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Gravierende Sicherheitsmängel bei weiteren Bohrinseln

Ein interner Bericht der Ölbohrfirma Transocean zeigt: Im Golf von Mexiko wurde die Sicherheit weiterer Plattformen vernachlässigt. Besonders brisant: Eine wird noch immer von BP betrieben.

Eine der untersuchten Plattformen: Die Bohrinsel Development Driller II ist immer noch in Betrieb.
Eine der untersuchten Plattformen: Die Bohrinsel Development Driller II ist immer noch in Betrieb.
Keystone

Das Ölbohrunternehmen Transocean kommt nicht aus den Schlagzeilen heraus. Die Bohrinsel Deepwater Horizon, die im April im Golf von Mexiko sank und eine Ölverschmutzung ungeahnten Ausmasses verursachte, ist offenbar nicht die einzige mit gravierenden Sicherheitsmängeln.

Dies geht aus einem internen Untersuchungsbericht hervor, welcher der «New York Times» vorliegt. Transocean hatte die Untersuchung noch vor dem Unglück in Auftrag gegeben – als Reaktion auf eine Reihe früherer Unfälle auf diversen Bohrinseln. Im Fokus standen vier Plattformen im Golf von Mexiko, unter anderem auch die Deepwater Horizon. Weltweit betreibt das Unternehmen 139 Ölbohrplattformen, 14 davon im Golf von Mexiko.

Angestellte sind eingeschüchtert

Der Bericht beruht auf einer Befragung von Ölarbeitern. 43 Prozent von ihnen gaben an, sie fürchteten sich davor, ihrer Firma Sicherheitsmängel zu melden – aus Angst vor Repressalien. Das Unternehmen würde den Unterhalt systematisch vernachlässigen, um Geld zu sparen, gaben sie zu Protokoll. «Die Anlage bringt täglich 550'000 Dollar ein», sagte ein Arbeiter. «Sie wird nur für eine grössere Revision in die Werft gebracht, wenn es nicht mehr anders geht.»

Experten, welche die vier Plattformen besuchten, stellten zudem fest, dass Angestellte sehr schnell befördert würden, obwohl sie nicht über genügend Arbeitserfahrung verfügten. Dadurch würden sie sich in der falschen Sicherheit wiegen, sie hätten die Risiken im Griff.

Im US-Senat haben die Dokumente grossen Wirbel ausgelöst. «Sie zeigen, dass die Öl- und Gasindustrie das Problem immer noch nicht erkannt hat», sagt der demokratische Senator Patty Murray. «Sie müssen ihre Arbeitskultur ändern – aber wir können nicht darauf zählen, dass sie dies von alleine tun.»

Transocean relativiert

Lou Colasuonno, Sprecher von Transocean, stellt dies in Abrede. Das Unternehmen bemühe sich um die Sicherheit der Ölplattformen und vernachlässige deren Unterhalt nicht. Unabhängige Experten würden regelmässig Untersuchungen durchführen. «Wer den ganzen Bericht liest, sieht ausserdem klar, dass die Studie zu einem positiven Schluss kommt», sagt er. «Sie listet nämlich nicht nur Schwächen, sondern auch Stärken auf.»

Zumindest eine der im Bericht kritisierten Plattformen, die Development Driller II, ist laut «New York Times» noch immer in Betrieb. BP, die Betreiberin der gesunkenen Bohrinsel Deepwater Horizon, hat sie geleast. Wo die beiden anderen Plattformen im Einsatz sind, ist laut «New York Times» unklar.

Weniger Umsatz und Gewinn

Transocean gehören 14 Plattformen im Golf von Mexiko. Insgesamt gehören der Firma 139 Bohrinseln, was sie zum grössten Ölbohrunternehmen auf der Welt macht. Das Geschäft ist aber mittlerweile eingebrochen, wie die heute publizierten Quartalszahlen zeigen. Im zweiten Quartal sank der Umsatz gegenüber dem Vorjahr von 2,88 auf 2,51 Milliarden Dollar. Der Gewinn des Unternehmens, das seinen Steuersitz im Kanton Zug hat, betrug noch 715 Millionen Dollar statt 806 Millionen Dollar wie im Vorjahr.

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