Zum Hauptinhalt springen

Erstes von drei Lecks gestopft

Im Kampf gegen die Ölpest verbuchen die Ingenieure von BP einen ersten Erfolg. Nun hoffen sie, die grossen Löcher mit einer 98 Tonnen schweren und fast 15 Meter hohe Stahlglocke abzudecken.

Die ganz grosse Stahlkappe für das offene Bohrloch: Arbeiter in Port Fourchon (Louisiana) schweissen an der Lösung für das Leck im Golf von Mexiko.
Die ganz grosse Stahlkappe für das offene Bohrloch: Arbeiter in Port Fourchon (Louisiana) schweissen an der Lösung für das Leck im Golf von Mexiko.
Keystone

Mit dem Abdichten eines der Lecks verringert sich zwar noch nicht die Menge des auslaufenden Rohöls - täglich 795'000 Liter, wie David Mosley von der US-Küstenwacht mitteilte. BP hofft aber, so die Voraussetzungen zu schaffen, die Ölquelle mit einer Kuppel zu überdecken. Die bisherigen Versuche, den Ölteppich an der Meeresoberfläche mit Schwimmbarrieren einzudämmen, wurden unterdessen von einer Wetterberuhigung unterstützt. Wind und hoher Wellengang liessen am Dienstag nach, so dass mehr Ölsperren ausgelegt werden konnten. Die Leiter des Bergungseinsatzes erwägen daher auch wieder, das an der Wasseroberfläche treibende Öl abzufackeln.

Nach ersten positiven Ergebnissen werden auch Tests vorangetrieben, um das ausgelaufene Öl mit Chemikalien zu bekämpfen. Die Lösung von mehreren Chemikalien wird am Meeresboden in die Ölquelle gedrückt, um einen Zersetzungsprozess auszulösen. So soll verhindert werden, dass das Öl die Küsten verschmutzt und zahllose Tiere tötet.

Während die US-Küstenwacht von vielversprechenden Tests sprach, warnte die Meeresschutzbehörde NOAA, dass es bislang kaum Erfahrungen mit der eingesetzten Lösung gebe. «Die Analysen werden fortgesetzt, aber zurzeit gibt es noch keine einhellige Meinung», sagte der wissenschaftliche Koordinator der NOAA, Charlie Henry. Die Lösung wird mit Geschirrspülmittel verglichen. Die genaue Zusammensetzung wird jedoch als Betriebsgeheimnis des Herstellers Nalco betrachtet und ist daher nicht bekannt. Am Wochenende wurden am Ort des Bohrinselunglücks zunächst 11'360 Liter eingesetzt, pro Minute wurden 34 Liter in die Ölquelle gedrückt.

Die Stahlglockenlösung

Die Hoffnungen der Einsatzkräfte ruhen noch auf einer anderen Lösung. Auf einer riesigen Stahlkuppel. Die 98 Tonnen schwere und fast 15 Meter hohe Stahlglocke soll in den kommenden Tagen von einem Schiff aus in die Tiefe des Meeres herabgelassen und über das grösste Leck am Bohrloch der gesunkenen Förderplattform Deepwater Horizon gestülpt werden. Sollten die Pläne der Ingenieure funktionieren, würde sie wie ein Trichter wirken: Das auslaufende Öl würde sich unter der Glocke sammeln und könnte über einen Schlauch am oberen Ende der Glocke in Tankschiffe abgepumpt werden.

Ingenieure des Ölkonzerns BP haben die Glocke in den vergangenen Tagen zusammengeschweisst, noch am Mittwoch sollte sie auf ein Schiff verladen werden. Einsatzbereit an Ort und Stelle dürfte sie nicht vor dem Wochenende sein. Das Problem für die Experten besteht vor allem darin, den Stahlkoloss in mehr als 1500 Meter Meerestiefe passgenau über das Leck zu stülpen. Bei früheren Ölkatastrophen hatte diese Technik funktioniert - allerdings immer nur in flachem Wasser, niemals in so grosser Tiefe. BP räumt selbst ein, dass die Aktion scheitern könnte.

ap/afp/cpm

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch