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Erdrutschsieg für Fernández de Kirchner

Die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner ist für eine zweite Amtszeit wiedergewählt worden – der boomenden Wirtschaft sei dank.

Mehr ausgeben statt sparen: Cristina Fernández de Kirchner mit Vizepräsidentschaftskandidat Amado Boudou (hinten rechts) bei einer Wahlveranstaltung in Buenos Aires. (19. Oktober 2011)
Mehr ausgeben statt sparen: Cristina Fernández de Kirchner mit Vizepräsidentschaftskandidat Amado Boudou (hinten rechts) bei einer Wahlveranstaltung in Buenos Aires. (19. Oktober 2011)
Reuters

Argentinien boomt. Nicht zuletzt deswegen ist Cristina Fernández de Kirchner am Sonntag bei den Präsidentschaftswahlen für eine weitere Amtszeit bestätigt worden. Das Ergebnis zeugt von einer enormen Zufriedenheit der Argentinier mit ihrer politischen Führung. Ihren stärksten Herausforderer liess die Präsidentin um mehr als 35 Prozentpunkte hinter sich. Die Wähler gaben ihr damit einen selten eindeutigen Auftrag, den Kurs fortzusetzen, den sie gemeinsam mit ihrem verstorbenen Vorgänger und Ehemann Néstor Kirchner 2003 einschlug.

«Ihr könnt darauf zählen, dass ich das nationale Projekt für die 40 Millionen Argentinier auch weiter verfolgen und vertiefen werde», sagte die Wahlsiegerin am Sonntagabend vor tausenden Anhängern in der Innenstadt von Buenos Aires. Mit dem Projekt war der radikale Wandel gemeint, den die Gesellschaft des Landes in den vergangenen Jahren vollzogen hat: Neue Jobs, steigende Löhne und eine Wiederbelebung der nationalen Industrie haben nicht nur einen erstaunlichen Wirtschaftsboom bewirkt.

BIP in neun Jahren um 94 Prozent gestiegen

Während in vielen Ländern der Welt die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden, ist es in Argentinien genau umgekehrt. Seit dem Einzug Kirchners in den Präsidentenpalast vor acht Jahren ist der Unterschied hier um die Hälfte geringer geworden. Zugleich ist das Bruttoinlandsprodukt von 2002 bis 2011 nach Zahlen des Internationalen Währungsfonds (IWF) um 94 Prozent gestiegen. Das Wachstum ist damit das stärkste in der westlichen Hemisphäre und stellt selbst das brasilianische Wirtschaftswunder in den Schatten.

Nach Auszählung der Stimmen aus 97 Prozent der Wahllokale kommt Fernández auf ein Ergebnis von fast 54 Prozent. «Es ist die geradezu altmodische Botschaft der Demokratie: Wenn du lieferst, was du versprichst, dann wählen die Bürger dich wieder», sagt Mark Weisbrot vom Zentrum für Wirtschafts- und Politikforschung in Washington.

Siegerin würdigt verstorbenen Vorgänger und Ehemann

Während die Wiedergewählte sich am Abend auf dem Plaza de Mayo in der Hauptstadt feiern liess, erinnerte sie zugleich an ihren vor fast genau einem Jahr verstorbenen Ehemann. «Es ist eine eigenartige Nacht für mich», sagte Fernández. «Ohne ihn, ohne seinen Mut und seine Tapferkeit, wäre es unmöglich gewesen, all das zu erreichen.»

In ihrer Siegesrede versprach sie, Argentinien gegen Einflüsse von aussen zu verteidigen. In ihrer Innenpolitik werde sie sich von keinen Sonderinteressen, sondern einzig von ihrer Lieben zu ihrem Vaterland leiten lassen, sagte die Präsidentin. In einer zweiten Rede in Buenos Aires forderte sie in der Wahlnacht die Jugend des Landes auf, sich in sozialen Projekten zu engagieren.

Die Wahl am Sonntag war auch für die Peronistische Partei der Präsidentin ein Erfolg. In regionalen Abstimmungen wurden für den Kongress mehr als die Hälfte der Sitze in der Abgeordnetenkammer und etwa ein Drittel der Sitze im Senat neu verteilt. Auch hier konnten die Peronisten ersten Ergebnissen zufolge deutlich zulegen.

Sicher durch die Krise

Inmitten der globalen Finanzkrise hat Fernández gemeinsam mit ihrem Wirtschaftsminister Amadou Boudou das Land nicht nur schützen, sondern gar stärken können. Auch in Argentinien gibt es Probleme: Die Zentralbank steht unter Druck, Rücklagen anzuzapfen, um die Landeswährung Peso gegen einen Wertverfall gegenüber dem Dollar zu schützen. Die Opposition wirft Fernández vor, nicht genug zur Eindämmung der Inflation getan zu haben. Ausserdem habe sie wirtschaftliche Daten beschönigt und ihre Macht missbraucht, um Kritik zu unterdrücken, hiess es vor der Wahl.

Die Mehrzahl der Wähler hat sich von der Kritik aber offenbar nicht überzeugen lassen. Wenn Fernández am 10. Dezember erneut vereidigt wird, tritt erstmals seit 1928 eine Regierungskoalition in Argentinien eine dritte Amtszeit an. Und Fernández ist die erste weibliche Staatschefin Lateinamerikas, die im Amt bestätigt wird.

dapd/kpn, rub

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