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«Es werden noch viel mehr Menschen sterben»

Eine Vice-Reporterin mischte sich unter die Rechtsextremisten in Charlottesville. Entstanden ist ein erschütterndes Dokument über Hass und Gewalt.

«Unsere Gegner wollen Gewalt»: Christopher Cantwell, US-Rechtsextremist und Sprecher von «Unite the Right». (Screenshot: ViceNews/HBO)
«Unsere Gegner wollen Gewalt»: Christopher Cantwell, US-Rechtsextremist und Sprecher von «Unite the Right». (Screenshot: ViceNews/HBO)

In der Welt von Christopher Cantwell ist Gewalt ein legitimes Mittel, wenn es darum geht, «sein Land zurückzuerobern». Und «mehr als gerechtfertigt» ist seiner Ansicht nach das Verhalten des rechtsradikalen Rasers, der bei den Demonstrationen in Charlottesville in eine Menschenmenge gefahren war. Rechtsextremist Cantwell stellt den Terrorakt als Notwehr dar, obwohl Videoaufnahmen seine Behauptung klar widerlegen.

Cantwell steht immer wieder im Fokus eines Dokumentarfilms von Vice News, der in den sozialen Medien auf riesige Aufmerksamkeit gestossen ist. Das 22-minütige Video «Charlottesville: Race and Terror» dokumentiert die Geschehnisse von Freitag- bis Sonntagabend. Es liefert Einblicke in das Denken der weissen Rassisten, und es illustriert den tiefen Hass und die grosse Gewaltbereitschaft der Rechtsextremisten. Als wäre es das Normalste der Welt, zeigt Cantwell im Dokfilm, dass er schwerbewaffnet nach Charlottesville gereist war. Drei Handfeuerwaffen und ein Messer trägt er unter den Kleidern am Körper. Zudem hat er zwei Sturmgewehre bei sich.

Positive Bilanz zu Charlottesville

Cantwell ist Sprecher der Organisation «Unite the Right», die die Zusammenkunft von Neonazis, Rassisten und Rechtsextremisten in Charlottesville geplant hatte. Im Gespräch mit Vice-Reporterin Elle Reeve äussert Cantwell Zufriedenheit darüber, «dass keiner unserer Leute ums Leben gekommen ist». Positiv sei auch gewesen, «dass keiner unserer Leute jemanden ungerechtfertigt getötet hat.» Zur Raserattacke des 20-jährigen Nazis, der nicht nur eine Frau tötete, sondern auch 19 Personen verletzte, hat Cantwell nur einen zynischen Kommentar übrig. «Es wurden Leute verletzt, weil unsere Rivalen dumme Tiere sind, die nicht aus dem Weg gehen konnten.» Diese Leute wollten Gewalt, sagt Cantwell. «Wir Ultrarechten befriedigen nur die Nachfrage.» Und er ist sich sicher, dass «noch viel mehr Menschen sterben werden».

«Charlottesville: Race and Terror» dokumentiert die Gewaltexzesse an der «Unite the Right»-Kundgebung. Video: Youtube/ViceNews/HBO

Im Dokumentarfilm von Vice News kommen auch andere Extremisten zu Wort. Etwa der Neonazi Robert «Azzmador» Ray, der die inzwischen blockierte Website «Daily Stormer» betreibt. Die Regierenden von Charlottesville beschimpft Ray als «jüdische Kommunisten und kriminelle Neger». Und David Duke, ein früherer Chef des Ku-Klux-Klans, beklagt «die ethnische Säuberung Amerikas und die Zerstörung des amerikanischen Way of Life».

Erschütternd sind auch manche Bilder der Geschehnisse von Charlottesville. Zum Beispiel die Aufnahmen der Gruppe von jungen weissen Männern, die nach Anbruch der Dunkelheit mit Fackeln und Fahnen zur Universität marschieren. Dabei skandieren sie übelste Parolen: «Juden werden uns nicht ersetzen», «Blut und Boden», «Wessen Strassen? Unsere Strassen!» oder auch «Weisse Leben zählen». Auf dem Campus der Universität von Charlottesville stossen die Neonazis und Rechtsextremisten auf Gegendemonstranten. Und es beginnt die Orgie der Gewalt von Charlottesville.

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