischer Extremismus seinen Sohn zunehmend fasziniere. Aus dieser Unterhaltung stammt gemäss dem Vater auch der oben zitierte explizite Hinweis auf al-Qaida und die Taliban. Zudem habe der Vater der Behörde mitgeteilt, er habe gesehen, wie sein Sohn Youtube-Videos von Explosionen geschaut habe – wobei er nicht wisse, was für Videos das gewesen seien.

«Ich habe dem FBI gesagt: ‹Behaltet ihn im Auge›», zitiert die «New York Times» den Vater. «Sie fragten, ob er ein Terrorist sei. Ich sagte: ‹Ich weiss es nicht. Ich kann Ihnen nicht 100-prozentig garantieren, dass er ein Terrorist ist. Ich weiss nicht, zu welchen Gruppen er gehört. Ich kann es nicht sagen.›»

«Zu keinem Zeitpunkt sagte er irgendetwas zu al-Qaida»

Das widerspricht der Version des FBI diametral. Ermittler der Bundespolizei sagten der «New York Times», bei ebendieser Unterhaltung habe der Vater gesagt, er habe mit «Terrorist» schlicht «Gangster» oder «Krimineller» gemeint, weil er sich mit «schlechten Leuten» abgegeben habe. Ein anonymer Ermittler wiederholte das gegenüber der Zeitung explizit: «Zu keinem Zeitpunkt sagte der Vater irgendetwas über Verbindungen zu al-Qaida, der Taliban oder deren Propaganda.»

Beide Versionen der Geschichte stimmen dahingehend überein, dass die Bundespolizei daraufhin Daten verschiedener Behörden abglich und mehrere Gespräche führte, ohne dass sich jedoch «Verbindungen zum Terrorismus» gezeigt hätten.

Die Bundespolizei interviewte den Sohn nicht. Sie rechtfertigt das mit dem Hinweis, dass der Sohn während der Untersuchung wegen des Vorfalls während des Familienstreits im Gefängnis sass. Das heisst, die Agenten hätten ein Interview über den Anwalt des Sohns beantragen müssen.

«Sie haben ihre Arbeit nicht gemacht»

«Das FBI kam zurück und sagte, er sei clean», so der Vater zur Zeitung. «Sie haben nichts gefunden. Aber sie haben ihn auch nicht interviewt. Ich hatte immer noch meine Zweifel. Ich war mir nie 100-prozentig sicher.»

Für Vater Mohammad steht fest: «Sie haben ihre Arbeit nicht gemacht.» Er habe seine Pflicht erfüllt und seinen Sohn der Behörde gemeldet. «Er ist auch kein Kind mehr, sondern 28 Jahre alt.»

31 Menschen verletzt

Bei dem Bombenanschlag im New Yorker Ausgehviertel Chelsea waren am Samstag 31 Menschen verletzt worden. Wenige Stunden zuvor war in Seaside Park im benachbarten New Jersey eine Rohrbombe explodiert, ohne dass jemand verletzt wurde. In beiden Fällen ist der Sohn, A. R., ein aus Afghanistan stammender US-Bürger, der Tatverdächtige.

AFP/mch

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