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Fidel wettert gegen die Reichen dieser Welt

Hurrikan Ike hat die ganze Insel lahmgelegt. Regierung und Medien sprechen von «Krieg» und kritisieren, wie die reiche Welt reagiert.

Gustav, Hanna, Ike - und vielleicht bald Josephine. Ein Hurrikan nach dem anderen sucht Kuba heim. Gustav hat zwei Provinzen in Katastrophengebiete verwandelt, Hanna im Westen mehrere Küstendörfer überschwemmt und Ike nun seit Montag die ganze Insel lahmgelegt. Erstmals überhaupt musste die Regierung in allen 15 Provinzen des Landes Alarm auslösen. Schulen, Behördenbüros, Läden, alles ist geschlossen und verbarrikadiert. Die 1200 Kilometer lange Insel befindet sich im Ausnahmezustand, Strom und Gas sind praktisch im ganzen Land abgestellt, Militär und Zivilschutz rund um die Uhr im Einsatz. Seit Sonntag sind eine Million Menschen (bei elf Millionen Einwohnern) evakuiert worden. Im Westen des Landes hat Ike grosse Schäden angerichtet, sich dann leicht abgeschwächt und Kurs auf Havanna und die bereits von Gustav zerstörten Provinzen Pinar del Rio und Isla de la Juventud genommen. Dank Kubas beispielhaftem Frühwarnsystem ist es bisher gemäss Medienberichten lediglich zu vier Todesopfern gekommen.

Kriegsgeneral im Krankenbett

Die Schäden sind aber unermesslich. Zehntausende haben ihr Dach über dem Kopf oder ihr Haus komplett verloren, Tausende Tonnen Ernten sind kaputt. Kubas Wirtschaft wird um Jahre zurückgeworfen. Ein Ende des Elends ist nicht in Sicht, über dem Atlantik wirbeln weitere Stürme Richtung Karibik.

Die kubanische Regierung spricht vom «Krieg gegen die Naturgewalten». Fidel Castro veröffentlicht dazu alle drei Tage in den Staatsmedien eine seiner «Reflexionen». Er ist der Wortführer in diesen stürmischen Zeiten, der Kriegsgeneral im Krankenbett. In den zerstörten Dörfern lesen Militärs und Kader der Kommunistischen Partei vor den versammelten Opfern laut Fidels Texte und Durchhalteparolen vor. Raúl ist unsichtbar, die Medien schreiben von Botschaften «des Mutes» und «der Zuneigung», die er den Betroffenen übermittelt habe.

Sein grosser Bruder hingegen bedient sich grosser Worte: Gustav hat er als «Nuklearschlag» bezeichnet, die betroffenen Gebiete mit Hiroshima und Nagasaki verglichen. Und im Chor mit Kommentatoren der staatlichen Medien schimpft und wettert er gegen die Reichen dieser Welt und wie sie Kuba in diesen schweren Tagen behandeln. Katastrophal! Zwei Millionen Euro von der EU, eineinhalb Millionen vom Roten Kreuz: Nichts als beschämende Almosen, kommentierte die Zeitung «Rebellische Jugend» die milden Gaben. Nach Hurrikan Gustav hat Fidel kalkuliert, dass allein für den Wiederaufbau der zerstörten Wohnräume zehn Milliarden Dollar nötig sind.

Die USA haben Hilfe angeboten, wollen aber zuerst eine Inspektionsgruppe auf die Insel schicken, um die Bedürfnisse abzuschätzen. Kubas Antwort: Danke für die Hilfe, aber solche Inspektoren brauchen wir nicht, davon haben wir selber genug. Statt an Bedingungen geknüpfte Nothilfe sollten die USA endlich die seit Jahrzehnten «kriminelle Blockade» aufheben.

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