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Erbitterter Kampf um Homo-Ehe

Im November wählen die Amerikaner nicht nur den Präsidenten. In Kalifornien entscheiden sie auch, ob Schwule und Lesben weiterhin heiraten dürfen.

47 Prozent der Kalifornier sind dafür, dass gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen, 47 Prozent dagegen. Dies zeigt die neuste Umfrage des Public Policy Instituts. Dennoch können Schwule und Lesben hoffen: Die Umfrage hat auch ergeben, dass nur 40 Prozent die Initiative unterstützen, die in der Verfassung des Bundesstaats festschreiben will, dass eine Ehe nur zwischen Mann und Frau möglich ist. 54 Prozent sind dagegen.

Die Abstimmung im grössten Teilstaat der USA wird von Befürwortern und Gegnern der Homo-Ehe im ganzen Land mit Argusaugen verfolgt. Das Ergebnis, egal wie es am Ende herauskommt, wird vom Sieger als Meilenstein gefeiert werden - und ein starkes Signal an den Rest der Nation senden. Die Homo-Ehe steht gemeinsam mit der Abtreibung seit Jahren im Zentrum eines erbitterten Kulturkampfs zwischen Konservativen und Liberalen. Diese Themen prägen deshalb auch die Präsidentschaftswahlen, die gleichzeitig stattfinden (Obama ist gegen die Initiative, McCain unterstützt sie).

Ansturm auf die Standesämter

Frisch entfacht wurde die hitzige Debatte im Frühling, als das Oberste Gericht Kaliforniens entschieden hat, die Ehe auch für Schwule und Lesben zu öffnen, als zweiter Bundesstaat nach Massachusetts. Die neue Regelung ist seit Mitte Juni in Kraft und hat zu einem gewaltigen Ansturm auf die Standesämter Kaliforniens geführt, die auch Paare aus anderen Bundesstaaten verheiraten dürfen. Laut dem Bevölkerungsamt leben allein in Kalifornien rund 100'000 homosexuelle Paare, ein Viertel mit Kindern.

Die Gegner der Homo-Ehe, meist von der religiösen Rechten, mussten 700'000 Unterschriften sammeln, um ihre Initiative zur Abstimmung zu bringen. Sie argumentieren - wie schon in anderen Fällen -, dass nicht Richter über die Köpfe der Menschen hinweg eine solch wichtige gesellschaftspolitische Frage entscheiden dürfen. Und gehen implizit davon aus, dass das Volk anders entscheiden würde. Sollte ihre Initiative im November von Kaliforniens Stimmbürgern verworfen werden, würden sie ein wichtiges Argument verlieren.

Landesweite Bedeutung der Abstimmung

Einiges weist darauf hin, dass die Formulierung in den Abstimmungsunterlagen eine grosse Rolle spielt. Der Wortlaut der Initianten, nach dem die Staatsverfassung verändert werden soll, «damit sichergestellt ist, dass nur die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau in Kalifornien anerkannt wird», wurde von Generalstaatsanwalt Jerry Brown abgeändert. Nun heisst es auf den Abstimmungszetteln, die Initiative sei eine Massnahme, «um das Recht gleichgeschlechtlicher Paare zu eliminieren, heiraten zu dürfen». Brown argumentierte, diese Formulierung sei nötig, um deutlich zu machen, was die Folge der Initiative wäre. Die Initianten gingen gerichtlich gegen diese Neuformulierung vor, verloren jedoch.

Schwule und Lesben hoffen nun darauf, dass es vielen Stimmbürgern schwer fallen wird, ihnen etwas wieder wegzunehmen, das sie bereits haben - und die neusten Umfragen scheinen ihnen recht zu geben. Der Abstimmungskampf ist dennoch in vollem Gange. Die Initianten haben bis letzte Woche 10,1 Millionen Dollar gesammelt, um für ihr Anliegen zu werben. Den Befürwortern der Gay Marriage stehen 9,4 Millionen zur Verfügung. Beide Seiten haben einen substanziellen Teil dieses Geldes ausserhalb Kaliforniens aufgetrieben, was die landesweite Bedeutung der Abstimmung illustriert.

Homosexuelle Aktivisten haben inzwischen begonnen, Namen von Geldgebern zu veröffentlichen, welche die Initiative mit Beträgen von mehr als 5000 Dollar unterstützen. Und rufen ganz konkret zum Boykott von entsprechenden Unternehmen auf. «Das ist ein freies Land, und jeder kann die Initiative mit so viel Geld unterstützen, wie er will», sagt Fred Karger von der Organisation Californians against Hate (Kalifornier gegen Hass). «Aber wir publizieren das, damit die Menschen entscheiden können, ob sie solche Geschäfte unterstützen wollen oder nicht.»

Schwule boykottieren Hyatt

Dies ist angesichts der vielen finanziell eher gut situierten Schwulen keine leere Drohung. Bereits zu spüren bekommen hat sie das Manchester Grand Hyatt Hotel in San Diego. Deren Besitzer Doug Manchester hatte den Initianten 125 000 Dollar gespendet. Mit Hilfe einer lokalen Gewerkschaft gelang es Schwulenaktivisten dann, zwei Berufsorganisationen, die im Hotel Veranstaltungen geplant hatten, davon zu überzeugen, diese woandershin zu verlegen. Die Hyatt-Zentrale in Chicago versicherte daraufhin, dass die einzelnen Hotelbesitzer frei seien, wie sie sich bei politischen Fragen verhielten. «Wir haben keine bestimmte Haltung zu der Initiative», erklärte eine Mediensprecherin dem «Wall Street Journal». Sie beeilte sich jedoch anzufügen, dass Hyatt schon lange die Politik betreibe, niemanden auszugrenzen - das gelte für die Gäste ebenso wie für die Angestellten. «Doug Manchester spricht in keiner Weise für Hyatt.»

Konservative Christen reagierten umgehend auf den Hotelboykott. James Hartline, Herausgeber der «California Christian News», rief seine 20'000 Leser dazu auf, all jenen Mitarbeitern von Hotels und Restaurants keine Trinkgelder mehr zu geben, die Mitglied dieser lokalen Gewerkschaft sind.

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